Was hatten Corona und die Fanproteste die Schlagzeilen rund um die Fußball-Bundesliga bestimmt. Im Spiel des SC Freiburg gegen Union Berlin ging es in erster Linie aber wieder um den Sport. Zwar hatten die Ultras beider Lager in erstaunlicher Ausdauer Transparent um Transparent entrollt, doch alles blieb im Rahmen. Weder ging es um Söhne, noch um die Profession deren Mütter. Als gesundheitliche Vorsichtsmaßnahme waren im Stadion Spender mit Desinfektionsmittel angebracht, doch Christian Streich bremste aufkommende Sorgen auf seine typisch nüchterne Art. „Wenn Grippe ist, haben wir ja auch kein besonderes Thema“, sagte der SC-Trainer nach dem 3:1 (1:0)-Sieg gegen den Aufsteiger aus der Hauptstadt.

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Vielmehr hatte den 54-Jährigen vor der Partie eine ganz andere Seuche beschäftigt – und die war rein sportlicher Natur. Zweimal waren die Breisgauer und die Berliner in dieser Saison aufeinandergetroffen, zweimal hieß der Sieger im Oktober Union Berlin. Ein drittes Mal „wollten wir uns nicht wieder abkochen lassen“, sagte Streich am frühen Samstagabend. Da war die negative Miniserie bereits beendet und der Coach der Freiburger dementsprechend erleichtert. „Es war ein verdienter Sieg. Dieses Mal haben wir so richtig dagegengehalten und uns in den Zweikämpfen durchgesetzt. Ich bin sehr zufrieden, wie meine Mannschaft aufgetreten ist“, lobte der Chef sein Team.

Hohe körperliche Präsenz

Tatsächlich waren die Freiburger vor 24 000 Zuschauern gegen die defensiv gut gestaffelten Gäste von Beginn an körperlich sehr präsent (55 Prozent Zweikampfquote am Ende). „Wir wussten, dass Union mit ordentlicher Härte kommen und voll in die Zweikämpfe gehen wird. Da musst du vor allem am Anfang dagegenhalten“, sagte Robin Koch. Bis zur ersten zwingenden Chance sollte es jedoch eine knappe halbe Stunde dauern. Der Sportclub hatte mehr Ballbesitz, Union lauerte mit eiserner Disziplin auf Konter. Ein solcher Gegenzug hätte fast zum 0:1 geführt, doch der Freiburger Torhüter Alexander Schwolow parierte den Schuss von Christian Gentner.

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Wenn es aus dem Spiel heraus nicht wie gewünscht klappt, dann müssen wir eben auf Standards setzen, sagten sich die Gastgeber – und das mit Erfolg. Fünf Minuten nach dem Schreckmoment wuchtete Roland Sallai nach einer Ecke von Vincenzo Grifo den Ball per Kopf zum 1:0 ins Netz (34.). „Ich habe eine lange Zeit auf dieses Tor gewartet und mich ein bisschen selbst gestresst. Ich hoffe, ich kann so weitermachen“, sagte der Ungar. Auch Innenverteidiger Philipp Lienhart freute sich. „Wir haben alles sehr gut wegverteidigt und waren vor dem Tor dieses Mal eiskalt und haben endlich wieder mal nach Standards unsere Tore gemacht“, sagte der Österreicher.

Das 2:0 (55.) durch einen strammen Linksschuss von Kapitän Christian Günter folgte zwar auf keinen ruhenden Ball, doch nach dem Anschlusstreffer von Sebastian Andersson (61.) erzielte Nationalspieler Koch nach einem Grifo-Freistoß aus dem Halbfeld per Kopf das 3:1 (82.) und beseitigte damit alle Zweifel am sechsten Heimsieg.

Sieg des Willens

Die drei Tore? Allesamt Resultate der großen Freiburger Willensleistung. „Das schnelle 2:1 nach der Führung war natürlich nicht gut“, sagte Trainer Streich. „Trotzdem hat die Mannschaft mit Überzeugung weitergespielt, um noch ein drittes Tor zu erzielen. Wir haben uns nicht vom Weg abbringen lassen.“ Das sah sein Gegenüber Urs Fischer, dessen Verteidiger Marvin Friedrich in der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte sah, genauso. „Aus meiner Sicht hat heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen, sondern die, die es mehr gewollt hat. Freiburg war eine Spur aggressiver, eine Spur ekliger und bei zwei Standards extrem präsent. Sie haben die letzte Konsequenz gezeigt, die wir vermissen lassen haben“, gab der Schweizer Fußballlehrer zu Protokoll.

Keine Sorgen um den Klassenerhalt

Im dritten Anlauf Union Berlin besiegt, endlich wieder effektiv vor dem Tor – und das sogar bei Standards. Kein Wunder, dass Christian Streich zufrieden war nach dem erst zweiten Erfolg gegen einen Aufsteiger in dieser Saison. „Es war ein brutal schwieriges Spiel, aber wir haben gewonnen und darüber bin ich extrem froh“, sagte der Freiburger Trainer.

Im Frühjahr 2020 wird sich seine Mannschaft wohl keine großen Sorgen um den Klassenverbleib mehr machen müssen. „Mit 36 Punkten stehen wir jetzt wirklich gut da“, gab Streich zu, und Robin Koch ergänzte nach zuletzt drei sieglosen Spielen grinsend: „Jetzt liest sich die Tabelle auch wieder ein Stück weit schöner.“