In der seit Jahren anhaltenden Diskussion um das neue Fußballstadion verwies im Herbst 2016 der Freiburger FDP-Stadtrat Sascha Fiek mal eben auf die ursprüngliche Bedeutung des Worts Demokratie. „Demos kratein – das Volk herrscht.“ Mit dem eindeutigen Bürgerentscheid, sagte Fiek, sei für ihn trotz aller Bedenken im Vorfeld klar gewesen, dass nun „alle Kraft für das Stadion“ aufzubringen sei. Klingt gut, aber so wie Fiek denken nach wie vor nicht alle Gemeinderäte – und die sich betroffen fühlenden Bürger im nahen Umfeld des Neubaus schon gleich gar nicht.

Wolfswinkel im Januar 2015

Im Januar 2015 marschierte ich mit dem Kollegen Dirk Salzmann kurz vor dem Bürgerentscheid durch den Wolfswinkel im Mooswald. Wir klingelten an Türen und wurden oft in die gute Stube gebeten, wo wir uns die Argumente der Stadiongegner anhörten. Unsere letzte Frage lautete: Was machen Sie, wenn der Bürgerentscheid zu Gunsten des Stadionneubaus ausfällt? Und die Antwort war immer die gleiche: „Dann klagen wir bis zum Schluss.“

Der heilige Sankt Florian

So geht Demokratieverständnis oft in Deutschland. Man kennt dieses Verhalten als St.-Florians-Prinzip: Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and‘re an!“ Im Englischen nennt es sich Nimby (not in my backyard – nicht in meinem Hinterhof) und meint dasselbe. Auf den Wolfswinkel im Mooswald bezogen: Baut ruhig ein neues Stadion, aber doch bitte nicht in meiner Nähe. Vermutlich haben am Mittwochnachmittag die Kläger einen Jubelschrei ausgestoßen. Sollten sie auch ein Gläschen Sekt auf den Erfolg vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim getrunken haben, dürfte ihnen der nur wenig später sauer aufgestoßen sein. Ratzfatz hatten Bau-Experten bei der Stadt und dem Regierungspräsidium Freiburg in dem 44-seitigen Schreiben des VGH einen Fehler entdeckt, der den Richtern in Mannheim die Schamesröte ins Gesicht treiben muss. Hatten die Herren doch eine veraltete Sportanlagenlärmschutzverordnung zu Rate gezogen und ihren Beschluss prompt mit falschen Lärmgrenzwerten begründet. Die Rüge durch das Regierungspräsidium war verbunden mit der Forderung nach Änderung des Beschlusses – was sollen die Mannheimer Richter anderes machen? Zumal nach den richtigen Lärmschutzwerte keine Beeinträchtigung der Lebensqualität eintreten wird.

Der weitsichtige Herr Haag

Es war einst der Freiburger Baubürgermeister Martin Haag, der juristische Auseinandersetzungen prognostizierte. Er sagte aber auch, die Stadt sei dafür gut gerüstet, und er hatte damit Recht. Bleibt zu hoffen, dass Haag auch mit einer anderen, früheren Einschätzung des Projekts richtig liegt. „Ich hoffe und gehe davon aus, dass die Befriedung, die wir jetzt nicht erreicht haben, eintritt, wenn das Stadion erst mal steht.“ Das soll im Sommer 2020 der Fall sein. Nach wie vor.