Seine Ehrlichkeit ist Joachim Löw hoch anzurechnen. Offen sprach er bei der Präsentation seiner WM-Analyse von seinen Fehlern und Fehleinschätzungen. Von Strömungen im Fußball, die der Bundestrainer und sein Team offenbar übersehen haben. Mit der gewohnt dominanten Spielweise wollte er die Vorrunde überstehen – was gründlich misslang. Schon die letzten Testspiele vor dem Turnier hätten ihn zu einem Umdenken bringen können, spätestens die erste Halbzeit gegen Mexiko hätte ihn dazu zwingen müssen.

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Löw aber hielt unbeirrt an seinem Stil fest. Eine arrogante Haltung gab er dabei zu. Dass er das nun einsieht, ist ein erster Schritt. Allerdings hat er sehr lange gebraucht, um die Analyse abzuschließen. Und natürlich drängt sich die Frage auf, ob ein Trainer, der solch eklatante Fehler macht, tatsächlich der richtige Mann für die Zukunft ist. Zumal er auch davor zurückschreckt, den ganz großen personellen Umbruch einzuleiten. Sami Khedira aussortiert, drei Neue nominiert – das war es.

Zudem Co-Trainer Thomas Schneider in die Scouting-Abteilung versetzen – fertig. Löw ist im Deutschen Fußball Bund offenbar unantastbar. Die erfolgreiche Zeit mit dem Gewinn des WM-Titels 2014 wirkt noch nach und bewahrt ihn vor einer Entlassung. Bei einem Bundesligisten wäre so etwas undenkbar: Ein Trainer, der so viele Fehler macht und die erst nach einer langen Analyse erkennt, würde schnell ersetzt werden.