Es gibt keinen sportlichen Wettstreit ohne Druck. Schon gar nicht im Profifußball, bei dem es nicht nur um das eigene Ego geht, sondern um das Befinden von Tausenden Fans, um viel Geld und damit auch um Arbeitsplätze. Natürlich versagen da manchem die Nerven, natürlich fühlt man sich damit oftmals nicht wohl. Genaugenommen ist das Scheitern sogar ein Teil des Systems, denn der Fußball lebt selbstverständlich davon, dass Spieler Fehler machen. Schalkes Aufholjagd im Derby beim BVB, als aus einem 0:4-Rückstand noch ein 4:4 wurde, wäre ohne das Zutun der Dortmunder nicht möglich gewesen. Da lagen selbstverständlich Nerven blank, da gab es deftige Worte und schlaflose Nächte im Anschluss. Wer damit nicht umgehen kan, wird es schwer haben im Profifußball.

Das ist alles nicht neu, der postive Effekt von Mertesackers Abrechnung mit dem System liegt daher auch eher darin, zu sensibilisieren, die Problematik wieder ins Bewusstsein zu rufen, damit Hilfe angeboten wird, wo sie notwendig und möglich ist. Vor allem aber gilt es, klare Grenzen aufzuzeigen. An diesem Wochenende etwa brachten Chaoten in Hamburg vor dem Stadion ein Plakat an, worauf geschrieben stand: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen euch alle!“ Dazu wurden Grabkreuze gestellt. Da darf man Angst bekommen. Zumal es nicht die erste Aktion dieser Art ist, seitdem der HSV in Richtung 2. Bundesliga taumelt. Als ob der Druck nicht schon groß genug wäre. Wer kann da noch locker Fußball spielen?

Richtig, niemand.