Nach ihrer ersten Goldmedaille bei Paralympischen Spielen spricht die 22-Jährige Anna-Lena Forster aus Radolfzell-Stahringen über Glücksgefühle im Ziel, Mutmacher aus der Heimat und ihre Pläne für die noch anstehenden Wettbewerbe in Südkorea

Frau Forster, vor den Paralympics hatten Sie eine Goldmedaille im Slalom anvisiert. Dass es jetzt schon in der Super-Kombination geklappt hat, wird Ihre Freude wohl nicht getrübt haben.

Das ist total verrückt, der reinste Wahnsinn! Im Ziel ist in mir drin alles gehüpft vor Glück. Für mich geht mit dieser Goldmedaille ein Traum in Erfüllung.

Nach dem ersten Lauf der Kombi, dem Super-G, waren Sie noch auf Rang vier. Hatten Sie da schon eine Medaille im Blick?

Es waren ja nur 1,83 Sekunden Rückstand und der Slalom ist meine stärkste Disziplin. Deshalb bin ich schon beim ersten Durchgang mit einem Lächeln im Gesicht durchs Ziel gefahren, da ich fest daran geglaubt habe, dass es für eine Medaille reichen würde. Aber gleich Gold? Unglaublich!

Die ersten beiden Rennen am vergangenen Wochenende sind nicht sehr glücklich verlaufen für Sie mit einem Sturz in der Abfahrt und einem vierten Platz im Super-G. Wie schnell konnten Sie das abhaken?

Ehrlich gesagt, habe ich mich nach dem Ausscheiden in der Abfahrt in den Schlaf geweint. Das war schon bitter für mich, es ging mir überhaupt nicht gut. Ich habe aber versucht, die Enttäuschung abzuschütteln und abzuschalten. Meine Eltern haben mich dann im Paralympischen Dorf besucht und es sogar geschafft, mich etwas abzulenken.

Ihre ärgste Rivalin, Anna Schaffelhuber, ist gleichzeitig Ihre Freundin. Dass Sie sie jetzt zum ersten Mal bei den Paralympics geschlagen haben, wird hoffentlich Ihr Verhältnis zueinander nicht dauerhaft belasten.

(lacht) Nein, nein, gar nicht. Anna ist gleich als Erste zu mir gekommen und hat mich umarmt. So wie ich bei ihren zwei Goldmedaillen zuvor. Das ist überhaupt nicht gekünstelt, sondern zutiefst ehrlich. Wir freuen uns wirklich über die Erfolge des anderen. Außerdem ist es eine tolle Sache, wieder zusammen auf dem Podest zu stehen.

Haben Sie nach den Wettkämpfen Zeit zum Feiern?

Keine Chance. Vor dem Goldlauf bin ich um 4.40 Uhr aufgestanden, danach musste ich noch zur Dopingkontrolle. Am Ende ist man nur noch platt und will zurück ins Paralympische Dorf. Außerdem habe ich ja noch was vor in Südkorea. Das Feiern muss noch etwas warten.

Am Sonntag gehören Sie beim Slalom zu den Favoriten auf Gold. Sind Sie bereit, Ihre Freundin Anna Schaffelhuber erneut zu schlagen?

Der Slalom liegt mir am besten. Im Weltcup habe ich Anna da bereits geschlagen, wieso nicht auch hier bei den Paralympics? Allerdings gibt es nicht nur uns beide auf der Piste. Die anderen Nationen haben aufgeholt, die Konkurrenz ist größer geworden. Aber ich werde alles dafür geben, noch mal Gold zu holen.

Wie groß ist das Feedback aus der Heimat?

Mein Handy hat nach meinem Sieg überhaupt nicht mehr aufgehört zu piepsen. Über 100 Nachrichten haben mich von Freunden und Bekannten aus Stahringen und Freiburg erreicht. Total verrückt. Das freut mich natürlich unglaublich. Noch viel wichtiger war es aber, dass der Rückhalt auch da war, als es am Anfang noch nicht so gut gelaufen ist. Ich habe gespürt, dass die Leute auch nach einem Misserfolg hinter mir stehen. Das hat mir Kraft gegeben und mich stark gemacht.

Wie lautet Ihr Zwischenfazit von den Spielen in Südkorea?

Ich war vor vier Jahren in Sotschi schon dabei. Deshalb ist das alles nichts Neues für mich. Und bei den Wettkämpfen selbst merkt man als Starter auch keinen großen Unterschied zu den Weltcuprennen. Doch, einen schon: Das Interesse in Südkorea ist viel größer, die Tribünen bei den Rennen sind proppenvoll. Das macht schon riesigen Spaß, vor so einer Kulisse zu fahren.

Fragen: Markus Waibel

Zur Person

Anna-Lena Forster wurde 1995 in Singen geboren. Ihr rechtes Bein fehlt, der linke Oberschenkel ist verkürzt. Mit sechs Jahren begann sie mit dem alpinen Wintersport. Bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi gewann Forster mit dem Monoski Silber im Slalom und in der Super-Kombination und eine Bronzemedaille im Riesenslalom. In Pyeongchang gehört die Stahringerin zum 19-köpfigen Aufgebot des deutschen Paralympics-Team. Nach einem Sturz in der Abfahrt und dem vierten Platz im Super-G sicherte sich die 22-Jährige ihre erste Goldmedaille in der Super-Kombination vor ihrer größten Rivalin Anna Schaffelhuber. Am Sonntag (Start 2.30 Uhr MEZ) visiert Anna-Lena Forster ihren zweiten Paralympics-Sieg in ihrer Spezialdisziplin Slalom an. Forster studiert Psychologie in Freiburg. (mex)