Der 1. FC Rielasingen-Arlen verlor sein DFB-Pokalspiel in Freiburg gegen Borussia Dortmund mit 0:4, aber überall gab es nur glückliche Menschen. Die Spieler wurden von Gänsehaut heimgesucht, als sie ins Schwarzwaldstadion einmarschierten, das mit 22 5000 Zuschauern proppevoll war. Auf den Tribünen fieberten Familien und Freunde der Verbandsligakicker mit und schossen Tausende Fotos – Aufnahmen für die Ewigkeit, denn diese Partie gegen den Titelverteidiger war für die Südbadener und ihren Anhang das Spiel des Lebens. So ein Tag, so wunderschön wie heute...

Bald nicht mehr? Wenn die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) angestrebte Reform des DFB-Pokals ab der Saison 2019/20 Realität werden sollte, dürfte es für einen Sechstligisten wie den 1. FC Rielasingen-Arlen künftig kaum mehr möglich sein, auch nur in die Nähe eines Traumloses zu kommen. Denn dieser Plan sieht eine Aufstockung auf 182 Teams und zwei zusätzliche Runden vor.

Die Amateure würden sich also erst mal selbst erledigen, einen Bundesligagegner könnten in der 2. Runde allenfalls elf Vereine erhalten – die Topclubs wären nicht dabei, weil die Starter in der Champions und Europa League erst im September in der 1. Hauptrunde einsteigen sollen. Warum, hat Ligapräsident Reinhard Rauball so begründet: „Die Profis brauchen mehr Zeit, vielleicht auch, um im Sommer auf Auslandsreisen mehr Werbung für den deutschen Fußball zu machen.“

Als ob eine Asientour von Borussia Dortmund, dem Club, dem Rauball auch als Präsident vorsteht, einen Nutzen für Amateurvereine hätte. Auch wieder so eine hochnäsige Ansicht, die das Reizklima im Fußballlande weiter verschärft.

Die Amateure sind gegen den Plan. Aber nicht nur sie. In Christian Streich haben sie einen kompetenten Fürsprecher aus dem Profibereich. Der Trainer des SC Freiburg lobte nach dem 2:1-Sieg beim Viertligisten VfB Germania Halberstadt „die besondere Atmosphäre“, für die 5037 Zuschauer sorgten. Das angedachte spätere Einsteigen der Bundesligisten lehnt Streich ab: „Genau so ist es gut. Das riecht so richtig nach Fußball noch.“

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vertritt bisher durch seinen Präsidenten Reinhard Grindel die Meinung, man dürfe „diese Feiertage der Einheit des deutschen Fußballs nicht gefährden“. Noch, denn immerhin haben Grindel und sein DFB ja auch schon dafür gesorgt, dass die Clubs aus der 1., 2. und 3. Liga in der 1. Runde des Pokals 159 000 Euro Gage erhalten und die Amateure nur 115 000. Warum eigentlich?