Ansgar Schwenken bezeichnet einen der wichtigsten Arbeitsplätze des deutschen Profifußballs – fast ein wenig despektierlich – als „Kölner Keller“. In der Tat: Es ist ein Raum im Untergeschoss des Cologne Broadcasting Centers am Rheinufer in Deutz. Aber Schwenken, Direktor für Fußball-Angelegenheiten und Fans der Deutschen Fußball Liga, kennt auch die korrekte Bezeichnung des fensterlosen Areals: „Video Assist Center (VAC).“ Und bittet höflich darum, diesen Terminus zu verwenden.

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Woche für Woche gibt es bei Fans und Vereinen Diskussionen um die Zusammenarbeit zwischen jenem VAC und den Schiedsrichtern in den Stadien. Am vergangenen Wochenende zum Beispiel beim entscheidenden Strafstoß für Eintracht Frankfurt beim FC Schalke in der neunten Minute der Nachspielzeit.

Schiedsrichter Sascha Stegemann (rechts) und ein Operator bei der Arbeit. Das Eingreifen der Video-Assistenten sorgt im Spielbetrieb immer wieder für Aufregung.
Schiedsrichter Sascha Stegemann (rechts) und ein Operator bei der Arbeit. Das Eingreifen der Video-Assistenten sorgt im Spielbetrieb immer wieder für Aufregung. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Es bleibt immer die gleiche Frage: Wird der Fußball durch den Videobeweis gerechter? Die Schalker sagen in dem Fall natürlich nein, sie fühlen sich benachteiligt, haben nie und nimmer ein strafbares Handspiel gesehen. Handspiel ja oder nein? Diese Frage wird auch durch den Videobeweis nicht eindeutiger geklärt. Zumal die Auslegung noch sehr schwammig ist. Mal wird eingegriffen, mal nicht. Das führt dazu, dass nach Spieltagen nun nicht mehr ausschließlich über Entscheidungen der Schiedsrichter diskutiert wird, sondern vermehrt über den Videobeweis. Nicht jedem Fan gefällt das.

Immenser technischer Aufwand

In Deutz können an sechs Arbeitsstationen ein Video-Assistent, ein weiterer Assistent und zwei Operatoren verfolgen, was sich auf dem Rasen der Bundesliga-Stadien tut. Dort sind 19 bis 21 Kameras im Einsatz, die alles einfangen, vom kleinsten Foul bis zum klaren Elfmeter. Und es gibt auch ein Technik-Werkzeug, das immer bedeutender wird: die kalibrierte Abseitslinie.

Bildschirme, Kabel, Mikrofone – das Sammelsurium an Hightech ist immens. 300 Bilder pro Sekunde können geliefert werden, es wird vor- und zurückgespult, wenn sich der Video-Assistent zum Eingreifen entschließt. Diese Fälle sind klar definiert: bei einem Tor (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten), bei einem Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen), bei einer Roten Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen) und bei Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte).

Der Schiedsrichter Sascha Stegemann an seinem zeitweisen Arbeitsplatz in Köln vor den Monitoren im Video Assist Center.
Der Schiedsrichter Sascha Stegemann an seinem zeitweisen Arbeitsplatz in Köln vor den Monitoren im Video Assist Center. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Eines ist vorausgesetzt: Der Video-Assistent greift ein, wenn seiner Meinung nach eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. „Das wird eigentlich jede Woche trainiert“, sagte Jochen Drees, fachlicher Projektleiter für den Bereich Video-Assistent beim Deutschen Fußball-Bund. Er sagt aber auch deutlich: „Die Entscheidung kann nur der Schiedsrichter auf dem Platz treffen.“ Deswegen heißt der Keller-Mann auch Video-Assistent und nicht Video-Schiedsrichter. Die Kommunikation zwischen den Kölnern und dem Unparteiischen im Stadion läuft über Funkkontakt. Das Gerät blendet nahezu jedes Hintergrundgeräusch aus.

"Der Nobby guckt schwer in die Sonne"

Dann geht es los, wie jüngst beim Spiel zwischen Hannover und Schalke. Die Kölner sitzen auf ihren Bürostühlen mit Kopfstütze. „Viel Erfolg“ lautet der gegenseitige Wunsch vor dem Anpfiff. Fast jede Aktion wird kommentiert: „Passt. Das hat er gut gesehen“, ist vom Assistenten zu vernehmen. Oder auch die Aufforderung an den Operator, der die Kameraeinstellung bedient: „Geh’ du in den Strafraum.“ Man antizipiert alles, was wichtig sein könnte.

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Teilweise sind die Dialoge witzig. „Der Nobby guckt schwer in die Sonne“, stellt einer der Kölner fest, weil Norbert Grudzinski als Schiedsrichter-Assistent im Stadion mit den Lichtverhältnissen zu kämpfen hat. Den Video-Assistenten in Köln stört so etwas nicht: Er sitzt fast im Dunkeln und hat generell viel weniger Anspannung als im Stadion. (dpa)