Viermal hat Timo Werner in der Bundesliga schon in Freiburg gespielt und dabei immer mindestens ein Tor erzielt. Der Fußball-Nationalstürmer von RB Leipzig, der früher schon mit dem VfB Stuttgart im Breisgau antrat, dürfte deshalb einer der wenigen in seiner Mannschaft sein, die am Samstag (15.30 Uhr) mit einem guten Gefühl ins Schwarzwald-Stadion einlaufen. Denn normalerweise ist es für die meisten Gastvereine keine angenehme Auswärtsreise, das betonen Spieler und Trainer immer wieder. Auch der SC-Nationalstürmer Nils Petersen, der gestern seinen 30. Geburtstag feierte, ist das früher so gegangen. Das hat er kürzlich in einem Podcast erzählt. „Ich habe es gehasst, in Freiburg zu spielen. Du fliegst da hin, bist gefühlt außerhalb von Deutschland, spielst in dieser kleinen Arena eine Halbzeit bergauf, eine Halbzeit bergab – das ist ein Hexenkessel.“

So soll laut der Architekten der Innenraum des neuen Stadions aussehen.
So soll laut der Architekten der Innenraum des neuen Stadions aussehen. | Bild: Sc Freiburg

Weil das Spielfeld nicht die üblichen Maße hat, spielt der Sport-Club seit vielen Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung in seinem Stadion mitten in einem Wohngebiet. Der Platz ist um mehrere Meter zu kurz und etwas breiter als andere. Und es gibt tatsächlich ein leichtes Gefälle in Richtung Dreisam, weshalb die Gäste nicht nur wegen der Fantribüne die Seite tauschen, wenn sie die Platzwahl gewinnen. Dazu kommt die Atmosphäre in der kleinen, kompakten Arena, die mit 24 000 Zuschauern quasi immer ausverkauft ist. Für die Partie gegen Leipzig gibt es neben wenigen Restkarten nur noch Tickets im RB-Block.

Die Computer-Animationen zeigen, wie das Freiburger Fußballstadion mit einer Kapazität von 34700 Zuschauern einmal aussehen soll.Bilder: Visualisierung HPP Architekten/WillMore/SC Freiburg/dpa
Die Computer-Animationen zeigen, wie das Freiburger Fußballstadion mit einer Kapazität von 34700 Zuschauern einmal aussehen soll.Bilder: Visualisierung HPP Architekten/WillMore/SC Freiburg/dpa | Bild: WillMore

Auch die lautstarke und meistens bedingungslose Unterstützung ist für viele SC-Spieler ein Grund für die Heimstärke des Teams, die Ende Oktober auch der aktuelle Tabellenzweite Borussia Mönchengladbach beim Freiburger 3:1-Sieg zu spüren bekam. „Die Fans pushen uns immer wieder nach vorne“, sagte Innenverteidiger Manuel Gulde.

Hinzu kommt laut SC-Trainer Christian Streich, dass die Zuschauer „sensibel sind und ein Gespür haben, außerhalb der Emotionalität auch für die Qualität des Gegners“. Und die werde auch bei Leipzig sehr hoch sein. „Die Zuschauer wissen, wie wichtig es für uns ist, einen Zweikampf zu gewinnen und einen guten Pass zu spielen.“

Bild: Steffen Kuttner

Streich ist nach Ansicht von RB-Trainer Ralf Rangnick ebenfalls ein wichtiger Faktor. „So wie der Trainer coacht, so spielt die Mannschaft auch: mit sehr viel Leidenschaft, mit sehr viel Emotionen, das Publikum tut ein Übriges dazu“, meinte Rangnick. Und er warnte zwei Tage vor dem Spiel vor einer weiteren Freiburger Stärke, die es vielen Gegnern schwer mache: „Es ist die Mannschaft, die am meisten läuft in der Liga.“ Häufig sind es mehr als 120 Kilometer, die sie in einem Bundesligaspiel zurücklegt. Damit zwingt Freiburg meistens auch den Gegner, längere Wege als in anderen Spielen zu gehen.

Das bekam zuletzt Werder Bremen zu spüren, das am Ende mit dem 1:1-Unentschieden nicht nur wegen des späten Zeitpunkts des eigenen Ausgleichstors zufrieden war. Werder-Trainer Florian Kohfeldt sagte, „dass dieser Punkt in Freiburg am Ende sehr viel wert sein wird. Weil hier in Freiburg einen Punkt zu holen, das ist nicht einfach“. (dpa)

Aber schon bald wird der SC Freiburg hier seine Heimspiele austragen

Noch steht kein Stein, dennoch möchte der SC Freiburg zur Winterpause 2019/2020 oder zum Saisonstart 2020/2021 in das neue Stadion im Wolfswinkel umziehen. Das Stadion soll 76 Millionen Euro kosten, mit Erschließungskosten 131 Millionen Euro.