Wenn Franz Beckenbauer noch etwas sagen würde in diesen Tagen, dann vielleicht dieses: Jo, is denn scho Wahnsinn? Sind sie nicht alle verrückt geworden, diese geldgierigen Fußballmacher? Egal, ob beim Weltverband Fifa oder der europäischen Uefa. Fifa-Boss Infantino will am liebsten schon die WM 2022 in Katar mit 48 Mannschaften spielen und nicht erst das Turnier 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Dazu eine Club-WM mit 24 Teams und eine Global Nations League – und vielleicht hat der Mann ja auch schon entzückende Hallenformate im Glatzkopf mit weltweit 96 Mannschaften. Derweil haben Uefa-Chef Ceferin und sein Exkeutivkomitee aus Gedanken schon mal Realität gemacht und die Europa League 2 eingeführt. In Champions League, Europa League und dem neuen Wettbewerb werden dann 96 Teams aus ganz Europa am Ball sein.

Wer braucht das? Ist nicht längst der Punkt gekommen, an dem weniger mehr wäre? Sollte man nicht mal an die Gesundheit von Spielern denken? Wie wär’s mit etwas Rücksicht auf das Gemüt der Fußballliebhaber, die sich mit Klubnamen auseinandersetzen müssen, die außer den Menschen ebendort niemand kennen müsste? Gibt es nicht sowieso viel zu viel Gekicke im Fernsehen zu sehen?

An dieser Stelle machen wir mal einen Sprung zurück in die Saison 1978/79. Die Europa League hieß noch Uefa-Pokal, der startete mit 64 Mannschaften und mit MSV Duisburg (!), Hertha BSC (!) und Borussia Mönchengladbach standen gleich drei Bundesligisten im Halbfinale – Gladbach holte den Pott gegen Roter Stern Belgrad. Oder 1979/80, da war das Halbfinale komplett deutsch: Wieder Gladbach, dazu die Bayern, der VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt – Erbarmen, zu spät, die Hessen triumphierten! Nebenher gab es noch den Europapokal der Landesmeister mit 32 Teams und den Europacup der Pokalsieger mit ebenfalls 32. Schon addiert? Macht 128 Mannschaften!

Was uns das sagt? Mehr Teams, aber viel weniger Spiele, weil es nur ein K.o.-System gab. War überschaubar, reizvoll, einfach toll – wie die jetzigen Formate erst nach der doofen Vorrunde. Der Fußball braucht mehr K.o.-System – und zuallererst für Funktionäre.

http://ralf.mittmann@suedkurier.de