Um markante Schlagzeilen ist die Bild-Zeitung ja nie verlegen. Also titelte sie am Sonntag nach dem 3:1-Sieg des SC Freiburg beim VfL Wolfsburg so: „Ausländer rein! So holt Streich den ersten Sieg“. Die Vorlage für diese rhetorische Spielerei hatte der Sportclub-Trainer gegeben, der sich unter der Woche wieder mal zum Thema Flüchtlinge geäußert hatte. „Ich habe zwar einen deutschen Pass, aber ich fühle mich nicht als Deutscher“, sagte Christian Streich, „ich bin ein Mensch, der einen Pass hat, in dem Deutsch drinsteht.“ Nun beorderte er in Wolfsburg den Ungarn Roland Sallai in die Startelf, der per Kopfball das 1:0 (7.) machte und wenig später (21.) einen Elfmeter herausholte, den Nils Petersen im Nachschuss zum 2:0 verwandelte.

Sallai mit Schwindelgefühl ausgewechselt

Der Weg zum Dreier war so früh gefunden – und die SC-Kicker verließen ihn auch nicht mehr, obwohl sich Sallai nach 40 Minuten mit „Schwindelgefühl und eingeschränktem Gesichtsfeld“, wie SC-Sportdirektor Jochen Saier später aufklärte, verabschieden musste. Der Ungar hatte, so von Bundesliga-Ausländer zu Bundesliga-Ausländer, unliebsame Bekanntschaft mit der Schulter des Wolfsburger Spaniers Ignacio Camacho gemacht.

Die Freiburger lieferten eine bärenstarke Leistung ab und waren durch nichts von ihrer Linie abzubringen. Die beinhaltete eine konzentrierte Defensivarbeit, basierend auf hoher Laufbereitschaft. Und sie beinhaltete die feste Absicht, jede Chance zum beherzten Angriff wahrzunehmen. Die Abwehr, mit acht Gegentreffern aus den ersten drei Saisonspielen belastet, fand bis auf einmal den richtigen Mix aus klugem Stellungsspiel und herzhaftem Eins-gegen-Eins-Einsatz. Beim einzigen Tor der Wolfsburger durch Admir Mehmedi fälschte Christian Günter den Schuss des früheren SC-Kumpels ab – so sauste die Kugel ins linke Eck anstatt mutmaßlich knapp neben den Kasten, ein Schönheitsfehler.

Steigerung in der Offensive

Noch eindrucksvoller war freilich die Offensivleistung. Beim schnellen Führungstreffer hatte Torschütze Sallai den einfachsten Job. Vorausgegangen waren ein perfekter Doppelpass zwischen Lukas Kübler und Marco Terrazzino sowie die vielleicht beste Flanke, die Außenverteidiger Kübler je geschlagen hat. Mit Wucht und leichtem Spin weg vom Tor zugleich, für Sallai war der Kopfball eine Aktion aus der Kategorie „leichteste Übung“. Das 3:0 kurz nach der Pause durch Kapitän Mike Frantz entsprang einem schnellen Konter, den der für den verletzten Sallai gekommene Luca Waldschmidt mit grandiosem Pass und Frantz mit intelligenter und eleganter Vollendung zugleich krönten. Noch schöner wäre nur das 4:1 gewesen – wenn Florian Niederlechner es denn erzielt hätte. Der eine Viertelstunde vor Schluss für Terrazzino eingewechselte Stürmer hatte den Ball am eigenen Strafraum selbst erobert und sich dann mit wunderbaren Pässen und wie gemalten Laufwegen im Duett mit Waldschmidt bis in die Wolfsburger Box durchgespielt, nur um dann an VfL-Torwart Koen Casteels zu scheitern.

Lob für das gesamte Team

Christian Streich sprach danach aber nicht nur von Sallai, sondern auch von Kübler, Terrazzino und Robin Koch, die allesamt in dieser Saison erstmals in der Startelf der Breisgauer standen. Der SC-Trainer hatte sein Team gleich auf vier Positionen umbesetzen müssen. Die Genannten kamen für Pascal Stenzel (gesperrt), Jerôme Gondorf (Infekt), Janik Haberer (Gehirnerschütterung im Training) und Niederlechner, dem zunächst eine schöpferische Pause verordnet wurde. Grund genug für Zufriedenheit beim Sportdirektor. „Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir torgefährlicher und haben mehr Varianten. Wir können auch Ausfälle kompensieren“, sagte Jochen Saier. Schließlich stellte Christian Streich alle SC-Kicker ins Schaufenster: „Angefangen vom Schwolli hinten, der einfach ein starker Torhüter ist, bis zum Nils (Petersen) vorne, der unglaublich viel gelaufen ist, haben alle überzeugt.“

Das Fußballerherz von Christian Streich ist gehüpft vor Freude über Roland Sallai, dem allseits die Note 1 für sein Debüt bestätigt wurde. Aber Ausländer? Weg mit dieser Denke. Der 21 Jahre alte Bursche ist nur ein Mensch, in dessen Pass Ungarisch drinsteht.