Eine Überraschung ist es nicht. Joachim Löw will Bundestrainer bleiben und Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, gibt begeistert Zustimmung. Die Erklärung ist einfach: Den DFB traf die sportliche Katastrophe von Russland unvorbereitet, einen Plan B gibt es nicht. Löw wiederum hat seine Tätigkeit mit dem Wort „Traumjob“ beschrieben, so etwas gibt man nicht leichter Hand auf und schon gar nicht, wenn der Arbeitgeber größtes denkbares Wohlwollen signalisiert.

Woher nimmt der DFB seine Gewissheit in der Causa Löw?

Richtig ist, dass derzeit kaum ein anderer Fußballlehrer verfügbar ist, der zum Bundestrainer taugt. Richtig ist auch, dass Löw bis zur WM erfolgreiche zwölf Jahre vorzuweisen hat. Erstaunlich ist trotzdem, wie ein DFB-Präsident bereits wieder von der „Erfolgsspur“ spricht, in die Löw die Nationalmannschaft zurückführen werde. Einfach so, ganz selbstverständlich? Noch vor wenigen Tagen wollte derselbe Mann eine offene, schonungslose Analyse des WM-Debakels haben, jetzt sagt Grindel, das brauche Zeit. Woher nimmt man beim DFB die Gewissheit, dass Löw Korrekturen an seiner Arbeit vornimmt?

Löws Glaube, der Erfolg müsse und werde eine Fortsetzung finden, gehört zu dieser Art von Selbstherrlichkeit, die er nach dem Mexiko-Spiel seinen Spielern attestierte. Sein Mangel an Entscheidungsfreude, sein stures Festhalten am Establishment, seine erstaunlichen Fehleinschätzungen hinsichtlich Spieler-Fitness und Teamspirit – all das sind Gründe für das Scheitern in Russland. Darüber hätte doch gesprochen werden müssen, bevor neuer Lobgesang intoniert wird. So haben Löw und Manager Bierhoff Veränderungen angekündigt, aber nicht gesagt, welcher Art diese sein werden. Bis dahin bleiben die Erkenntnis, dass Löw seine eigene Herangehensweise wie noch nie verändern muss – und die Zweifel daran, ob er dazu wirklich bereit ist.