Schon bei der letzten Lektion klatschte das begeisterte Publikum im Takt mit. Sogar die niederländischen Pferdesportfreunde feierten Isabell Werth, die ihre Siegesserie bei der Europameisterschaft in Rotterdam eindrucksvoll fortsetzte. Die 50 Jahre alte Dressurreiterin aus Rheinberg gewann am Samstag auch die Kür und sicherte sich damit das dritte Gold nach den Erfolgen mit der Mannschaft und im Grand Prix Spezial. Es war der insgesamt 20. EM-Titel ihrer beispiellosen Karriere.

„Das war ganz, ganz toll“, schwärmte Bundestrainerin Monica Theodorescu. Zumal sie vor den Augen der ehemalige niederländischen Königin Beatrix eine Art von deutscher Meisterschaft mit europäischen Gästen sah. Werth gewann mit ihrer Stute Bella Rose mit 90,875 Prozent vor Dorothee Schneider aus Framersheim mit Showtime (90,561) und Jessica von Bredow-Werndl aus Tuntenhausen mit Dalera (89,107).

„Und dann noch alle mit persönlichen Bestmarken“, kommentierte die Bundestrainerin: „Das ist unglaublich.“. Klaus Roeser, der Equipe-Chef der deutschen Dressur, schwärmte: „Das ist Gänsehaut pur. Das ist unfassbar, alle drei waren auf den Punkt konzentriert.“

Die Siegerin war wieder einmal Werth, allerdings nur mit einem hauchdünnen Vorsprung. „Das ist immer wieder ein besonderes Erlebnis mit diesem Pferd“, schwärmte Werth: „Das war eine tolle Woche hier, einfach fantastisch.“ Aber auch Schneider war mit Silber sehr glücklich. „Ich habe es einfach genossen“, sagte die 50-Jährige.

Ihre beste Vorstellung zeigte Jessica von Bredow-Werndl bei ihrem letzten EM-Ritt. Die 33-Jährige ritt mit Dalera eine hervorragende Kür. „Ich bin extrem versöhnt“, schwärmte die Reiterin: „Ich bin sehr glücklich nach diesem turbulenten Start mit meiner ersten Einzelmedaille.“

Sönke Rothenberger aus Bad Homburg durfte nicht reiten, obwohl er mit Cosmo als Sechster des Grand Prix Spezial die sportliche Qualifikation geschafft hatte. Pro Nation dürfen aber nur drei Paare in der Kür starten.

Auf weiteres Edelmetall setzt Bundestrainer Otto Becker beim abschließenden Einzelfinale der Springreiter am Sonntag (13.00 Uhr). „Da geht noch was“, sagte der Coach nach dem Team-Silber und vor den zwei weiteren Einzelrunden am letzten EM-Tag.

Allerdings müssen die deutschen Springreiter auf Fehler der Konkurrenz hoffen und selber fehlerfrei bleiben. Daniel Deußer ist mit Tobago Siebter, Simone Blum mit Alice Achte. Es führt der Brite Ben Maher vor dem Belgier Jos Verlooy und dem Schweizer Martin Fuchs.

Christian Ahlmann verzichtet auf einen Start im Einzelfinale. Sein zehnjähriges Pferd Clintrexo soll geschont werden. „In der Zukunft wartet noch einiges auf uns“, erklärte Ahlmann den Verzicht. Als 14. der Einzelwertung hätte der Reiter aus Marl nur noch eine sehr geringe Chance auf eine Medaille gehabt. Marcus Ehning aus Borken, der nun von Platz 15 auf 14 vorgerückt ist, reitet am Sonntag dennoch mit Comme Il Faut.