Leroy Sané hat es getan. Als aktuellstes Beispiel. Der Fußballer ist zum Treffpunkt der deutschen Nationalmannschaft in einer Felljacke marschiert. Bunt besprüht und mit einem Wert von 4500 Euro. Auf dem Rücken trug der 23-Jährige noch einen weißen Rucksack – Wert 18 000 Euro. Auffallen um und für jeden Preis. Das scheint das Motto vieler Sportstars zu sein, auch wenn die Outfits gewöhnungsbedürftig sind. Der Ex-Dortmunder Michy Batshuayi gefällt sich etwa ganz in Gucci.

„Das hängt natürlich stark mit der Kommerzialisierung des Fußballs zusammen“, erklärt Thomas Schierl vom Institut für Kommunikations- und Medienforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Entwicklung. Früher seien die Kicker uneitler und bescheidener gewesen.

Seeler und die Frisur? Egal

„Sie haben sich nicht als Stars gesehen“, sagt Schierl. Sein Beispiel: Uwe Seeler, der ehemalige HSV-Recke. „Seeler hätte sich vor einem Spiel einen Dreck um seine Frisur gekümmert“, so Schierl. Anders die aktuelle Generation der Topspieler. Ein Cristiano Ronaldo ohne Gel in den Haaren – unvorstellbar. Ein Paul Pogba ohne außergewöhnliche Frisur – kaum denkbar.

Der Franzose Paul Pogba fällt oft mit seinen außergewöhnlichen Frisuren auf. Er ist aber auch ein sehr guter Fußballer.
Der Franzose Paul Pogba fällt oft mit seinen außergewöhnlichen Frisuren auf. Er ist aber auch ein sehr guter Fußballer. | Bild: Marc Atkins, Witters

Die Fußballstars von heute sind eigene Marken, die sich vermarkten müssen. „Es geht hier um viel Geld“, sagt Schierl. Das wusste auch Brandi Chastain. Beim Finale der Frauenfußball-WM 1999 riss sich die US-Amerikanerin das Trikot vom Körper und stand nur noch im Sport-BH da. Die Folgen: Viele Bilder auf Zeitungstitelseiten und ein gut dotierter Vertrag mit dem Sportartikelhersteller Nike.

Brandi Chastain und ihr besonderer Moment 1999: nur im Sport-BH nach einem Sieg im Elfmeterschießen.
Brandi Chastain und ihr besonderer Moment 1999: nur im Sport-BH nach einem Sieg im Elfmeterschießen. | Bild: Hector Mata, AFP
Beim Spanier Sergio Ramos ist manchmal nicht abschließend zu klären, ob er vor dem Verlassen des Hauses immer in den Spiegel schaut, wie dieses Bild beweist, das er auf Instagram gepostet hat:

Profisportler haben nur wenige Jahre Zeit, um viel Geld zu verdienen. Der ökonomische Druck ist groß. Und damit auch der Drang zum Auffallen. Alleine die sportliche Leistung reicht nicht immer, um groß rauszukommen. „Man muss schauen, dass man anders ist, dass man auffällt“, erklärt Schierl.

Zwei Stars unter sich: Neymar (links) und Lewis Hamilton. Beide sind bekannt dafür, auffällige Mode zu tragen. Auch das gehört zum Leben des Fußballers und des Formel-1-Piloten.
Zwei Stars unter sich: Neymar (links) und Lewis Hamilton. Beide sind bekannt dafür, auffällige Mode zu tragen. Auch das gehört zum Leben des Fußballers und des Formel-1-Piloten. | Bild: Ian West, dpa

Und das lässt sich am ehesten durch Extravaganz erreichen. Oder durch besondere Gesten. Ein Salto der Marke Klose beim Torjubel zum Beispiel. Oder Klinsmanns „Diver“, als er humorvoll in England eine Schwalbe immitierte.

Eine deftige Reaktion

Auch die Vereine profitieren von ihren Stars. Es sei denn, sie müssen sich mit den Folgen eines teuren Essen beschäftigen, wie im Fall des Münchners Franck Ribéry. Der Franzose gönnte sich ein Goldsteak in Dubai und reagierte auf Kritik sehr deftig. Und klar: Auch modisch hat der Franzose immer wieder Highlights zu bieten:

Im Normalfall aber machen die Stars die Clubs interessanter und sorgen für eine bessere Vermarktung. Das wusste vor langer Zeit auch schon Stefan Effenberg. Er ließ sich 1994 nach einer verlorenen Wette vom englischen Punk-Friseur Collin Watkins den Hinterkopf scheren und einen Tigerkopf aufmalen:

Stefan Effenberg ließ sich 1994 nach einer verlorenen Wette vom englischen Punk-Friseur Collin Watkins den Hinterkopf scheren und einen Tigerkopf aufmalen. Bild: dpa
Bild: dpa

Denn darum geht es: um Geld und dessen Vermehrung. „Die Entwicklung im Fußball ist vielleicht nicht schön. Es ist aber nicht fair, sich nur darüber lustig zu machen“, sagt Thomas Schierl.

Auch Cristiano Ronaldo gehört zu den ganz großen Fußballstars. Er ist mittlerweile eine eigene Marke und weiß bestens, sich zu vermarkten.
Cristiano Ronaldo gehört zu den ganz großen Fußballstars. Er ist mittlerweile eine eigene Marke und weiß bestens, sich zu vermarkten. Hier steigt der Portugiese aus einem Lamborghini.
Hier steigt Ronaldo aus einem Lamborghini. | Bild: imago sportfotodienst