Der Fußballfan durchlebt eine Zeitreise. Anders als in den vergangenen Jahren herrscht in der Bundesliga nicht nur am Ende der Tabelle Spannung, sondern auch an der entgegengesetzten Seite. Garniert mit einem offenen Kampf um die Europapokalplätze, läutet die Bundesliga am Freitag (20.30 Uhr/ARD) mit der Partie des FC Bayern in Freiburg die zweite Saisonhälfte ein. Weil bei sämtlichen Teams in der Winterpause wahlweise Kräfte gebündelt/Stars gekauft/Trainer gewechselt wurden, herrscht bei 18 Mannschaften Optimismus. Wie immer wird der bei vielen enttäuscht.

  • FC Bayern München: Statt sich in der Winterpause – wie in den Vorjahren – nur noch einen passenden Spieltag für die Meisterfeier auszusuchen, hat die Mannschaft in Leipzig einen ernsthaften Verfolger. Weil die Sachsen noch dazu auf finanzielle Zuwendung nicht angewiesen sind, können die Bayern ihnen nicht einfach die besten Akteure abkaufen. Da die Spieler in Dortmund Entwicklungszeit benötigen und das Berliner sowie Frankfurter Personal als nicht talentiert genug erscheint, bedienten sich die Münchner in Hoffenheim und verpflichteten Süle und Rudy. Allerdings erst ab der kommenden Saison. – Abgän:ge Green (VfB Stuttgart/0,3 Millionen Euro), Badstuber (Schalke/verliehen); Zugänge: keine.

Prognose: Die Bayern müssen diesmal bis in den Mai hinein warten, ehe ihnen die Schale sicher ist.

  • RB Leipzig: Mussten sich als Tabellenzweiter keine Abwerbeversuche der Münchner gefallen lassen. Welch Luxus! Werden auch weiterhin radikalen Tempofußball spielen. – Zugänge: Upamecano (RB Salzburg/10); Abgänge: Damari (Maccabi Haifa/Leihe), Vitaly Janelt (VfL Bochum/Leihe), Papadopoulos (Hamburger SV/Leihe)

Prognose: Nächste Saison wird in der Champions League gegengepresst.

  • Hertha BSC: Geschichte wiederholt sich eben doch. Wie in der Vorsaison steht das Team der Unauffälligen weit vorne. – Abgänge: Hegeler (Bristol City/0,3); Zugänge: keine.

Prognose: Wie in der Vorsaison steht es dort am Ende nicht mehr.

  • Eintracht Frankfurt: Das Aschenputtel der Liga. Coach Kovac formte aus dem Abstiegskandidaten einen potenziellen Europapokal-Teilnehmer. – Zugänge: Ordónez (Barcelona SC/1), Besuschkow (VfB Stuttgart/0,1); Abgänge Flum (FC St. Pauli/ablösefrei).

Prognose: Das Märchen endet im Niemandsland der Tabelle.

  • TSG Hoffenheim: Kein Wunder, dass mit Rudy und Süle im Sommer zwei Stars das Team verlassen. Wollten sich die Hoffenheimer doch nicht mal ein Trainingslager irgendwo im Süden leisten. Die Mannschaft blieb zu Hause, trainierte bei empfindlichen Minus-Temperaturen. So kann man natürlich keine feinfühligen Profis vom Verbleib in Sinsheim überzeugen.
    – Abgänge: Kim (Jeonbuk/1,3), Ponce (USM Porres/ablösefrei); Zugänge: keine.

Prognose: Nächste Saison geht es auf jeden Fall ins Ausland. Vielleicht sogar in der Champions League.

  • Borussia Dortmund: Das spannendste Projekt der Liga. Wie viel Talent kann eine Mannschaft eigentlich vertragen? Wie passen Götze und Schürrle in diese Versuchsanordnung? Wann machen die Bayern Dembélé, Pulisic und Co. das erste Angebot? Kann Thomas Tuchel den Körperfettanteil unter null Prozent treiben? – Abgänge/Zugänge: keine.

Prognose: Für die Dortmunder reicht es für die Champions League.

  • 1. FC Köln: Winterliche Heimschläfer wie die Hoffenheimer. Dass trotzdem niemand mit einem Transfer nach München liebäugelt, zeigt das überschaubare Talent der Kölner Mannschaft. Beruhigend für alle mäßig Begabten: Mit Arbeit und Strategie lässt sich auch viel erreichen. – Zugänge Clemens (FSV Mainz/2,8); Abgänge: Mavraj (Hamburger SV/1,8), Mladenovic (Standard Lüttich/1,2).

Prognose: Die Kölner werkeln sich in die Europa League.

 

  • SC Freiburg: Der Star ist der Trainer. Christian Streichs Horizont hört nicht an der Eckfahne auf. Deswegen spielt der SC Freiburg nicht zwingend besseren Fußball – macht es aber leichter, ihn sympathisch zu finden. – Abgänge: Laprevotte (1. FC Magdeburg/Leihe); Zugänge: keine.

Prognose: Freiburg hält locker die Klasse.

