Der Fußball, der FC Liverpool mit seinem Stadion an der Anfield Road, der Trainer Jürgen Klopp – das passt perfekt zusammen. Geht nicht, gibt‘s nicht. Wer das Unmögliche nicht versucht, wird nie das Mögliche erreichen. 0:3 hatte Liverpool das Champions-League-Halbfinale beim FC Barcelona verloren und die Sportwelt sich vor dem großen Impressario Lionel Messi verneigt.

Klopp sagte seiner Mannschaft: „Lasst es uns versuchen!“

Auch der Fußballlehrer Klopp war voll des Lobes gewesen über den argentinischen Ausnahmekicker, den zum Außerirdischen ernannten, aber aus der Fassung hatte es ihn nicht gebracht. Schon damals, unmittelbar nach dem 0:3, hätten ihm seine Spieler erklärt, dass sie davon überzeugt seien, im Rückspiel ginge noch etwas. Also habe er, der Trainer, sie in diesem Glauben unterstützt und als Parole ausgegeben: Lasst es uns versuchen! So erzählte es Jürgen Klopp nach dem 4:0-Triumph im Rückspiel.

Wie schön von ihm, diese Zurückhaltung. Liverpool-Torhüter Alisson Becker, der mit drei grandiosen Paraden seinen Anteil am „Wunder von Liverpool„ hatte, erklärte es anders. „Der Trainer hat uns den Glauben vermittelt – zu einhundert Prozent“, sagte der Brasilianer.

„Gazzetta dello Sport“ bringt es auf den Punkt

Jürgen Klopp hat seine Fußballer „Mentalitätsgiganten“ genannt. Um es mit Allison Becker zu sagen: Er hat sie zu ihnen gemacht. Die italienische „Gazzetta dello Sport“ hat es in der Eile einer magischen Nacht großartig formuliert, weshalb wir hier zitieren müssen: „Klopp ist ein Genie.

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Der Champion ist er: Herr Jürgen Klopp. Bei seinem Metal-Fußball in voller Lautstärke ist nicht wichtig, wer die Gitarrensoli macht, wer den Soundteppich mit dem Bass macht, wer mit dem Schlagzeug den Takt hält. Die Partitur und die Noten, die jeder kennt, zählen. (...) Klopp ist der Trainer des Unmöglichen: Kein Fan der Welt würde ihn nicht gerne auf der Bank der eigenen Mannschaft sitzen haben.“

Der Eckballtrick von Trent Alexander-Arnold

So ein Trainer inspiriert. Zum Beispiel einen Jungen wie Trent Alexander-Arnold. Der hat dem Spektakel in Anfield die Krönung verpasst mit diesem geradezu unglaublichen Eckballtrick. Alexander-Arnold geht zur Eckfahne, steht augenscheinlich bereit, den Eckstoß zu treten, von links trabt Mitspieler Xerdan Shaqiri heran, Alexander-Arnold geht weg vom Ball, klar, alle Welt denkt, der Schweizer Linksfuß wird den Eckball übernehmen, im Strafraum geht bei allen Barcelona-Spielern der Aufmerksamkeitspegel in den Keller, dann plötzlich dreht Alexander-Arnold eine Pirouette und schießt den Ball flach in den Strafraum direkt zu Divock Origi, zwei Sekunden später steht es 4:0. Ein perfekter Trick, im Training geübt?, wollte der TV-Reporter von Klopp wissen. Und der sagte: „Ein Trick von Trent Alexander-Arnold, 20 Jahre alt, aus West Derby, einem Vorort von Liverpool, was für ein Kerl.“ Das hat Klasse!

Kleinmütige Aber-Nachklänge nicht erlaubt

4:0, Magie, Wunder. Wer wollte sich da noch damit beschäftigen, dass der FC Barcelona, auch der wieder zum Erdling geschrumpfte Lionel Messi, mehrere klare Chancen ausgelassen hatte. Niemand, und das ist auch gut so, denn Wunder brauchen keine kleinmütigen Aber-Nachklänge.

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Er hoffe, schwärmte Jürgen Klopp, „dass ich mich in 50 Jahren daran noch erinnern kann“. Bitte sehr, nichts dagegen, dann wäre der gebürtige Stuttgarter immerhin 101 Jahre alt und dann ja auch bei guter Gesundheit. Zunächst aber steht am 1. Juni das Königsklassen-Finale an. Eine große Aufgabe, zumal Klopp in seiner Trainerkarriere von acht Endspielen sechs verloren hat – die letzten sechs in Serie!

Es wird ihn nicht besonders kümmern. Geht nicht, gibt‘s nicht!