Sappradi, der FC Bayern München. Rekord über Rekorde. Gegründet am 27. Februar 1900 hat der Klub inzwischen mehr als 290 00 Mitglieder und ist damit der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Unter den drei Buchstaben FCB gibt es Turner, Schachspieler, Baseballer und Basketballer, aber die Schlagzeilen beherrschen natürlich die Fußballprofis.

Gründungsmitglied der Bundesliga waren die Münchner übrigens nicht, der Lokalrivale TSV 1860 München dagegen schon. Überhaupt waren die Blauen den Roten in den Sechziger Jahren mehr als eine Fußspitze voraus. 1965 erreichten die Löwen das Finale im damaligen Europapokal der Pokalsieger, das sie in London gegen West Ham United mit 0:2 verloren. 1966 holten die Sechziger den Meistertitel, im Tor hatten sie mit Petar Radenkovic einen Star, der seiner Zeit voraus war – als stürmender, aber auch als singender Torwart. Bin i Radi, bin i König...

Zurück zu den Roten. Bei denen kickte in jener wegweisender Zeit der junge Franz Beckenbauer. Erst mit der Nummer elf als Linksaußen, bald aber mit der Nummer fünf als Libero. Als was? Kein Schmarrn, der elegante Ballschmeichler, der in nicht allzuferner Zukunft zum Kaiser ernannt werden sollte und dies bis heute geblieben ist, erfand eine neue Position: den Libero. Das komme von liber, von Buch auf lateinisch, befand seinerzeit der Komiker Otto jauchzend, aber es kam, auf den Fußball gemünzt, eher von Freigeist. Jedenfalls war der Libero fortan der freie Mann in der Abwehr, der mit dem Überblick, der keinen Gegenspieler direkt bewachen musste, dafür aber Löcher stopfte. Und der, das im Falle Beckenbauer vor allem, bei Balleroberung das Spiel sofort ankurbelte. Ab durch die Mitte ging‘s damals, Franz Beckenbauer, der Erfinder, war denn auch der Libero schlechthin.

Eine Schmonzette am Rande: Eigentlich sollte der junge Giesinger Bub Franzl Beckenbauer zu den Sechzigern wechseln, doch bevor es so weit kam, bekam er in einem Spiel seines SC 1906 München gegen die Löwen von einem Gegenspieler eine geschmiert. Womit für den zornigen Franz eines klar war: niemals nicht zu 1860, was für ein Glück für den FC Bayern. Der Backpfeifenverteiler heißt übrigens Gerhard König, stammte aus Füssen und kickte für die Löwen.

Ohne König kein Beckenbauer beim FC Bayern, ohne Beckenbauer keine solche Entwicklung des Klubs? Einer sagt da: stop! Beckenbauer selbst hebt nämlich einen anderen Fußballer auf den Schild. „Ohne Gerd Müller hätten wir nie diese Erfolge erzielt, ohne Gerd Müller wäre der FC Bayern nie das geworden, was er geworden ist“, sagte Beckenbauer immer und immer wieder. Der unglaubliche Torjäger, der Bomber der Nation, der beste Mittelstürmer aller Zeiten kann diese Worte leider nicht mehr aufnehmen. Denn Gerd Müller leidet an Alzheimer und lebt in einem Pflegeheim für Demenzkranke, stets umhegt auch von Ehefrau Uschi, die ihren Mann täglich besucht: „Auch wenn er in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist, erreiche ich ihn noch“, sagte sie vor zwei Jahren. „Er freut sich, wenn ich komme. Es macht Freude, mit ihm die Zeit zu verbringen. Er ist aber auch nicht traurig, wenn ich wieder gehe.“

Wissenswertes über den Verein


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J+P+R Mittmann