Der deutsche Fußball steckt in der Krise. Keine allzu gewagte These bei der Erinnerung an die Weltmeisterschaft vor wenigen Wochen. Das war wenig erfreulich, was Joachim Löw und sein ambitioniertes Team da boten. Die Aufarbeitung dieses Scheiterns läuft noch und fällt mitten in den Start der Fußball-Bundesliga. Die beginnt jetzt mit ihrer neuen Saison und soll die Fans wieder aus ihrer Traurigkeit holen. Doch kann die Bundesliga das?

Das könnte Sie auch interessieren

Die Fans werden ihrem Lieblingsclub sicherlich nicht den Rücken kehren, nur weil die Nationaleelf versagte. Die Vorzeichen sind dennoch bescheiden. Immer weniger Live-Fußball kommt im frei empfangbaren Fernsehen, immer weniger Topstars spielen in der Liga und die Langeweile an der Spitze scheint ihre Fortsetzung zu finden. Der FC Bayern München als großer Favorit, auch wenn die erste Runde im DFB-Pokal als Hoffnungszeichen für weniger Münchner Dominanz gelten mag. Zumal Neu-Trainer Niko Kovac sich nicht nur im schwersten Umfeld der Liga zurechtfinden, sondern auch viele WM-Enttäuschte wieder zu Spitzenleistungen kitzeln muss. Leicht wird das nicht – letztlich aber droht der nächste Meistertitel für den Stern des Südens. Der leuchtet nach wie vor – und hoffentlich auch über die Liga hinaus.

Denn international wird die Bundesliga mehr und mehr abgehängt. Keinen der großen Stars drängt es zu einem Wechsel nach Deutschland. Mittlerweile rangiert sogar die italienische Serie A, die lange Zeit vor sich hindümpelte, an Attraktivität vor der deutschen Eliteliga. Cristiano Ronaldo ist das beste Beispiel. Der portugiesische Weltstar wechselte von Real Madrid zu Juventus Turin. Auch weil in der Bundesliga die Teams entweder nicht bereit sind, große Summen für solche Transfers zu investieren, oder es schlicht nicht können. Das schadet der Qualität der Liga, in der es möglich ist, auch mit unattraktive Spielweise um die Spitzenplätze mitzuspielen. Wenig Tempo, gezwängt in taktische Vorgaben, stabile Defensive – so sehen viele Spielpläne der Trainer in der Eliteliga aus. Und vorne hilft der Zufall.

In der Fünfjahreswertung des europäischen Verbandes Uefa hinkt Deutschland hinter Spanien, England und Italien her, Frankreich greift vehement an. Deutschland könnte bald einen Fix-Platz an das Weltmeisterland in der Champions League verlieren und damit immer weniger an den großen Geldtöpfen partizipieren. Eine grausige Vorstellung für die Zukunft.

Nun muss es kein Allheilmittel sein, sich in die Hände eines Investors zu begeben, wie es gerade in England viele Spitzenclubs tun. So sehen es die Traditionalisten, die aufstrebende Clubs wie RB Leipzig als Gefahr für den Fußball einschätzen. Weil dort dank Red Bull zwar Geld vorhanden ist, aber aus ihrer Sicht eben keine Tradition. Aber was ist die eigentlich wert? In Kaiserslautern zum Beispiel beschwören sie ihre Vergangenheit, für die aber können sie sich nichts kaufen. Also eben Liga drei, die die Zuschauer zwar in Massen (noch) annehmen. Das ändert sich schnell, sobald auch hier die Siege ausbleiben. Natürlich kann es sein, dass ein Investor nur für kurze Zeit den Erfolg garantiert. Zieht er sich wieder zurück, droht dem jeweiligen Club der dramatische Absturz. Andererseits ist der ganz große Erfolg nur noch mit ganz großem Geld möglich.

In England kämpfen gleich mehrere Teams an der Spitze mit, wenngleich sich zuletzt Manchester City abhob. In Deutschland dagegen: Bayern München, Bayern München und Bayern München. Der Rest in der einstigen Weltmeisterliga: weit abgehängt. Borussia Dortmund tat sich zuletzt häufig bei der Trainersuche schwer. Auch das ist ein Beleg für die wenig attraktive Liga. Selbst der FC Bayern musste lange suchen, um am Ende bei Niko Kovac zu landen. Bei aller Wertschätzung: Ein europäischer Spitzentrainer ist der ehemalige Profi noch nicht.

Die Krise des deutschen Fußballs aber kann auch eine Chance sein. Die Erkenntnis ist da, dass Änderungen nötig sind. Immerhin das.

http://marco.scheinhof@suedkurier.de