Nicht so richtig kritisieren wollte Audi-Chef und Bayern-Aufsichtsratsmitglied Rupert Stadler 2014 den damaligen FCB-Präsidenten Uli Hoeneß, als der mitten in seiner Steueraffäre steckte. Doch, und das wurde damals als kleine Distanzierung interpretiert, Stadler ließ zur Strafsache Hoeneß wissen: „Audi ist der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden kann, wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden.“ Mittlerweile sitzt Stadler selbst in Untersuchungshaft. Und die Maßgabe, dass man Regeln immer befolgen sollte, hat mittlerweile eine ganze Handvoll Bayern-Funktionäre gebrochen.

Vorstandschef Karl-Heinz-Rummenigge, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, Aufsichtsratmitglied und Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, Präsident Hoeneß, Stadler: Sie alle gerieten in den vergangenen fünf Jahren ins Visier staatlicher Ermittlungsbehörden und sind es teilweise weiterhin.

Wie man diese juristischen Probleme mit dem Amt beim FC Bayern in Einklang bringt, hat Uli Hoeneß vorgemacht. Der trat zwar nach seiner Verurteilung von allen Bayern-Ämtern zurück, verabschiedete sich in den Knast aber mit einem trotzigen „das war’s noch nicht!“ Nach seiner Rückkehr wurde er unter großem Jubel einfach erneut zum Bayern-Präsidenten gewählt. Karl-Heinz Rumennige überstand seine Uhren-Affäre gleich völlig unbeschadet. Und Martin Winterkorn, gegen den in den USA ein Haftbefehl vorliegt, jubelte zuletzt Anfang Juni gemeinsam mit Hoeneß den Bayern-Basketballern zu. Sein Mandat läuft bis Ende des Jahres, das er das Gremium zuvor verlassen soll, zeichnet sich nicht ab. Im Gegenteil, als Winterkorn sich erstmals den Vorwürfen in der Dieselaffäre ausgesetzt sah, schlug sich Hoeneß gleich auf seine Seite: „Martin Winterkorn ist ein toller Mensch und für mich ein persönlicher Freund. Wir arbeiten beim FC Bayern sehr gut mit ihm zusammen, sein Rat ist uns wichtig“, sagte der Bayern-Präsident Mitte 2017 in einem Interview.

Rupert Stadlers Stuhl als stellvertretender Aufsichtsratschef beim Rekordmeister wackelt derweil. „Über die Besetzung des Aufsichtsratsmandats durch einen Vertreter der Audi AG wird in Abstimmung mit den Organen der FC Bayern München AG zu gegebener Zeit entschieden“, heißt es dazu kryptisch vom Autobauer. Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Initiative zur Abberufung müsste vom FCB ausgehen. Dies sei noch nicht erfolgt. Aus praktischen Gründen könnte es auf einen Rückzug hinauslaufen: Da Stadler in U-Haft sitzt, kann er seine Aufgaben im Gremium nicht wahrnehmen.