Nein, in Freiburg ist am Mittwochabend kein DFB-Pokal. Und doch sind Fußballfans im Schwarzwaldstadion. Und Nils Petersen, der Publikumsliebling des Sportclubs, auch. Und dazu die Crew des ARD-Sportschau-Clubs mit Moderator Alexander Bommes und Entertainer Arnd Zeigler. Kurz vor Mitternacht geht’s dann zur Sache, oder besser: auf Sendung.

Nils Petersen „Fußballgott“, wie ihn der SC-Anhang bei den Heimspielen regelmäßig feiert, erhält die Medaille für das Tor des Jahres 2018. Gewählt haben ihn die Sportschau-Zuschauer, Petersen hat mit 14,79 Prozent der Stimmen den Frankfurter Luka Jovic (11,5 Prozent) und Blindenfußballer Serdal Celebi vom FC St. Pauli (11,46 Prozent) knapp hinter sich gelassen.

Sensationelles Tor

Das Tor des Freiburger Angreifers war ein echter Hingucker, eines aus der Kategorie unglaublich. Petersen hatte unweit der Mittellinie einen Pass des Dortmunders Nuri Sahin erahnt, den Ball abgefangen und ihn direkt aus rund 40 Metern Distanz Richtung Tor auf die Reise gebracht. Der an der Strafraumgrenze stehende BVB-Torhüter Roman Bürki rannte zurück, streckte sich und hatte doch keine Chance, an die Kugel zu kommen – sensationell.

Ab Minute 3:03:

Im mit Bildern des Fußballers Nils Petersen geschmückten Raum des Stadions erntet der Super-Torschütze gleich mal donnernden Applaus. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Petersen, „ es hieß, es kommen ein paar Leute.“ Kopfschüttelnd relativiert der 30-Jährige seine Fußballkunst. Bei solch einem Schuss benötige man immer auch ein bisschen Glück, und zudem: „Ich bin ja nicht dafür bekannt, die spektakulären Tore zu schießen.“Sei’s drum, als Torschütze des Jahres steht er nun in einer Reihe mit Größen wie Gerd Müller, Günter Netzer, Oliver Bierhoff oder gar Zlatan Ibrahimovic.

Aus Wernigerode nach Freiburg

Petersen bekommt von Bommes die Medaille, dann entwickelt sich ein unterhaltsames Gespräch, immer wieder von filmischen Sequenzen unterbrochen. SC-Teamkollege Florian Kath erzählt, seine Oma habe dreimal für den Nils angerufen. „Sie wäre extrem sauer gewesen, wenn du das Ding nicht nach Hause geholt hättest – und die sechzig Cent hätte ich mir auch von dir zurückgeholt“, sagt Kath. Aus Petersens Heimatstadt Wernigerode meldet sich der Jugendtrainer des kleinen Nils, Uwe Gabler. Er erinnert an einen 5:1-Sieg der Wernigeroder Fußballknirpse beim HSV, „der Nils hat alle fünf Tore geschossen“.

Gabler erzählt von der ersten Zigarre, die der kleine Petersen nach dem Gewinn der B-Jugend-Meisterschaft geraucht, na ja, wohl eher angeraucht habe. Man erfährt, dass der Nils als Bub ein Freund von Bratwürsten war, ihn Papa Andreas, seines Zeichens Trainer beim VfB Germania Halberstadt, deshalb „Dicker“ nannte und mal eben eine Kindersicherung am Kühlschrank anbrachte. Längst verschmäht der Profi Petersen Würste aller Art („Stehen ja auch nicht auf einem ernährungsbewussten Speiseplan“), längst grüßt ihn der Paps als „Schöner“.

Frage nach Wechselabsichten

Dann wird es aus Freiburger Sicht kritisch. Moderator Bommes fragt, ob es noch mal Wechselabsichten geben könne: „Sie haben auf eine entsprechende Frage gesagt, der FC Bayern sei mit Robert Lewandowski und Sandro Wagner als Backup bestens aufgestellt, aber jetzt ist der Backup weg.“ Petersen schmunzelt. Da glaube er eher nicht dran, „warum soll ich eine Erfahrung machen, die ich schon gemacht habe – auf der Bank sitzen?“

In Freiburg ist Nils Petersen zum Nationalspieler geworden. Er ist mit 38 Treffern bester Bundesliga-Torschütze des Sportclubs und mit 69 Pflichtspieltreffern auf gutem Wege, auch den Allzeit-Rekordtorschützen Jogi Löw (83 Treffer) abzulösen. 14 Tore fehlen noch, das wird Petersen schaffen. Warum? „Weil ich mich fit fühle und noch einige Jahre Fußball spielen will.“ In Freiburg! „Da kommt ja noch ein neues Stadion, das will man auch erleben“. Gut gesprochen, Fußballgott aus dem Breisgau.