Sie waren saurer als ihnen anzusehen war. Sowohl Christian Streich, Trainer des SC Freiburg, als auch Jochen Saier, Sportdirektor beim südbadischen Bundesligisten, haderten nach der 1:2-Derby-Niederlage gegen den VfB Stuttgart mit Schiedsrichter Benjamin Brand und dessen Videoassistenten in Köln, Felix Brych. Die beiden Unparteiischen bewerteten das frühe Führungstor der Schwaben durch Mario Gomez nach vier Minuten im Gegensatz zum Freiburger Führungspersonal als regelkonform.

Im Stadion war die Szene allenfalls zu erahnen – erst viel später wusste man mehr. Als der Freistoß von Dennis Aogo in den Freiburger Strafraum segelte, standen die Vfb-ler Christian Gentner und Erik Thommy im passiven Abseits. Da beide dann aber SC-Spieler wegblockten, Gentner Nils Petersen und Thommy Robin Koch, war erstens aus dem passiven ein aktives Abseits geworden, und zweitens lag nach Regel zwölf sogar ein Foulspiel vor – dort heißt es: „Behindern des Gegners liegt vor, wenn sich ein Spieler in den Weg eines Gegners stellt und ihn dadurch auflaufen lässt oder zum Abbremsen oder zu einer Richtungsänderung zwingt, wobei sich der Ball für beide Spieler außer Reichweite befindet.“

Am Sonntag nun meldete sich Lutz Michael Fröhlich, Projektleiter Video-Assistent und Sportlicher Leiter Elite-Schiedsrichter beim DFB, zu Wort und erklärte, „die Anerkennung des Tores ist regeltechnisch akzeptabel und nicht zu beanstanden.“ Der selbe Fröhlich hatte kurz vor Weihnachten beim DFB-Pokal-Aus der Freiburger in Bremen ein Werder-Tor als „klare Fehlentscheidung“ bewertet – Grund: Bremens Gondorf hatte im Abseits stehend Freiburgs Koch geblockt. Während Streich von einem „Ärgernis“ sprach, kündigte Saier Maßnahmen an: „Wenn das aktive Wegblocken der Verteidiger aus Abseitspositionen nicht strafbar ist, werden wir unser Standardrepertoire dahingehend erweitern.“

Ungeachtet dieses Zoffs war aber auch für Christian Streich klar, „dass der Stuttgarter Sieg verdient war“. Der SC-Trainer ist froh, dass nun Länderspielpause und damit ein Durchschnaufen möglich ist. „Wir laufen völlig auf der Felge“, sagte Streich, „einige brauchen dringend Ruhe, Regeneration und Behandlung.“ Zum Glück für die freiburger verloren Mainz und Wolfsburg, womit der Abstand zum Relegationsplatz bei fünf Punkten blieb. Nach der Partie auf Schalke am 31. März kommt dann der VfL Wolfsburg ins Schwarzwaldstadion. Da geht es dann um viel, wenn nicht gleich um alles.

Ach ja, ein Freiburger bekam noch Streicheleinheiten – und das vom Gegner. Mario Gomez, Stuttgarts zweifacher Torschütze, adelte Nils Petersen für dessen grandiosen Lupfer zum zwischenzeitlichen 1:1. „Ich wünsche Nils, dass er nicht nur in Deutschland das Tor des Jahres erzielt, es wird auch weltweit das schönste Tor gesucht“, sagte Gomez, „das war wirklich ein Traum.“