BundestrainerChristian Prokop verließ nach der gelungenen Generalprobe mit einem guten Gefühl die Arena in Kiel, wo seine Schützlinge von den begeisterten Fans mit tosendem Applaus zur WM verabschiedet wurden. Mit dem 28:13 (9:6)-Sieg gegen Argentinien haben sich die deutschen Handballer den erhofften Schwung für die Medaillen-Mission im eigenen Land geholt und Vorfreude auf ein stimmungsvolles Event geweckt. „Das war eine Verabschiedung in die WM, wie wir sie uns gewünscht haben“, sagte Prokop. „Wir reisen mit einem guten Gefühl nach Berlin und freuen uns, dass es bald losgeht.“

Starker Gensheimer

Kapitän Uwe Gensheimer war gestern mit acht Treffern bester Werfer der deutschen Mannschaft, die vor dem WM-Auftakt am Donnerstag in der Hauptstadt gegen Korea vor allem in der zweiten Halbzeit überzeugte. „Das war so, wie wir uns das im Optimalfall wünschen“, lobte Prokop. Und der starke Torwart Andreas Wolff stellte zufrieden fest: „Ich denke, das war eine Leistung, der Respekt gebührt. Wir haben heute schon mal einen Eindruck bekommen, was in den Hallen los sein kann, wenn wir schnellen, attraktiven Handball spielen.“

Reichmann wird aussortiert

Nach einem freien Tag versammelt der Bundestrainer sein 16 Spieler umfassendes Aufgebot ab morgen in Berlin, wo die am Sonntag aussortierten Tobias Reichmann und Tim Suton nicht mehr dabei sind. Gerade den Verzicht auf Europameister Reichmann bezeichnete Prokopin Kiel als „sehr schwierige Entscheidung. Sie können sich vorstellen, dass er sehr enttäuscht ist. Aber die Zeit möchte ich ihm geben. Er wird jetzt erst mal frustriert sein“, sagte der Bundestrainer.

Einige Experimente

Die Partie gegen den ebenfalls für die WM qualifizierten Panamerikameister nutzte Prokop vor 9473 Zuschauern für einige Experimente. Im Vergleich zum 32:24 gegen Tschechien am Freitag in Hannover startete die DHB-Auswahl mit einer neuen Abwehrformation um Hendrik Pekeler und Finn Lemke. Die Maßnahme zeigte schnell Wirkung – der Defensivverbund stand sicherer als noch beim Sieg gegen die international höchstens zweitklassigen Tschechen. „Die Abwehr stand heute deutlich stabiler“, sagte Pekeler. „Was bleibt, ist, dass wir beide Spiele gewonnen haben. Das zählt und stimmt mich positiv.“

Viele Passfehler

Im Angriff haperte es zunächst jedoch erheblich. Auch wegen zu vieler Passfehler der deutschen Mannschaft gingen die Gäste in der 12. Minute erstmals mit 4:3 in Führung. Torhüter Wolff konnte einige Wurfversuche der Südamerikaner zwar stark abwehren, offensiv aber fehlten der DHB-Auswahl Tempo und Zielstrebigkeit. Nachdem Prokop neben Youngster Suton etwas überraschend Reichmann aus seinem WM-Kader gestrichen hatte, blieb der einzig im Aufgebot verbliebene Rechtsaußen Patrick Groetzki weitgehend blass. Aber auch andere Spieler vergaben mehrfach beste Chancen.

Der Superstar fehlt

Mehr als zehn Minuten lang blieb Prokops Team Mitte des ersten Durchgangs ohne Torerfolg. Dabei fehlte den Argentiniern sogar ihr verletzter Superstar Diego Simonet. Der diesmal konstant starke Wolff parierte kurz vor der Pause einen Siebenmeter und stachelte sein Team und die Zuschauer damit an. Deutlich steigern konnte sich der Europameister von 2016 aber erst im zweiten Durchgang, als die Fans ein spielfreudiges Heimteam erlebten. (dpa)