Überraschender Schlusspfiff: DFB-Präsident Reinhard Grindel hat ein TV-Interview mit der Deutschen Welle vorzeitig abgebrochen. In Rage brachte den Chef des mitgliederstärksten Fußballverbandes der Welt in dem am Mittwoch veröffentlichten Interview Fragen zu einem möglichen Milliardendeal von Fifa-Boss Gianni Infantino. Medienberichten zufolge wollen Investoren aus der arabischen Welt und Asien 25 Milliarden US-Dollar für Vermarktungsrechte unter anderem an einer neuen Klub-Weltmeisterschaft der besten Vereine der Welt und einer weltweiten Liga der Nationalmannschaften, der Global Nations League, bieten. Kritiker befürchten einen Ausverkauf des Fußballs.

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Angeblich soll über diese Offerte und weitere Zukunftsprojekte am Freitag auf dem Treffen des Fifa-Rates in Miami gesprochen werden. Grindel ist Mitglied dieses Gremiums und wird an den Beratungen teilnehmen. Offen ist laut Grindel unter anderem, ob die Erlöse der geplanten Klub-WM zumindest zu Teilen allen 211 Fifa-Mitgliedsverbänden zugute kommen sollen. Der DFB-Präsident sagte dazu: „Wenn gerade in Europa Klubs hohe Einnahmen aus dem neuen Wettbewerb generieren, dann spricht doch einiges dafür, dass die Solidaritätsgelder in die Ligen fließen, aus denen die teilnehmenden Klubs kommen.“

Auf die Frage, ob sich dadurch die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen weiter öffne, antwortete Grindel: „Wenn wir einen solchen Wettbewerb nicht veranstalten, machen es kommerzielle Anbieter. Und da gibt es gar keine Solidaritätszahlungen.“ Zur Global Nations League laute die Beschlussempfehlung der Fifa, erst einmal weitere Vorarbeiten zu leisten, „aber auf absehbare Zeit nicht darüber abzustimmen“, so Grindel. Nähere Angaben machte der DFB-Chef nicht, forderte stattdessen Deutsche Welle-Autor Florian Bauer auf: „Jetzt machen Sie doch vernünftige Fragen, auf die ich vernünftig antworten kann.“ Kurz darauf brach Grindel das Gespräch ab.

Die Fifa steht seit langem wegen intransparenten Finanzgebarens in der Kritik. Nach Einschätzung des österreichischen Publizisten Klaus Zeyringer wird die Kommerzialisierung im Profifußball weitergehen. Das Ende dieser Entwicklung werde erst erreicht sein, „wenn wirklich alle Räume besetzt sind, Fußball total, rund um die Uhr und zu jeder Jahreszeit“, sagte Zeyringer im November in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

(KNA)