Es läuft die letzte Runde, als Sebastian Vettel seinen schwersten Gang an diesem Wochenende antreten muss. Um 16.45 Uhr läuft er in kurzer Hose und rotem T-Shirt durch das Fahrerlager. Eigentlich sollte der 31-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch seinen Helm tragen und in seinem Ferrari-Dienstwagen sitzen. Aber am Hockenheimring passiert das, was ihm nur am Hockenheimring passiert. Es geht alles schief.

Vettel dominert die Qualifikation am Samstag. Vettel führt das Rennen am Sonntag lange an, ehe er nach seinem Boxenstopp hinter Teamkollege Kimi Räikkönen zurückfällt. Nach einer Zurechtweistung vom Team lässt ihn der Finne wieder vorbei. Alles deutet auf einen Heimsieg hin, den ersten von Vettel am Hockenheimring. Dann aber beginnt der Regen und das Chaos. Ferrari wechselt nicht auf für die Nässe geeignetere Reifen, Vettel rutscht prompt in Runde 52 von der Strecke und in einen Reifenstapel. Sein Rennen ist beendet.

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Vettel schlägt wütend die Hände gegen das Lenkrad, nachdem er ausgestiegen ist, tritt er in den Kies. Er kann es nicht fassen. Zu Fuß geht es zurück ins Fahrerlager, den Helm nimmt er nicht ab. Nach 20 Minuten Beruhigung und Umziehen stellt er sich den Fragen. Es ist der schwierigste Moment des Wochenendes. Vor allem, weil sein großer WM-Rivale Lewis Hamilton das Rennen gewinnt und damit wieder die Führung in der Gesamtwertung übernimmt. Valtteri Bottas im Mercedes wird Zweiter vor Kimi Räikkönen im Ferrari.„Die Fahrbahn war etwas rutschig, ich habe ein kleines bisschen zu spät gebremst, die Hinterräder haben blockiert. Ich ärgere mich sehr über mich selbst, das war ein kleiner Fehler mit einer großen Auswirkung“, sagt der deprimierte Heppenheimer. Er meint aber auch: "Ich habe schon schlimmere Fehler gemacht. Da darf man nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen."

Vettel spricht mit leiser Stimme. Diese Niederlage ärgert ihn. Aber er spricht und flieht nicht ohne Kommentar. Das ehrt ihn. Nur wenige Meter entfernt jubelt Lewis Hamilton ausgelassen. Selbst der immer stärker werdende Regen stört den Briten nicht. "Das ist natürlich höchst unwahrscheinlich, von so weit hinten zu gewinnen. Ich habe vor dem Rennen viel gebetet. Ich habe an den Sieg geglaubt und der Traum ist wahr geworden. Die Bedingungen waren schwer, dieser Sieg ist so wichtig. Er stärkt den Glauben des Teams in mich und meinen Glauben ans Team", sagt der 33-Jährige. Noch am Samstag war er den Tränen nahe. Wegen Hydraulikproblemen scheidet er in der Qualifikation aus. Lange kniet er neben seinem Auto, hadert mit dem Schicksal. Am Sonntag kann er wieder lachen. "Ich hatte noch nie ein solches Rennen. Das kann ein ganz entscheidender Moment der Saison sein", sagt der Weltmeister.

Ferrari hat das derzeit schnellste Auto. Dank einer neuen Batterie-Software hat das Team offenbar 28 PS gewonnen. Den Sieg aber holt Hamilton. In der Pressekonferenz versagt ihm die Stimme. Er war von den deutschen Fans unfreundlich mit Buhrufen empfangen worden. Auch ihnen hat er es gezeigt – wie ein wahrer Champion.