Als Bundesliga-Aufsteiger war der TC Radolfzell im Jahre 2009 natürlich bestrebt, den Klassenerhalt zu schaffen, und dazu verpflichtete man unter anderem Angelique Kerber, die zwei Jahre zuvor im deutschen Fed-Cup-Team ihr Debüt gegeben hatte und als hoffnungsvolles Talent galt.

Die damals 21-jährige Kielerin stand damals kurz vor dem erneuten Sprung unter die Top 100 der Weltrangliste und Norman Bingeser, damals wie heute Trainer des TC Radolfzell, erinnert sich noch gut: "Sie konnte damals zwar nicht alle Spiele mitmachen, doch als es knapp wurde, war sie präsent." Allerdings, so Bingeser, war sie damals ein Profi unter vielen, eine Spielerin, der noch die Konstanz und Nervenstärke fehlte.

Deutscher Meister 2010

Ein Jahr später gab man sich in Radolfzell nicht mehr mit dem Klassenerhalt zufrieden, der Deutsche Meistertitel sollte her. Und obwohl man vor der Saison eine gewisse Skepsis hatte, ob Kerber auf einer Spitzenposition womöglich überfordert sein könnte, wurde die Linkshänderin zur Leistungsträgerin und hatte gehörigen Anteil daran, dass der Deutsche Meistertitel 2010 auf die Mettnau ging.

Im Jahr 2011 dann kreuzten sich die Wege von Rainer Schüttler, einst Nummer fünf der Weltrangliste, und Kerber, die ein Jahr später Nummer fünf der Damen werden sollte, auf der Mettnau. Obwohl Kerber dazu beitrug, dass der Titel verteidigt werden konnte, steckte sie in einer Krise, dachte wenig später, nach dem Erstrunden-Aus in Wimbledon, sogar ans Aufhören.

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Dann aber beherzigte sie den Rat Bingesers und vor allem die Empfehlung ihrer Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic, die ihr das Training in der Offenbacher Tennis-University von Rainer Schüttler und Alexander Waske nahelegten. Mit verbesserter Beinarbeit und Technik bekam ihre Karriere neuen Schwung. Im Herbst 2011 stand sie bei den US-Open erstmals im Halbfinale eines Grandslam-Turniers, ein Jahr später war sie auf Rang fünf der Weltrangliste. 2016 gewann sie die Australian Open und die US Open und stand zudem im Wimbledon-Finale, das sie gegen Serena Williams verlor.

In Radolfzell erinnert man sich noch immer gut an "Angie", die im Spiel fokussiert war, abseits des Platzes stets zurückhaltend, freundlich und frei von Starallüren auftrat.