Ist das Spiel am Samstag in Mainz etwas Besonderes für Sie? Sie stammen ja aus Wiesbaden, der Stadt am gegenüberliegenden Rheinufer.

Ein bisschen schon, weil ein paar Freunde aus Wiesbaden vorbeischauen, ansonsten habe ich zu Mainz 05 keinen großen Bezug.

Sie waren als Kind also Fan von Eintracht Frankfurt?

Nein, das nun wirklich nicht. In der Jugend von Wehen-Wiesbaden war das heißeste Spiel des Jahres immer das gegen die Eintracht. Die waren viel besser als wir, aber wir haben immer versucht, sie trotzdem zu ärgern. Von unserer Seite war das eine echte Rivalität, die haben für uns, glaube ich, aber nur ein müdes Lächeln übrig gehabt. Als kleiner Junge war ich Bayernfan, heute schaue ich mir gerne Atlético Madrid an. Super Torwart, sympathischer Trainer, leidenschaftliches Spiel, das gefällt mir. Wirklich Fan einer anderen Mannschaft zu sein, gewöhnt man sich als Profi aber sowieso ab.

Der SC erfährt nach der starken Hinrunde derzeit viel Aufmerksamkeit. Ist die Teilnahme an der Europa League ein neues Ziel?

Wir wissen schon, dass wir eine gute Hinrunde gespielt und insgesamt eine gute Truppe beisammen haben. Aber die Rückrunde wird schwierig genug. Denn wir Spieler wissen auch alle, dass wir in der Hinrunde in einigen Spielen viel Glück hatten.

Aber der Kader wirkt wesentlich stabiler und ausgeglichener als noch vor ein, zwei Jahren.

Stimmt schon. Uns hilft, dass der Stamm nun schon länger zusammenspielt. Und dann haben wir die Fünferkette seit drei Jahren Stück für Stück weiterentwickelt, jeder Spieler weiß genau, was er zu tun hat. Und im Gegensatz zu früher haben wir heute auf der Bank immer einige Spieler, die in der 70. Minute reinkommen können und zum Zünglein an der Waage werden.

Außer Marco Terrazzino nach Dresden und Jerôme Gondorf zum KSC haben im Winter keine Spieler den SC verlassen. Birgt der große Kader nicht Konfliktpotenzial?

Ich denke nicht, hier wird ja sehr darauf geachtet, dass keine Stinkstiefel geholt werden. Aber für einen wie Florian Kath würde es mich schon freuen, wenn er einen Verein findet, der zu ihm passt und bei dem er spielen kann. Aber noch sind ja auch noch ein paar Tage Zeit, bis die Transferperiode endet.

Gegen Mainz werden Sie im Tor stehen. Christian Streich hat sich auf Sie als Nummer eins festgelegt. Das muss eine herbe Enttäuschung für Mark Flekken gewesen sein, der Sie während Ihrer Verletzung gut vertreten hat.

Klar, das wird Flekki nicht gefreut haben, was ich total nachvollziehen kann. Aber unseren Umgang verändert das nicht. Das ist ein ganz normales konstruktives Miteinander. Vor allem im Training ist das wichtig, es ist ja auch nicht Sinn der Sache, sich die Bälle fies hinzuklopfen, damit der andere schlecht aussieht.

Sie sind mit einem Jahr Unterbrechung seit 2008 beim SC. In welchem Bereich des Torwartspiels haben Sie sich seither am meisten verbessert?

Fußballerisch ganz sicher, in Freiburg musst du als Keeper immer wieder mit aufbauen. Auch taktisch habe ich viel gelernt, weil du dich bei jedem System auch als Torwart anders positionieren musst. Und mit dem Alter wird man ruhiger, gelassener, bekommt den Mut, auch mal stehen zu bleiben, wenn ein Stürmer frei auf einen zuläuft. Das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen einem richtig guten Torwart und einem durchschnittlichen.

Ein ganz enges Duell gibt es auch im Tor der Nationalmannschaft. Wer würde bei einem Trainer Schwolow spielen? Ter Stegen oder Neuer?

Sage ich nicht. Beide würden es aber super machen, da haben wir andere Positionen, auf die man eher schauen müsste. Aber medial ist so ein Duell natürlich interessant, mich hat als Fan damals 2006 der Zweikampf zwischen Kahn und Lehmann ja auch gefesselt. Lehmann war spielerisch besser, seine Coolness hat mir gefallen. Und Kahns teils unglaubliche Paraden habe ich damals immer im Garten nachgemacht.

Fragen: Christoph Ruf