Der Fußball kennt durchaus 0:0-Spiele, die auch ohne Tore rassig waren, voller Raffinesse, Klasse, ansprechenden Aktionen. Spiele, in denen es der schiere Zufall war, dass keine Treffer fielen, sei es, weil Torhüter scheinbar Tausend Hände hatten oder das Runde einfach nicht ins Eckige wollte und stattdessen gegen Pfosten oder Latte prallte. Dann gibt es aber auch torlose Partien, über die der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden muss. Die Bundesligabegegnung zwischen Hertha BSC und dem SC Freiburg gehört in die Kategorie „abhaken und vergessen“. Die Einen, die Berliner, wollten zwar, konnten aber nicht, weshalb sie nun das vierte Spiel in Serie mit der Null vorne abschlossen und ihre Torlos-Serie auf sechs Stunden und 32 Minuten verlängerten. Die anderen, die Freiburger, wollten gar erst spät, konnten dann aber auch nicht richtig. Immerhin war für sie das torlose Spiel wenigstens nicht trostlos, weil mit einem wichtigen Auswärtspunkt belohnt.

Gehobenes Niveau bekam das Ganze erst nach dem Schlusspfiff. Da zeigten sich einige Protagonisten verbal in ansprechender Form. Den Auftakt machte Fritz Keller. Der Sportclub-Präsident, von Beruf Winzer, Hotelier und Gastronom, urteilte so: „Heute war kein Gourmettag. Nein, das war nicht mal eine gute Currywurst.“ Christian Streich, Trainer und schlauer Kopf der Freiburger Bundesligafußballer, erklärte mit Unschuldsmiene: „Ich will nicht nullnull spielen, ich will lieber dreizwei gewinnen. Aber wenn wir nicht dreizwei gewinnen können, dann spielen wir eben nullnull.“

Da wollte dann auch Pal Dardai nicht zurückstehen, thematisierte die „Blockade“ seiner Stürmer, die alles treffen, nur nicht zwischen die Pfosten. Gegen Freiburg schossen sie neben oder über den Kasten, und wenn sie die Kugel aufs Tor brachten, erledigte da Freiburgs Schlussmann Alexander Schwolow seinen Job mit kühler Zuverlässigkeit. „Wir müssen es akzeptieren“, sagte Dardai und ergänzte fast flehend: „Im Training schießen sie sehr schöne Tore – das kann ich sogar mit Bildern bestätigen.“ Die launigen Kommentare gaben dem müden Fußballnachmittag am Ende noch eine heitere Note.

Der Berliner an sich ist Experte in Galgenhumor – und Pal Dardai auch. „Wenigstens mit dem Blick auf die Tabelle war es kein ganz schlechter Tag“, sagte der Ungar, denn die Hertha machte einen Platz gut. Das gelang den Freiburgern nicht, sie könnten bei einem Bremer Sieg heute gegen Köln sogar auf Rang 14 abrutschen. Wichtiger ist jedoch anderes: Mit dem Punktgewinn in der Hauptstadt hat der Sportclub den Abstand zu Mainz und Wolfsburg um einen auf fünf Zähler vergrößert.

Christian Streich meinte es ernst. „Ich kann nicht meckern“, sagte er. Bundesliga in Freiburg ist eben immer die Kunst des Machbaren, „letztes Jahr hatten wir zwei vorne drin, die gewirbelt haben, jetzt haben wir viele Spieler, die zu uns kamen und gar keine Bundesligaspieler waren. Jetzt sind sie welche, aber natürlich fehlt ihnen noch die Erfahrung“. Dafür würden sie immer alles reinwerfen, dozierte der SC-Trainer, „mit einer tollen Einstellung“. Und laufen tun sie sowieso jedes Mal, als gäbe es kein Morgen mehr. „Die Berliner sind extrem viel gelaufen“, sagte Streich, „und wir fünf Kilometer mehr.“

Gut möglich, dass einer der heranreifenden Bundesligaakteure beim Laufen ein paar Körner zu viel aufgebraucht hatte. Als Tim Kleindienst in der 80. Minute von Florian Kath den Ball mustergültig aufgelegt bekam, hätte er ihn nur richtig annehmen müssen, um freie Schussbahn zu haben. Stattdessen spielte sich Kleindienst die Kugel vom einen an den anderen Fuß und schon waren sie weg – Kugel und Siegchance. „Da fehlt ihm noch die Ruhe“, erklärte Streich, „wenn ihm das mal gelingt, dann kriegt er auch eine breite Brust.“

Der Weg nach oben ist lang und – nicht immer, aber noch oft – schmalbrüstig. Umso wichtiger, dass allen Freiburgern die Eliteklasse erhalten bleibt und der Reifeprozess nicht unterbrochen wird. Auch wenn Christian Streich mit Blick auf die verlorengegangenen Wirbler, nämlich Grifo und Philipp, noch ein leise ausgesprochener Auftrag ans sportliche Management entschlüpfte. „Die sind weg, da brauchen wir wieder welche.“