Was soll das heißen? „Eric ist kein normal Mensch“, sagt Hermann Weinbuch. Was zunächst befremdlich klingt, ist einfach zu erklären. Beim Saisonhöhepunkt holt sich Eric Frenzel die Goldmedaille in der Nordischen Kombination, nachdem es bei ihm im Weltcup so gar nicht laufen wollte. Die vergangenen Wochen sind abgehakt, es zählt das Hier und Jetzt. Und das ist golden.

Frenzel, der außergewöhnliche Athlet. Schon vor vier Jahren hat er bei Olympia triumphiert, nun wieder. Das ist eine ganz starke Leistung. „Ich habe den Glauben nicht verloren“, sagt der 29-Jährige. Schon während der Saisonvorbereitung hatte das Ziel, bei Olympia ganz oben zu stehen, Priorität. Dafür nahm er schlechtere Ergebnisse im Weltcup in Kauf. Er hatte immer das Vertrauen, dass „es irgendwann ins Laufen kommt“. Vor allem beim abschließenden Training vor Olympia in Oberstdorf passierte es. Plötzlich war die Frische zurück und das Gefühl für den guten Sprung. Er hat es bis nach Pyeongchang halten können.

Frenzel war Fahnenträger der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier – eine Ehre. Ein positives Gefühl habe ihm das zusätzlich gegeben. „Ein Gefühl, von dem ich viel mitnehmen konnte.“ Mit hinüber in den Wettkampf, der ganz nach seinen Wünschen läuft. Der Sprung klappt hervorragend und im Rennen läuft er die Lücke von Startposition fünf aus zur Spitze schnell zu. In der letzten Runde greift er am Berg an. Der Österreicher Lukas Klapfer, der Norweger Jarl Magnus Riiber und Akito Watabe können nicht mehr folgen. Der Japaner, Führender des Gesamtweltcups, holt sich wenigstens Silber vor Klapfer, für Riiber bleibt der saure Apfel, Platz vier.

Die übrigen deutschen Starter überzeugen in der Loipe. Johannes Rydzek wird Fünfter, Fabian Rießle von der SZ Breitnau kämpft sich nach einem vom Wind negativ beeinflussten Sprung auf Rang sieben nach vorne und Vinzenz Geiger wird Neunter.

Ein starkes Mannschaftsergebnis.Bundestrainer Hermann Weinbuch kann zufrieden sein. Frenzel beschert ihm die 45. Medaille bei Olympia und Weltmeisterschaften während seiner Amtszeit. Das macht stolz. „Es ist unglaublich, was für eine Energie er hat, im Kopf vor allem, da ist er brutal stark“, sagt Weinbuch über seinen Ausnahmeathleten Frenzel. Nach dem Rennen hat der nur noch einen Wunsch, seine Frau Laura und seinen ältesten Sohn Philipp zu umarmen. Frenzel ist früh Vater geworden, er war erst 18. Laura sogar erst 16. Sie ist mit Philipp nach Südkorea gereist, will bei den Wettkämpfen ihren Mann unterstützen. So wie sie es immer tut. „Meine Familie hat zuletzt zurückstehen müssen. Es war nicht immer leicht, gerade als es nicht so lief“, sagt Eric Frenzel. Doch nun hat er Gold. Alles richtig gemacht also.

Das will er nun auch in den kommenden Tagen. Gesund bleiben, das ist das wichtigste. Das hat er auch von den Spielen 2014 in Sotschi gelernt. Damals war er nach seinem Sieg krank geworden und dann nicht mehr in Topform gekommen. „Aber Händeschütteln werde ich, ich werde gut desinfizieren“, sagt er. Ohne Händeschütteln kommt ein Olympiasieger ja auch nicht aus.

Zur Person

Eric Frenzel wurde am 21. November 1988 in Annaberg-Buchholz geboren. Der Nordische Kombinierer wurde gestern in Pyeongchang zum zweiten Mal Olympiasieger. Schon 2014 in Sotschi siegte der Sachse. Frenzel holte 2011 und 2013 den Weltmeistertitel und gewann von 2013 bis 2017 jeweils die Gesamtwertung des Weltcups. Der Vater zweier Söhne und einer Tochter lebt mit seiner Familie in Flossenbürg – das liegt in der Oberpfalz in Bayern. (sk)