Steigen wir doch gleich mal mit dem Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Tobias Welz ein: Was für starke 45 Minuten des SC Freiburg. Hellwach und konzentriert, aggressiv und mutig, kampfstark und kombinationsfreudig – macht alles zusammen eine verdiente 2:0-Führung für die Mannschaft von Trainer Christian Streich gegen Leipziger Fußballer, die ihrerseits bis dahin keinen Fuß auf den Boden bekommen.

Nach zwölf Minuten fällt das 1:0 – und es hätte kaum schöner sein können. Christian Günter erkämpft sich zehn Meter vor dem eigenen Strafraum den Ball, spielt ihn ab auf Robin Koch und nach einer weiteren Zwischenstation am linken Fuß von Mike Frantz ist die Kugel zurück beim auf und davon stürmenden Günter, der sie stramm Richtung Tor zieht. Ist das ein Schuss? Ist es ein Flankenversuch? Man kann es Flankenschuss nennen oder auch Schussflanke, jedenfalls hat Leipzigs Torwart Peter Gulacsi viel Mühe damit – zu viel sogar, denn er boxt den Ball nach vorne direkt zu Nils Petersen, der blitzschnell reagiert und das Runde per Außenrist ins Eckige bugsiert.

Der Angriff zum 1:0 offenbart auch die Freiburger Marschroute. Bei Leipziger Ballbesitz wird ein dichtes Abwehrnetz gesponnen und bei geglückter Balleroberung sofort mit feinen Pässen auf Attacke umgestellt. Das ist auch in der 31. Minute der Fall, am Ende einer schönen Passstafette köpft RB-Verteidiger Upamecano den Ball nachlässig aus dem Strafraum maßgerecht auf den Schlappen von Luca Waldschmidt, der sofort draufhält. Die Kugel wäre wohl unter dem Balken eingeschlagen, wenn nicht Gulacsi hervorragend reagiert und sie übers Tor gelenkt hätte.

Zur Ehrenrettung der Gäste sei erwähnt, dass sie nach 19 Minuten durch Timo Werner auch eine Chance hatten. Der Nationalstürmer fand aus halbrechter Position seinen Meister in SC-Keeper Alexander Schwolow.

Kurz vor dem Halbzeitpfiff wird es dann knifflig. Nach dem nächsten schnellen Angriff der Freiburger zieht wieder Günter die Flanke in den Strafraum – und dort geht im Laufduell Mann an Mann zwischen Frantz und Upamecano der Freiburger zu Boden. Schiedsrichter Welz lässt weiterspielen, doch ihn ereilen erst wütende Proteste der Gastgeber und dann der Ruf von Videoassistent Christian Dingert in Köln. Welz schaut sich die Szene gut eine Minute lang an, dann zeigt er das Zeichen für Videoentscheidung und gibt Elfmeter. Waldschmidt, der zuletzt gegen Bremen souverän verwandelt hatte, ist wieder sicher und stellt auf 2:0.

Auf den Rängen des Schwarzwaldstadions hat sich längst Begeisterung breitgemacht. Und doch gibt es in der Pause auch die ein oder andere Stimme des Zweifels. „Hoffentlich kriegen sie jetzt nicht plötzlich Angst vor der eigenen Courage“, sagt ein Haupttribünengast und beißt herzhaft in seine Bratwurst. Genauso bissig kommen Streichs Schützlinge aus der Kabine. Die 52. Minute. Erst behaupten Haberer, Petersen und Gondorf vor dem Leipziger Strafraum den Ball, dann zirkelt sie Lukas Kübler scharf in den Sechzehner und Frantz köpft sie gegen die Laufrichtung von Gulacsi zum 3:0 ins Tor. Ein herrlicher Angriff mit einem ebensolchen Abschluss durch den Sportclub-Kapitän, der eine famose Partie abliefert. Und Leipzig? Weiter nichts. Stattdessen in der 59. Minute: Ballgewinn Freiburg, schneller Konter, Petersen-Abschluss aus 16 Metern – rechts am Tor vorbei.

Dann sind 67 Minuten gespielt und sie kommt tatsächlich: die erste hundertprozentige Torchance für die Roten Bullen, die sich Rasenballsport nennen. Nach Ecke von Diego Demme kommt Upemecano am Fünfmeterraum frei zum Kopfball, doch der bringt das Kunststück fertig, links am Tor vorbei zu köpfen. Mit der Einwechslung von Konrad Laimer für den schwachen Kevin Kampl werden die Sachsen offensiv stärker und stellen das Eckballverhältnis auf 10:3, aber die Freiburger überstehen auch zwei brenzlige Situationen, in denen der Ball wie eine Flipperkugel im SC-Strafraum hin und her ploppt.

Nach 73 Minuten ist vorzeitig Schluss für den überragenden Mike Frantz. Der Kapitän erhält stehende Ovationen des Publikums, für ihn kommt Marco Terrazzino auf den Rasen.

Auf dem feuchten Grün tut sich aber nicht mehr viel. Leipzig kann weiter nicht und Freiburg will nicht mehr. „Oh wie ist das schön“, singen die Sportclub-Anhänger im Chor – dem ist nichts mehr hinzuzufügen.