Was für ein Wochenende für Michelle Halder! Die 20-jährige Meßkircherin hat ihren männlichen Konkurrenten gezeigt, dass Frauen auf vier Rädern verdammt schnell unterwegs sein können. In der ADAC TCR Germany holte sie sich im achten Saisonrennen den Sieg – nicht nur ihr erster Erfolg in der Tourenwagenserie, sondern auch der erste einer Frau überhaupt bei der TCR Germany. In dieser ist die ausgelernte Mediengestalterin in dieser Saison die einzige Frau. „Es ist einfach umso toller, es den ganzen Jungs gezeigt zu haben“, erzählt Michelle Halder mit einem Schmunzeln. „Ein unglaubliches Gefühl, einfach grandios und als einzige Frau umso besonderer“, ergänzt sie.

Start-Ziel-Sieg

Die Meßkircherin startete von der Pole Position, und zeigte ihren männlichen Kontrahenten das ganze Rennen nur die Bremslichter. „Ich hatte einen guten Start und dann hat alles perfekt funktioniert. Ich habe es sehr genossen, hatte großen Abstand und konnte mein eigenes Rennen fahren“, lässt Halder Revue passieren. Und sie fügt hinzu: „Das war schon klasse und hat richtig Spaß gemacht.“

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Eine beeindruckende Leistung. Und dann komplettierte auch noch ihr Bruder Mike – der ebenfalls in der TCR Germany startet und im Wertungslauf am Samstag auf dem zweiten Rang landete – mit Platz drei hinter dem Gesamtführenden Antti Buri das perfekte Familienergebnis für die Halders. Für Michelle war das natürlich besonders schön: Der erste Sieg, und dann auch noch mit dem dreieinhalb Jahre älteren Bruder auf dem Podest zu stehen. „In den Rückspiegel“ habe sie in der letzten Runde öfter geschaut und „gehofft, dass es auch bei Mike für das Podium reicht. Ich bin sehr stolz. Er ist mein Teamchef und steht immer hinter mir. Dass wir beide gemeinsam auf dem Podium stehen durften, ist echt der Hammer. Wir sind ein Team“, sagt die gebürtige Überlingerin.

Michelle Halder. Bild: Ehrensperger
Michelle Halder. Bild: Ehrensperger | Bild: Michael Ehrensperger

Als einzige Frau boxt sich Michelle Halder gegen die Männer durch – aktuell liegt sie auf dem achten Gesamtrang, in der Juniorenwertung ist sie Zweiter. „Platz fünf und bester Junior ist das Saisonziel“, stellt die ambitionierte Rennfahrerin klar. „Ich fühle mich in meinem Honda sehr wohl, es macht viel Spaß“. Was ihre Saisonziele betrifft, passt der Sieg am Sonntag in Zandvoort freilich perfekt in ihre Rechnung. „Ich möchte genau da weiter machen, wo ich am Wochenende aufgehört habe“, sagt die optimistische Rennsiegerin. „Ich freue mich schon riesig auf den Nürnburgring an diesem Wochenende. Es läuft momentan einfach.“

Michelle Halder ermutigt Nachwuchs

Dass sie die einzige Frau in der TCR ist, findet Halder schade. „Ich wünsche mir mehr Rennfahrerinnen“, sagt die Frau, für „die es seit der Kindheit nichts anderes als den Motorsport gab“, mit voller Überzeugung. Und sie schickt gleich noch eine Ermutigung an den weiblichen Nachwuchs hinterher: „Träume sind wichtig, man muss an seine Ziele glauben. Auch im Motorsport kannst du es als Mädchen schaffen.“ Ein möglicher Grund dafür, dass Halder die einzige Frau in der Tourenwagenserie ist, könnte die „W Series“ sein – eine nur auf Frauen reduzierte Rennserie, in der sich just die 21-jährige Britin Jamie Chadwick den Sieg in der Gesamtwertung sichern konnte. „Ich wurde für diese Rennserie auch angeschrieben, es stand also zur Wahl,“ erzählt Michelle Halder. „Ich habe mich dann aber für die TCR und gegen die W Series entschieden. Und das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.“