Herr Feichtenbeiner, wir nehmen mal an, dass Sie als ehemaliger Pfullendorfer Trainer keinen Routenplaner benötigen, um die Spielorte beim Vier-Nationen-Turnier zu finden?

Bestimmt nicht. Ich freue mich immer, wenn ich nach Südbaden zurückkehren kann. Von meiner Zeit beim SC Pfullendorf sind ein paar Kontakte übrig geblieben, sodass ich ab und zu die Bodenseeregion besuche.

Sie waren von 1998 bis 1999 Trainer beim damaligen Regionalligisten SC Pfullendorf, später noch mal von 2006 bis 2008. Dazwischen haben Sie einen Club in Malaysia trainiert und vor 90 000 Zuschauern gespielt. Krasser könnten die Gegensätze wohl kaum sein.

In der Tat. Die Zeit in Pfullendorf war aber toll, vor allem mein erstes Engagement. Man konnte in Ruhe arbeiten, etwas bewegen – ohne die riesige Erwartungshaltung wie bei meinen Stationen in der 2. Bundesliga. Malaysia und später, 2010, Indonesien – das waren Abenteuer, krasse Erfahrungen, die ich aber ebenso nicht missen möchte und die meinem Naturell sehr entgegen kamen. Ich habe Geographie studiert und bin sehr interessiert an fremden Kulturen.

Da passt es ja, dass Sie als Schwabe in Cottbus Sportdirektor wurden...

(lacht) Ja, auch innerhalb Deutschlands gibt es riesige Unterschiede, von Bundesland zu Bundesland völlig unterschiedliche Charaktere. Was mein Engagement bei Energie Cottbus anbelangt, war das allerdings nicht meine schönste Erfahrung. Zwischenmenschlich hat es da nicht so gut gepasst, wenn ich ehrlich bin.

2015 haben Sie dem Vereinsfußball den Rücken gekehrt. Wie gefällt es Ihnen beim DFB?

Für mich ist es ein Traum. Ich kann mit jungen Menschen auf hohem Niveau arbeiten, was immer mein Ziel war, und dies bei perfekten Rahmenbedingungen. Zudem brauche ich auch in meinem gesetzten Alter nicht mehr jedes Wochenende den Wettbewerb. Kurz gesagt: Für mich gibt es keinen besseren Job. Wenn der DFB mitmacht, bleibe ich gerne bis zur Rente hier.

Nach dem Desaster der DFB-Elf in Russland war die Verunsicherung groß. Muss man sich Sorgen machen um die Zukunft des deutschen Fußballs?

Jogi Löw hat zehn Jahre lang die deutsche Mannschaft konstant auf einem hohen Niveau gehalten. Er hat bei jedem Turnier mindestens das Halbfinale erreicht. Das haben weder die Franzosen noch die Spanier geschafft. Irgendwann musste diese Serie aber enden, das ist ganz natürlich. Wir müssen jedoch keine Angst haben: Im deutschen Nachwuchsbereich gibt es sehr viele Talente, die gut ausgebildet werden. Es wird allerdings immer schwieriger, auf diesem Top-Niveau zu bleiben. Gerade im U-17-Bereich haben andere Nationen, ob aus Südeuropa oder den Balkanstaaten, Vorteile, weil ihre Spieler physisch weiter sind.

Werden wir einen Ihrer Spieler in viereinhalb Jahren bei der WM in Katar spielen sehen?

Ich hoffe doch, dass da einer dabei sein wird. Ach, was soll’s: Zwei oder drei will ich da sehen. Das ist schließlich unser Ansporn: Den Jungs individuelle Klasse mitzugeben, dass sie den Sprung nach ganz oben schaffen können.

Sie haben viele Spieler mit Migrationshintergrund im Kader. War die Integrationsdebatte um Mesut Özil ein Thema in Ihrem Team?

Das ist schon ein Thema. Mangelnde Integration ist aber kein Problem bei uns. Die Nationalmannschaft, auch im Jugendbereich, ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der viele Menschen Migrationshintergrund haben. Die Jungs sind jedoch in Deutschland aufgewachsen und hier fest verwurzelt.

Was erwarten Sie von den Testspielen beim Turnier in Südbaden?

Die Niederländer wurden mit dem 2001er-Jahrgang Europameister, Italien wurde Zweiter – bessere Gegner gibt’s wohl kaum. Und gegen Israel haben wir noch nie gespielt, auf diese neue Erfahrung freue ich mich ebenso. Das werden Testspiele auf ganz hohem Niveau.

Fragen: Markus Waibel

Freitag, 7. September, Konstanzer Bodenseestadion: Israel – Italien (11 Uhr), Deutschland – Niederlande (16 Uhr).

Sonntag, 9. September, Singener Hohentwielstadion: Deutschland – Israel (11 Uhr), Italien – Niederlande (16 Uhr).

Dienstag, 11. September, Tiengener Langensteinstadion: Niederlande – Israel (10 Uhr), Deutschland – Italien (14 Uhr).