  • Bayer 04 Leverkusen: Siege gegen Monaco und Dortmud, Achtelfinale in der Champions League. Könnte alles so schön sein in Leverkusen. Wenn da nicht das Pokal-Aus gegen Lotte wäre. Oder die sieben Liga-Niederlagen. Oder ein Trainer, der sich in unnötigen Scharmützeln aufreibt. – Abgänge/Zugänge: keine.

Prognose: Leverkusen beendet die Saison mit einem anderen Trainer als Roger Schmidt.

  • FSV Mainz 05: Die Europa League war dann doch ein wenig viel. Vor der Winterpause ging den Mainzern die Luft aus. Die Abgänge von Malli und Clemens bringen Geld und kosten Qualität. – Abgänge Malli (VfL Wolfsburg/12,5), Clemens (1. FC Köln/2,8); Zugänge: keine.

Prognose: Eine Rückrunde fernab von Sorgen und Hoffnungen.

  • FC Schalke 04: Das ist nicht mehr das Schalke, das man kennt. Erfolglose Zeiten gab es zwar schon früher – da wurde dann aber aus folkloristischen Gründen der Trainer entlassen. Nun hält man an Markus Weinzierl stoisch fest. Der kann allerdings auch wahrscheinlich am wenigsten für die unheimliche Verletzungsflut. – Zugänge Badstuber (FC Bayern/Leihe), Burgstaller (1. FC Nürnberg/1,5); Abgänge Sam (Darmstadt 98/Leihe), Júnior Caiçara (Basaksehir/3,0).

Prognose: Die Schalker gehen der Europapokal-Belastung geschickt aus dem Weg und landen im Mittelfeld.

  • FC Augsburg: Kennt man so ja normalerweise nur aus Schalke. Mitten während der Saison wird der Trainer vor die Tür gesetzt. Neu-Coach Manuel Baum hat die Aufgabe übertragen bekommen, mit etwas attraktiverem Fußball als sein Vorgänger Dirk Schuster den Klassenerhalt zu schaffen. – Abgänge: Opare (RC Lens/Leihe); Zugänge: keine.

Prognose: Baum schafft das.

  • VfL Wolfsburg: Die Kombination klang gut: Feiner Techniker füttert Top-Stürmer mit Vorlagen. Julian Draxler aber bediente eher die Boulevard-Medien statt Mario Gomez und forcierte seinen Wechsel. Da konnte auch Dieter Hecking nicht viel machen. Er und Draxler sind weg, Valerien Ismael und Yunus Malli da. – Zugänge Malli (FSV Mainz/12,5), Bazoer (Ajax Amsterdam/12), Ntep (Stade Rennes/5), Osimhen (Ult. Strikers/3,5); Abgänge Draxler (Paris St. Germain/40), Ascues (FBC Melgar/Leihe).

Prognose: Schadensbegrenzung im Tabellenmittelfeld.

  • Borussia Mönchengladbach: Trotz der Talfahrt hielt Max Eberl lange an André Schubert fest. In der Rückrunde darf Dieter Hecking sein Glück versuchen. Beim FC Bayern beobachtet man die unaufgeregten Auftritte Eberls mit Interesse. – Zugänge Kolodziejczak (FC Sevilla/7,5); Abgänge Domínguez (Karriereende).

Prognose: Gladbach bleibt in Liga eins, Eberl wechselt nach München.

  • Werder Bremen: Pizarro, Gnabry, Kruse – dieser Sturm gewinnt Spiele. Die Abwehr verliert allerdings noch viel mehr. – Zugänge: Delaney (FC Kopenhagen/2); Abgänge Diagne (FC Metz/Leihe), Fröde (Kickers Würzburg/0,2), Thy (FC St. Pauli/Leihe).

Prognose: Ab in die Relegation.

  • Hamburger SV: Markus Gisdol hat gegen Ende der Hinrunde tatsächlich so etwas wie Stabilität in die Mannschaft gebracht. Mit Mavraj und Papadopoulos bekommt er nun noch zwei solide Innenverteidiger. Klingt vernünftig. – Zugänge: Mavraj (1. FC Köln/1,8), Papadopoulos (Leverkusen, zuletzt ausgeliehen an Leipzig/Leihe); Abgänge Cléber Reis (FC Santos/2,5).

Prognose: Im Abstiegskampf ist der Vernünftige König.

  • FC Ingolstadt: Die Trennung von Markus Kauczinski war vernünftig. Unter Maik Walpurgis haben die Ingolstädter wieder Anschluss an die Nichtabstiegsplätze gefunden. – Abgänge Wahl (1. FC Heidenheim/Leihe); Zugänge: keine.

Prognose: Vernunft allein reicht eben nicht immer. Walpurgis darf das Projekt Wiederaufstieg in Angriff nehmen.

  • SV Darmstadt 98: Der Abstiegskandidat mit den prominentesten Zugängen. Torsten Frings und Sidney Sam sollen helfen, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen. Nach zwei Aufstiegen und dem Nichtabstieg in der vergangenen Saison wäre es die vierte Überraschung in Folge. – Abgänge: keine; Zugänge Sam (FC Schalke 04/Leihe).

Prognose: Die Zeit der Wunder ist vorbei. Runter in Liga zwei.