Fabian Rießle steht gedankenverloren am Rand. Er stützt sich auf ein Gitter, Mütze und Sonnenbrille in der Hand. Gerade läuft die deutsche Nationalhymne. Traurig schaut Rießle nach vorne. Dorthin, wo sich Eric Frenzel für die Goldmedaille bei der Ski-WM feiern lässt. Frenzel also, der in dieser Saison so große Probleme hat. Aber ausgerechnet beim Großereignis ist der 30-Jährige wieder voll da.

Der Sprung war in Ordnung

Ganz anders Fabian Rießle. Er ist enttäuscht, das merkt man. Es hätte eigentlich der Tag des Kombinierers der SZ Breitnau werden können. Sein Sprung auf der Schanze in Innsbruck am Morgen ist gut. 121 Meter reichen für Platz sechs, 39 Sekunden Rückstand auf den Führenden Frenzel. Ein Abstand, den Rießle eigentlich aufholen kann. Eigentlich.

Eltern fiebern mit

Seine Eltern Alfred und Barbara fiebern auf der Tribüne mit. So wie rund 30 weitere Fans aus dem Schwarzwald. Sie schreien, feuern an. Am Ende hilft es nicht. Sie freuen sich aber mit Eric Frenzel. Es ist eine ehrliche Freude. "Hauptsache eine Medaille für Deutschland", sagt Alfred Rießle. Sein Sohn gönnt Frenzel den Triumph natürlich auch. Er sagt: "Es ist eine Wahnsinnsleistung, so auf den Punkt topfit zu sein."

Fabian Rießle (rechts) hatte von Anfang an große Probleme in der Loipe. So kam er der Spitzengruppe nicht näher.
Fabian Rießle (rechts) hatte von Anfang an große Probleme in der Loipe. So kam er der Spitzengruppe nicht näher. | Bild: Georg Hochmuth, AFP

Frühes Seitenstechen

Er selbst ist es nicht. Schon nach wenigen Metern in der Loipe plagt Rießle heftiges Seitenstechen. "Das hatte ich noch nie", sagt er. Er schaut sehr enttäuscht. "Das ist einfach ärgerlich." Wie gerne wäre er dort gestanden, wo Frenzel mit Silbermedaillengewinner Jan Schmid (Norwegen) und Franz-Josef Rehrl (Österreich) sich feiern lassen.

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Gerne hätte Rießle die Glückwünsche der gestern angereisten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entgegengenommen. So aber muss er sich mit einer kurzen Umarmung von Bundestrainer Hermann Weinbuch zufrieden geben. Trost für einen Enttäuschten.

Perfekter Auftakt

Für die deutschen Kombinierer ist Frenzels Sieg war mal wieder ein perfekter Auftakt in ein Großereignis. "Das gibt uns allen Kraft", sagt Rießle. Am Sonntag steht der Sprint-Teamwettbewerb auf dem Programm. Zwei deutsche Kombinierer werden da dabei sein können. Noch hat sich Weinbuch nicht festgelegt, wer die beiden sind. "Ich habe drei im Kopf", sagt Weinbuch.

Der Moment des großen Erfolges: Eric Frenzel überquert die Ziellinie und darf sich über seinen sechsten WM-Titel freuen.
Der Moment des großen Erfolges: Eric Frenzel überquert die Ziellinie und darf sich über seinen sechsten WM-Titel freuen. | Bild: Hendrik Schmidt, dpa

Frenzels Wunder

Frenzel sollte dabei sein. Sein Sieg ist die beste Bewerbung. "Es ist ein Wunder", sagt er und strahlt. Seefeld liegt ihm einfach, auch wenn die vergangenen Wochen schwierig waren. "Es war gut für mich, dass ich noch einmal vor der WM aus dem Weltcup rausgegangen bin", sagt er. Seine Saison war bislang enttäuschend. Bis zum großen Moment in Seefeld.

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Das ist die Qualität eines Spitzensportlers. "Ich weiß auch nicht, wie das wieder ging", sagt Bundestrainer Weinbuch. Frenzel habe immer an sich geglaubt, nie aufgegeben. Und er hat die guten Bedingungen beim Skispringen für sich genutzt. "Auch das ist Qualität. Man muss zum richtigen Zeitpunkt da sein. Das schafft nicht jeder", erklärt Weinbuch. Frenzel hat es geschafft. Rießle nicht.

Für den SÜDKURIER berichtet Marco Scheinhof von der WM in Seefeld.
Für den SÜDKURIER berichtet Marco Scheinhof von der WM in Seefeld.