Vor 25 Jahren, als in Nürnberg Deutschland gegen Österreich 0:0 spielte, lag als Zeichen der Trauer eine Kappe auf der Bank der Gäste. Sie erinnerte an den vier Tage zuvor verstorbenen Ernst Happel. Am heutigen Todestag der Trainer-Legende testen die Österreicher gegen Uruguay. Es ist das Trainerdebüt von Franco Foda für die Alpenrepublik, es ist vor allem aber ein Spiel für den legendären Grantler.

Die nüchternen Zahlen lesen sich so: Als Spieler nahm Happel mit dem Nationalteam an zwei Weltmeisterschaften (1954 und 1958) teil und stand in jener Mannschaft, die 1954 in der Schweiz den dritten Platz holte. Noch erfolgreicher war er als Trainer. So führte er die Niederlande 1978 als Teamchef bis ins WM-Finale. Mit Feyenoord Rotterdam (1970) und dem Hamburger SV (1983) holte Happel den Europacup der Landesmeister. Das ÖFB-Team betreute er vom 1. Januar 1992 bis zu seinem Tod an Lungenkrebs.

Nur mit Zahlen lässt sich Happels Legendenstatus nicht erklären. Der gebürtige Wiener brachte dem HSV das Pressing bei, als es das noch gar nicht gab. Happel perfektionierte die Abseitsfalle, liebte den Offensivfußball und sagte einst: "Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag." Trotz seiner bärbeißigen Art kam Happel bei den Spielern an: „Als er zu uns in die Kabine kam, war es, als ob jemand das Licht aufgedreht hätte“, meinte einst Horst Hrubesch.

In seiner Lebensweise war er seinen Schützlingen allerdings weniger Vorbild: Happel war Kettenraucher, Karten- und Casino-Spieler, zudem auch noch Wein-Liebhaber. Vielleicht hätte er sonst länger gelebt, noch mehr Titel gesammelt. So lag stattdessen vor 25 Jahren eine Kappe auf der Bank. Und liegt dort vielleicht auch heute, wenn Österreich gegen Uruguay spielt.