Die Meisterschaft haben Mannschaft, Fans und Verantwortliche der Panthers Schwenningen bereits genossen. Die Schwarzwälder waren das dominierende Team in der Basketball-Regionalliga Südwest und schon vier Spieltage vor Ende der Saison nicht mehr von Platz eins der Tabelle zu verdrängen. So euphorisch die Stimmung in Schwenningen war, so gedrückt dürfte sie in Köln gewesen sein. Am Sitz der 2. Basketball-Bundesliga GmbH, die sich selbst die „Junge Liga“ nennt, ist die Freude über den Aufsteiger in die ProB, der rangniederen von zwei Spielklassen unterhalb der Basketball-Bundesliga (BBL), überschaubar. Die Panthers drohen nämlich damit, die seit Jahren geltende Ausländerregel zu kippen.

In der 2. Liga unterwerfen sich die Klubs seit Jahren einem Passus, die vorsieht, dass in der ProB immer mindestens drei, in der ProA immer mindestens zwei deutsche Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen müssen. Die Regelung ist eingespielt und lange wurde darüber – zumindest in der Öffentlichkeit – nicht mehr diskutiert.

Seit ein paar Wochen ist das anders, denn die Schwenninger haben den Aufstieg mit einem Kader geschafft, in dem zwei Deutsche, ein US-Amerikaner, vier Slowenen, zwei Bulgaren, ein Litauer und ein Ungar stehen. Und der frischgebackene Aufsteiger sieht keinen Grund, seine Aufstiegshelden vom Hof zu jagen. „Die Spieler sind zum Teil schon vier, fünf Jahre bei uns, leben mit ihren Familien hier und ich sehe nicht ein, warum ich sie jetzt wegschicken soll“, sagt Frank Singer. Singer ist Geschäftsführer der Panther und weiß das geltende EU-Recht auf seiner Seite. Er spricht nicht von Ausländern, wenn er über die Spieler spricht, die aus anderen Teilen Europas nach Schwenningen kamen.

„Das sind EU-Mitbürger“, erklärt Singer. Also haben die Panthers angekündigt, notfalls gegen die bestehende Regel in der „Jungen Liga“ klagen zu wollen, damit ihre Spieler aus dem EU-Raum nicht gegenüber Deutschen benachteiligt werden. Für Juristen ist der Fall klar, vor einem Gericht würde der Lig-Neuling gegen den Verband gewinnen. Die EU-Verfassung steht über dem Sportrecht und sieht die freie Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der Union vor.

Warum in Schwenningen weniger Spieler in der ersten Männer-Mannschaft mit deutschem Pass spielen als in anderen Clubs? Der Verein hat seine Ursrünge in einem Kulturclub, der von Auswanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien gegründet wurde, bei dem aber auch Menschen anderer Herkunft eine sportliche Heimat fanden. 2005 ging der Basketballklub insolvent, der Nachfolgeverein hat sich große Ziele gesetzt und will darin nicht ausgebremst werden. „Es ist doch egal, welche Relgion, Hautfarbe oder was weiß ich einer hat“, sagt Alen Velcic, Trainer der Schwenninger Basketballer. „Entscheidend ist, dass das alles Menschen sind, die hier leben, die einfach Basketball spielen wollen.“ Und es nach jetzigem Regelwerk eben in der nächsten Saison nicht mehr dürfen.

„Wir sind zufrieden mit der bisherigen Regelung“, sagt dagegen Daniel Müller. Der Geschäftsführer 2. Basketball-Bundesliga GmbH hofft, um eine Änderung der eigenen Statuten herumzukommen. Bei einem außerordentlichen Treffen aller Vereine am Samstag in Gießen soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Viel Spielraum wird Liga und Klubs bei der anstehenden Unterredung jedoch nicht bleiben, wenn ein Rechtsstreit vermieden werden soll. Eine Klageschrift der Schwenninger liegt dem Ligaverband bereits vor.

Schon jetzt fällt immer wieder der Name Bosman, um die Auswirkungen zu beschreiben, die eine Neufassung der Ausländerregel mit sich bringen könnte. „Damals hieße es, der Profifußball stünde vor seinem Ende“, sagt Singer gelassen: „Aber das Gegenteil ist der Fall.“ Panther-Geschäftsführer Singer versteht ohnehin nicht, warum ab der 2. Bundesliga andere Regeln gelten sollen als in den Spielklassen darunter, in denen unbegrenzt EU-Spieler eingesetzt werden dürfen: „Das ist ja so, als wenn auf der Landstraße die einen Verkehrsregeln gelten und in der Stadt auf einmal ganz andere…“

Ursprünglich sollte die Regelung dazu führen, dass junge deutsche Talente mehr Spielzeit bekommen, um sich so weiterzuentwickeln, was schließlich der Nationalmannschaft zugute kommen soll. In der Praxis sieht Alen Velcic das anders: „Subventionierte Spielzeiten bringen doch nichts“, so der Schwenninger Trainer. „Das führt nur dazu, dass viele Vereine, die aufsteigen, dringend deutsche Spieler brauchen. Die kassieren dann ab, entwicklen sich aber nicht weiter. Wir brauchen eine bessere Jugendarbeit, dann löst sich das Problem von selbst.“

Auch bei seinem Verein sei die Nachwuchsförderung in den vergangenen Jahren zu kurz geraten, inzwischen sehen sich die Schwenninger mit 150 Kindern und Jugendlichen aber auf einem guten Weg. „Bis wir davon profitieren werden, wird es aber noch einige Jahre dauern“, vermutet Alen Velcic. Zeit, die man in Schwenningen nicht hat, schließlich muss der Club jetzt eine starke Mannschaft für die ProB aufstellen, weshalb der Etat angeblich auch von 160 000 Euro auf 250 000 Euro erhöht werden soll. Dennoch: Gleich starke Spieler mit deutschem Pass gibt es im Vergleich zum bisherigen Kader mit diesen Mittel nicht.

In der ersten Liga der Basketballer, der BBL, beobachtet man die aktuelle Entwicklung – zumindest nach außen hin – gelassen. Die BBL ist eigenständig organisiert und hat eine eigene Ausländer-Regel. Maximal sechs Nichtdeutsche dürfen im Kader stehen. „Wir beobachten das Geschehen aus der Adlerperspektive“, sagt ein Ligasprecher. Noch ist es ein Problem der ProB. Nicht auszuschließen ist aber, dass es Nachahmer aus der ersten Liga geben könnte, wenn sich die Schwenninger mit ihrer Forderung durchsetzen.