Es gibt solche Tage, an denen man am besten im Bett liegen geblieben wäre. Schon beim Aufstehen weggerutscht, die Kaffeetasse umgekippt, die Haustüre zugezogen und den Schlüssel vergessen – und es ist noch keine Stunde seit dem Aufwachen vergangen.

Die Fußballer des SC Freiburg erleben einen Tag zum Vergessen, als sie sich mit einem Sieg gegen das Schlusslicht aus Paderborn im Vorderfeld der Tabelle etablieren wollen und stattdessen eine deprimierende 0:2-Heimniederlage kassieren. „Die Präzision hat gefehlt, wir sind falsch in die Räume gelaufen und haben uns dann auch noch vor dem Tor selbst behindert“, zählt Christian Streich einige Fehlleistungen auf. Der Freiburger Fußballlehrer, der ja durchaus den emotionalen Vulkan in sich birgt, spricht ruhig. Es ist die Gelassenheit des Fatalisten, der weiß, dass es diese Tage gibt, an denen man so ungewollt wie unvermeidlich nach Murphys Gesetz kickt, wonach alles, was man anpackt, mit Sicherheit schiefgeht. „Wir waren fußballerisch nicht gut genug heute“, sagt Streich.

Zwei Situationen hatte es gegeben, in denen sich alles zum Guten hätte entwickeln können. Nach 28 Minuten segelt die Flanke von Changoon Kwon an den Fünfmeterraum, doch dort stehen sich Lucas Höler und Robin Koch gegenseitig im Weg. „Und dann liegt der Ball drei Meter vor dem Tor auf dem Boden und der Torwart kann ihn lachend aufnehmen“, schildert Christian Streich die fatale Szene. Elf Minuten später: Über Haberer und Kwon kommt der Ball maßgerecht auf den Schlappen von Jonathan Schmid. Doch der Franzose, eigentlich bekannt für eine ausgereifte Schusstechnik, entscheidet sich für einen Schlenzer anstatt Vollspann draufzuhalten. Das Resultat: Die Kugel rauscht fast zehn Meter über den Kasten und küsst den Werbebanner der Rothaus-Brauerei, der auf der Südtribüne zwischen den unteren Stehplätzen und den oberen Sitzplätzen angebracht ist. Sozusagen Tannenzäpfle statt Tor – und die Erkenntnis von Christian Streich: „In so einem schwierigen Spiel brauchst du es, dass du in Führung gehst.“

Oder auch das: Wenn du das 1:0 nicht schaffst, musst du wenigstens den eigenen Kasten sauber halten. Doch dann vertändelt Dominique Heintz an der Mittellinie den Ball, ein Pass von Srbeny setzt die SC-Hintermannschaft matt, und als Paderborns Stürmer Antwi-Adjei vor Alexander Schwolow auftaucht, trifft auch Freiburgs Torwart prompt die falsche Entscheidung: Er will den schwachen Schuss mit den Händen abwehren anstatt per Fußabwehr, und schon rutscht Schwolow der Ball durch.

Noch mehr gefällig? Als eine von zehn Flanken Christian Günters endlich bei Nils Petersen landet und der Torjäger zum Kopfball kommt, rauscht Höler orientierungslos in die Flugbahn der Kugel und wird zum besten Verteidiger Paderborns. Frust statt Ausgleich. Nach Gelb-Rot für Collins (59.) besteht ja bis in die Schlussphase hinein die Chance, in Überzahl wenigstens einen Zähler zu ergattern. Aber dann erlaubt sich Höler an der Grenze des eigenen Strafraums einen unnötigen, heftigen Körpereinsatz gegen Pröger, worauf Schiedsrichter Dingert Elfmeter pfeift. Sabiri trifft, 0:2, die Entscheidung.

Die allerletzte Pointe: Christian Streich hatte geahnt, dass es so kommen könnte. „Wir haben zuletzt nie vollständig trainieren können“, sagt der SC-Trainer und erklärt auf gut Badisch: „Erscht isch de Luca e Woch im Nescht glege und dann au noch de Chicco.“ Der Chicco ist Nicolas Höfler, als Taktgeber im Mittelfeld eigentlich gesetzt, doch gegen Paderborn konnte er erst nach der Pause (57.) aufs Feld. An diesem Tag selbstverständlich ohne Wirkung.

Hadern mit der Niederlage wollen sie aber nicht im Breisgau. Gesund werden und gesund bleiben sollen die Kicker. „Wir müssen schauen, dass wir unter der Woche malochen können“, sagt Streich mit Blick auf das nächste Spiel in Köln, „wir brauchen das.“