Niko Kovac schaute immer wieder nach links zur Tür. Gleich, da würden sie kommen. „Reinstürzen“, wie es Kovac während der Pressekonferenz ausdrückte. Ganz sicher. Der Trainer des FC Bayern wirkte wie ein Geburtstagskind, das auf Gäste für eine Party wartet. Aber es kam keiner seiner Bayern-Spieler nach diesem 3:0-Final-Erfolg über RB Leipzig. Im Vorjahr noch, nach dem DFB-Pokal-Coup der Eintracht, stand auf einmal eine Frankfurter Jubel-Polonäse im Pressesaal des Olympiastadions und verwandelte diesen in eine feucht-fröhliche Partymeile. Mittendrin: Trainer Niko Kovac. Diese Mal blieb alles trocken. Niko Kovac saß alleine da.

In Feierlaune: Bayern-Trainer Niko Kovac (Bild oben) mit Pokal und Meisterschale. Franck Ribéry scheint dagegen der Abschied schwerzufallen. Bilder: dpa
In Feierlaune: Bayern-Trainer Niko Kovac mit Pokal und Meisterschale. | Bild: dpa

Der Bayern-Trainer fand dafür eine Erklärung: „Der FC Bayern ist ein Club, der jährlich Titel einheimst“, sprach Kovac. „Die Jungs freuen sich auch, aber vielleicht nicht so wie es die Eintracht getan hat. Weil es die Vielzahl der Titel nicht hergibt.“ Man kann es aber auch so sehen: Diese Bayern-Spieler liebten Jupp Heynckes und Pep Guardiola. Niko Kovac wird eher von den Fans verehrt, die ihn vor, während und nach dem Spiel mit Sprechchören feierten. Nach Spielschluss verneigte sich Kovac per Megafon vor der Fankurve im Olympiastadion. „Ich möchte mich bei euch allen bedanken für die Unterstützung“, rief Kovac vor der Ostkurve.

Franck Ribery reagiert sehr emotional. Der Franzose hatte beim Pokalfinale sein letztes Pflichtspiel für die Bayern absloviert. Bild: dpa
Franck Ribery reagiert sehr emotional. Der Franzose hatte beim Pokalfinale sein letztes Pflichtspiel für die Bayern absloviert. | Bild: Sven Hoppe

Hoeneß folgt den Bayern-Fans

Ob er diese Sätze auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge so sagen würde? Wohl kaum. Selbst ein Bekenntnis zum Trainer klingt bei Rummenigge dieser Tage irgendwie komisch und wenig überzeugend. Eher kryptisch und verklausuliert. „Es war für uns kein Thema, dass er mit seiner Laufzeit, die er hat, bis 2021 vorher ganz einfach da nicht mehr Trainer ist“, sagte der Bayern-Boss und klang dabei eher wie ein Politiker, der über ein Atomkraftwerk als über einen leitenden Angestellten sprach. Uli Hoeneß dagegen leistete den Treueschwur für Kovac. Der Präsident stimmte nach der Rückkehr aus Berlin in das Votum des Fanvolkes („Mia san Kovac“) ein und beantwortete beim Empfang auf dem Münchner Marienplatz die Frage, ob der 47 Jahre alte Kroate auch in der kommenden Saison Trainer bleibe, unmissverständlich: „Hundertprozentig ja!“ Dazu gab es vom Vereinspatron als Saisonnote eine „1 minus“. Kovac verdiente sich die Jobgarantie mit einem starken Saisonfinish und den zwei nationalen Titeln.

Arjen Robben (links), Rafinha und Franck Ribéry feiern den Pokalsieg. Bild: firo
Arjen Robben (links), Rafinha und Franck Ribéry feiern den Pokalsieg. Bild: firo | Bild: firo Sportphoto/Jürgen Fromme

Dieses 76. DFB-Pokal-Finale war die Bayern-Saison 2018/19 im Zeitraffer. Als da wäre: Schwacher Beginn, einige gefährliche Wackler, aber ein ganz starkes Ende mit zwei Titeln. „Im Laufe der Zeit ist es immer besser geworden“, sagte Niko Kovac über die finalen 90 Minuten und das 3:0 gegen Leipzig, aber irgendwie halt auch über seine erste Bayern-Saison. Die ersten 30 Minuten sah es nicht nach einem finalen Bayern-Triumph aus, der Außenseiter dominierte mit seinem Pressing. Manuel Neuer rettete spektakulär gegen Yussuf Poulsen (11.) und lenkte den Ball an die Latte. Da war der alte Neuer. Ausgezeichnet durch Intuition und Reflexe.

Manuel Neuer pariert den Kopfball von Yussuf Poulsen. Bild:dpa
Manuel Neuer pariert den Kopfball von Yussuf Poulsen. | Bild: Christian Charisius

Neuer zeigt überragende Leistung

Nach dem 1:0 durch Robert Lewandowski per Kopfball (29.) bewahrte Neuer die Bayern zu Beginn von Durchgang zwei vorm Ausgleich, als er nach Emil Forsbergs Solo (48.) Sieger blieb. „Manuel hat uns im Spiel gehalten. Das ist das, was man auf diesem Niveau braucht“, sagte Kovac. „Ich habe das Vertrauen aus der Mannschaft und vom Trainer gespürt“, sagte Manuel Neuer. In den Händen hielt er das Trikot von Rafinha, „meinem besten Fußballfreund“. Nach vielen gemeinsamen Jahren bei Schalke 04 und dem FC Bayern sind sie keine Teamkollegen mehr. Neuer ist fit und in Form nach seinem Muskelfaserriss in der Wade, das wird auch Bundestrainer Joachim Löw registriert haben. „Ich habe auf keinen Fall eine schlechte Saison gespielt, ich habe eine gute gespielt“, machte Neuer klar.

Neuer pariert den Schuss von Emil Forsberg und verhindert den Ausgleich. Bild: dpa
Neuer pariert den Schuss von Emil Forsberg und verhindert den Ausgleich. | Bild: Christian Charisius