„Sven Ulreich – Rente mit 26“, stand am 17. Juni 2015 an dieser Stelle. Einen Tag zuvor hatte der Torhüter des VfB Stuttgart seinen Wechsel zum FC Bayern München verkündet. Und sich damit doch absehbar für einen Wechsel vom Stammplatz zwischen den Pfosten zu einem auf der Reservebank entschieden. Wegen des Geldes? Damit er seine Ruhe hatte vor schwäbischen Bruddlern, die am Wasen haufenweise auf der Platte waren? Ulreich argumentierte anders. Er habe sich für eine neue Herausforderung entschieden, na ja.

Fast drei Jahre später, am Tag vor dem Rückspiel des FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Sevilla, sagte Jupp Heynckes gestern: „Im Herbst 2017 hat Sven Ulreich überhaupt keine Anerkennung außerhalb des Vereins gehabt. Das hat sich extrem verwandelt. Er hat uns sehr viele Spiele gewonnen und ist nicht nur einer der besten Torhüter der Bundesliga geworden, er hat jetzt Anerkennung im Club und außerhalb.“

Zeit also, Sven Ulreich Respekt zu zollen. Zwei Spielzeiten lang war er tatsächlich nur der Bankdrücker mit überdurchschnittlichen Einkünften, in der Saison 2015/16 kam er 39 Minuten in der Bundesliga zum Einsatz und je einmal in nachrangigen Partien der Königsklasse und im DFB-Pokal. In der Spielzeit 2016/17 vertrat er den verletzten Manuel Neuer schon siebenmal (5 x Bundesliga, je 1x Champions League und DFB-Pokal). Und in der aktuellen Runde sind es 37 Spiele, 15 davon ohne Gegentor, alle über die vollen 90 Minuten. Das heißt: Sven Ulreich hat Charakter, Moral, Einstellung und Kampfgeist, hat klaglos den zweiten Mann gegeben, um in der Stunde der Bewährung da zu sein. Und wie, besser denn je, fast immer souverän. Kompliment!