Kein Schnee im Schwarzwaldstadion, keine Unsicherheit wie zuletzt in Köln, ob das Spiel ausgetragen werden kann. Und doch begann die Partie gegen Gladbach mit Verspätung, weil die Borussen etwas verspätet am Ort des Geschehens eintrafen. Scherzkekse unter den 24 000 Zuschauern meinten augenzwinkernd, so hätten die Sportclub-Spieler noch mal zehn Extraminuten Erholung bekommen. In Wirklichkeit war es natürlich alles andere als witzig, dass die wackeren Sieger von Kölle nur zwei Tage danach schon wieder antreten mussten. Geschuldet war das Ärgernis einer tatsächlich schwierigen Konstellation, den 16. Spieltag auf zwei Wochentage zu verteilen, vor allem aber der Tatsache, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem ZDF für die Liveübertragung am kommenden Freitag eine halbwegs namhafte Abendbegegnung anbieten wollte. Die heißt Mönchengladbach gegen den Hamburger SV – und da wollten die Borussen natürlich nicht erst am Mittwoch in Freiburg antreten. Die einzige Alternative wäre die Partie Werder Bremen gegen Mainz 05 gewesen, aber bevor das ZDF darüber hätte sein Missfallen kundtun können, hat die DFL vorbeugend dem SC Freiburg den sauren Apfel gegeben.

Die Frage war denn, inwieweit die Mannen von Trainer Christian Streich die Strapazen vom heroischen, in letzter Nachspielminute mit dem 4:3-Siegtreffer gekrönten Aufholjagd vom Sonntag würden abschütteln können.

Oder ob sie vielleicht sogar Euphorie konservieren konnten, um auch gegen die Gladbacher etwas Zählbares zu holen.

Nach einem verhaltenen Beginn zeigten die Freiburger, dass sie wollten – und auch konnten. In der 15. Minute klatschte der Schuss von Tim Kleindienst aus 16 Metern gegen die Latte, zwei Minuten später schickte Caglar Söyüncü einen weiten Pass Richtung Nils Petersen, der dann im Laufduell mit Jannik Vestergaard plötzlich auf den Boden fiel und sogleich lautstark Elfmeter reklamierte. Schiedsrichter Deniz Aytekin ließ weiterspielen, nach 75 Sekunden (!) aber unterbrach er das Spiel, griff sich ans Ohr, schnappte sich den Ball und legte ihn nach einem flotten Marsch im Gäste-Strafraum auf den Elfmeterpunkt. In Köln hatte Videoassistent Patrick Ittrich gesehen, dass Vestergaard Petersen leicht am Fuß touchierte, worauf sich der Freiburger sozusagen selbst das Bein stellte. Wie gesagt: 75 Sekunden hatte es von Petersens Sturz bis zur Intervention Ittrichs gedauert. Den Freiburgern war’s egal, Hauptsache, Strafstoß – eiskalt verwandelte Petersen zum 1:0 (20.).

Auch danach bestimmten die Hausherren das Geschehen, ohne mit vollem Risiko nach vorne zu spielen. Zwei gute Chancen gab es trotzdem. Nach einer schönen Stafette über Yoric Ravet und Marco Terrazzino missriet Christian Günter aus aussichtsreicher Position der Schuss (39.). Und der Knaller mit links von Kleindienst (45.) rauschte am linken Toreck vorbei.

Von Gladbach war bis dahin so gut wie nichts zu sehen, zwei Weitschüsse von Lars Stindl waren alles, und die wurden zur leichten Beute von SC-Keeper Alexander Schwolow.

Bis zur Halbzeit hatten die Freiburger also keine konditionellen Probleme. Würden die Kräfte noch weitere 45 Minuten reichen, zumal dann, wenn der Gegner zielstrebiger aus der Pause zurückkommen sollte? Dazu hatten die Gladbacher erst mal gar keine Möglichkeit, denn nur 30 Sekunden nach Wiederbeginn passierte ein hoher 20-Meter-Schuss von Petersen Torwart Sommer, doch krachte der Ball erneut an die Latte. Und wieder nur 35 Sekunden später rissen einige Sportclub-Anhänger bereits die Arme in die Höhe, doch Sommer tat dies auch und lenkte Kleindiensts famosen Kopfball über die Latte. Dann die 53. Minute: Jannik Haberer konnte mit Anlauf aus 20 Metern draufhalten, wieder war Sommer mit einer Glanzparade Endstation. Als sich Vestergaard nach Ravet-Flanke einen Querschläger leistete, kam Kleindienst aus sieben Metern zum Schuss, doch er ballerte die Kugel dem Dänen gegen den Körper (67.). Die Freiburger könnten längst klar führen.

Und dann musste plötzlich doch Schwolow sein Können unter Beweis stellen. Der eingewechselte Raffael ließ aus der Distanz den ersten echten Gladbacher Schuss los, doch Freiburgs Torhüter parierte glänzend (70.). der Ex-Freiburger Vincenzo Grifo versuchte es mit einem frechen Heber, doch Schwolow war auch da zur Stelle (88.). Dann war Schluss und der hochverdiente Freiburger Sieg perfekt – unter stehenden Ovationen des Publikums.

