Marco Reus oder Timo Werner – die Chancen auf einen seit längerem eher seltenen deutschen Torschützenkönig in der Fußball-Bundesliga stehen gar nicht schlecht. Jeweils elf Tore haben BVB-Kapitän Reus und RB Leipzigs umworbener Werner bisher erzielt – und liegen damit nur einen Treffer hinter Reus' maximal effizientem Dortmunder Kollegen Paco Alcácer und Überraschungsmann Luka Jovic von Eintracht Frankfurt.

Manch einer tippt in einer Bundesliga-Umfrage der Deutschen Presse-Agentur aber auf den Angreifer, der sich schon 2014, 2016 und 2018 die Krone des erfolgreichsten Stürmers sicherte: Robert Lewandowski vom FC Bayern München, der bisher zehn Mal erfolgreich war. Bei der Aufholjagd von Titelverteidiger Bayern auf Spitzenreiter Dortmund will der Pole aber gehörig nachlegen.

Kopf an Kopf Rennen an der Spitze der Torjägerliste

„Ein spannendes Rennen, da aktuell acht Spieler nur drei Tore auseinander liegen“, betonte 1899 Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen: „Auch wenn Robert Lewandowski derzeit "nur" auf Rang fünf der Torjägerliste steht, glaube ich, dass er aufgrund seiner herausragenden Qualität, Erfahrung und konstant verlässlichen Leistungen zum vierten Mal Torschützenkönig wird.“

Und Rosen muss fürchten, dass Lewandowski gleich gegen die Hoffenheimer an diesem Freitag entsprechend loslegt. Selbst die Homepage der Bundesliga schrieb schon von Lewandowskis „Lieblingsopfer“ im Tor der Hoffenheimer, Oliver Baumann: Gegen ihn erzielte der Bayern-Mittelstürmer allein 14 Bundesliga-Tore, mehr als gegen jeden anderen Schlussmann. Die Rekordmarke von Claudio Pizarro mit 194 Bundesliga-Treffern als erfolgreichster Ausländer ist auch nur noch eine Frage der Zeit: 190 Tore erzielte Lewandowski bisher.

Fragezeichen hinter Reus zum Rückrunden-Auftakt

Ob die beiden Borussen auch nach dem Auftaktspieltag in der Rückrunde noch vor Lewandowski liegen, wird sich zeigen. Ob Reus und Alcácer im Kracher bei den Leipziger spielen, ist offen bis sehr fraglich. Reus ist geschwächt nach seinen Magenproblemen, Alcácer wohl höchstens einer für die Ersatzbank.

Wobei: Wenig Spielminuten sind für den ehemaligen Profi des FC Barcelona kein Grund für wenig Tore. Seine zwölf Treffer erzielte er laut Bundesliga-Datenbank in 502 Minuten Einsatzzeit. 24 Torschüsse notierten die Statistiker, eine beeindruckende Quote, jeder zweite Schuss ein Treffer. Zum Vergleich: Lewandowski schoss in 1429 Spielminuten 57 mal aufs Tor.

Die Bilanz von Leipzigs Nationalstürmer Werner sieht so aus: 64 Torschüsse, elf Tore, 1393 Spielminuten. Dennoch antwortet sein Coach Ralf Rangnick in aller Kürze auf die Frage, wer der Torschützenkönig wird: „Timo Werner.“ Ein erfolgreicher Auftakt gegen den BVB an diesem Samstag würde dem 21 Jahre alten Werner dabei weiterhelfen, 2017 wurde er mit 21 Toren bereits bester deutscher Torjäger.

RB Leipzigs Timo Werner jubelt nach seinem Tor zum 2:0 gegen den SV Werder Bremen.
RB Leipzigs Timo Werner jubelt nach seinem Tor zum 2:0 gegen den SV Werder Bremen. | Bild: Jan Woitas

Spannend wird allerdings sein, wie der gebürtige Schwabe und sein baden-württembergischer Trainer Rangnick mit der offenen Vertragssituation klarkommen. RB hat deutlich gemacht, dass Werner nun am Zug ist, verlängert er seinen Vertrag nicht vorzeitig über 2020 hinaus, wird RB ihn im Sommer verkaufen – gehandelt wird vor allem der FC Bayern, aber auch schon Dortmund.

Gibt es einen deutschen Torschützenkönig?

Deutsche Torjägerkönige sind längst eher selten. 2000 allein und 2002 zusammen mit dem damaligen BVB-Profi Marcio Amoroso durfte sich Martin Max vom TSV 1860 München über die Auszeichnung freuen, 2006 Miroslav Klose (Werder Bremen), fünf Jahre später Mario Gomez (Bayern München) sowie 2013 Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) und 2015 Alexander Meier von Eintracht Frankfurt.

Und der Hessen-Club ist wieder mit im Rennen. Wie Werner gerade mal 21 Jahre jung und sogar noch einen Treffer erfolgreicher war Jovic in der Hinrunde und somit gleichauf an der Spitze mit Alcácer, vor allem dank seines vereinshistorischen Fünferpacks gegen Fortuna Düsseldorf.

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic räumt dem serbischen Nationalspieler vielleicht Außenseiterchancen ein. Einen der beiden deutschen Top-Kandidaten hat der ehemalige Profi aber auch nicht auf der Rechnung: „Ich gehe davon aus, dass es am Ende des Tages Lewandowski wird oder Alcácer. Sie spielen in den beiden bedeutendsten Mannschaften.“ (dpa)