 

Die weiteren Bundesliga-Partien des Abends:
 

Trainer Stöger feiert perfekten Einstand beim BVB - 2:0 in Mainz

Dortmunds Sokratis (r) jubelt nach dem 0:1 gegen Mainz neben Schiedsrichter Benjamin Brand.
Dortmunds Sokratis (r) jubelt nach dem 0:1 gegen Mainz neben Schiedsrichter Benjamin Brand. | Bild: Thomas Frey (dpa)
Der BVB kann doch noch gewinnen: Peter Stöger hat einen perfekten Einstand als neuer Trainer von Borussia Dortmund gefeiert und dem DFB-Pokalsieger den ersten Ligasieg seit zweieinhalb Monaten beschert. Nur zwei Tage nach der Vorstellung des Österreichers als Nachfolger des erfolglosen Peter Bosz setzte sich der BVB beim 1. FSV Mainz 05 verdient mit 2:0 (0:0) durch. Die Negativserie in der Fußball-Bundesliga endete am Dienstagabend vor 32 976 Zuschauern dank der Treffer von Sokratis (55. Minute) und Shinji Kagawa (89.).

Stöger hatte zehn Tage vor seiner Premiere mit Dortmund noch als Chefcoach des 1. FC Köln gegen Schalke 04 (2:2) auf der Bank gesessen und wurde beim sieglosen Tabellenletztenanschließend anschließend entlassen. Gerade eine Woche verging, bis der Revierclub den 51-Jährigen am Sonntag verpflichtete. Den ausführlichen Spielbericht finden Sie hier!
 

Frankfurt bestraft HSV-Fehler: Eintracht nach 2:1 bestes Auswärtsteam

Hamburgs Jan-Fiete Arp (r-l), Frankfurts Carlos Salcedo und sein Mannschaftskamerad Taleb Tawatha warten im Rauch auf den Wiederanpfiff.
Hamburgs Jan-Fiete Arp (r-l), Frankfurts Carlos Salcedo und sein Mannschaftskamerad Taleb Tawatha warten im Rauch auf den Wiederanpfiff. | Bild: Axel Heimken (dpa)
Der Hamburger SV kann gegen Eintracht Frankfurt einfach nicht mehr gewinnen. Nach dem 1:2 (1:2) am Dienstagabend rutscht der HSV wieder auf den Relegationsplatz, die Eintracht kratzt nach dem fünften Auswärtssieg plötzlich an den den Champions-League-Plätzen. Es war bereits die elfte Partie ohne Sieg hintereinander gegen den Bundesliga-Angstgegner. Zuletzt hatten die Hamburger im Januar 2011 gegen die Eintracht gewonnen, die nun mit 18 Punkten das beste Auswärtsteam der Liga ist und damit sogar die Bayern überflügelte.

Kyriakos Papadopoulos brachte die Gastgeber in der 9. Minute per Kopfball-Treffer in Führung, doch dann nutzten die auswärtsstarken Frankfurter gravierende Fehler in der HSV-Deckung rigoros aus. Marius Wolf (16.) und Mijat Gacinovic (24.) drehten innerhalb von nur acht Minuten die Partie. Den ausführlichen Spielbericht finden Sie hier!
 

Remis in Wolfsburg: Leipzig verliert den Anschluss

Leipzigs Yussuf Poulsen (vorne) schirmt den Ball vor dem Wolfsburger Ohis Felix Uduokhai ab.
Leipzigs Yussuf Poulsen (vorne) schirmt den Ball vor dem Wolfsburger Ohis Felix Uduokhai ab. | Bild: Peter Steffen
RB Leipzig droht den Anschluss an den FC Bayern nach dem dritten sieglosen Ligaspiel in Serie endgültig zu verlieren. Der Fußball-Bundesligist aus Sachsen kam beim VfL Wolfsburg nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus und ließ damit nur drei Tage nach dem 2:2 gegen Mainz erneut wichtige Punkte liegen. Durch das Remis könnte das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl am Mittwoch bis auf zehn Punkte hinter den Herbstmeister aus München zurückfallen.

Vor 22 827 Zuschauern brachte Paul Verhaegh die Gastgeber per Foulelfmeter (15. Minute) in Führung. Nach der Pause schoss Nationalspieler Marcel Halstenberg (53.) den Ausgleich für den Vizemeister, der sich nicht für seine über weite Strecken dominante Spielweise belohnte. Leipzigs Dayot Upamecano sah kurz vor Schluss noch die Gelb-Rote Karte (90.+1). Wolfsburg drehte erst in der Schlussphase auf und verpasste einen glücklichen Sieg. Der VfL ist nun seit acht Heimspielen ungeschlagen. Den ausführlichen Spielbericht finden Sie hier!