In der vergangenen Saison gewann die Eintracht den DFB-Pokal und spielte sich nach Europa. Dann gingen der Erfolgstrainer und einige Stützen der Mannschaft. Mit dem von den Young Boys Bern aus der Schweiz verpflichteten österreichischen Trainer Adi Hütter und etlicher Verpflichtungen ohne große Namen bleibt die Eintracht das, was sie auch letzte Saison war – eine Wundertüte.

  • Was bedeutet der Abgang von Trainer Niko Kovac für die Eintracht? Der Abgang hat Spieler und Verein hart getroffen. Dass ein so erfolgreicher Trainer wie Kovac die Eintracht irgendwann verlassen würde, war für alle Beteiligten abzusehen. Die Art und Weise allerdings, wie Kovac seinen Abgang zu den Bayern kommuniziert hat, war mehr als unglücklich und kam vor allem bei der Frankfurter Fanszene nicht gut an. Spieler wie Kevin-Prince Boateng, Lukas Hradecky und Marius Wolf haben sich Kovac angeschlossen und sind gegangen. Verständlich, dass bei vielen Fans die Angst umgeht, die Eintracht würde auseinanderbrechen. Erfreulich ist aber, dass beispielsweise Carlos Salcedo trotz lukrativer Angebote die Hessen nicht verlassen wird. Bei Ante Rebic ist noch abzuwarten, ob der kroatische Bulle seinem Mentor nach München folgen wird oder ob er das neue Aushängeschild der Frankfurter werden möchte. Für die Eintracht wäre das gut.
  • Wie kann die Eintracht den Abgang des Fußballgottes verkraften? Nein, gemeint sind nicht Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf oder Lukas Hradecky. Der Fußballgott ist Alex Meier! Der 1,96 m Hüne musste nach 13 Jahren die Frankfurter Eintracht verlassen. Meier hat sich seinen Legendenstatus über die Jahre hart erarbeitet. Neben seinen Toren schätzen die Frankfurter seine Art – ruhig und loyal. Meier wäre gerne noch geblieben, muss aber seinem Alter und vor allem seinem Körper Tribut zollen. Umso schöner bleibt sein letztes Spiel in Erinnerung. 33. Spieltag – SGE – HSV – noch drei Minuten Spielzeit – ein Ballkontakt – Tor – 51 500 Zuschauer mit Tränen in den Augen.
  • Sollte der Trainer Adi Hütter einen Englischkurs besuchen? Besser wäre es. Frankfurt bleibt seiner Line aus den vergangenen Jahren treu und investiert fast ausschließlich in Spieler aus dem Ausland. Mit Marc Stendera, um nur einen zu nennen, soll ein weiteres Eigengewächs die Hessen verlassen. Letztes Jahr ging der Plan von Bobic und Co. mehr als auf, ob es diese Saison wieder der Fall sein wird, ist allerdings die große Frage.
  • Bekommt Frankfurt eine Lizenz für diese Saison? Die Frage ist nur am Rande ein Scherz. Die Deutsche Fußball Liga fordert nämlich, dass bei jedem Bundesligisten mindestens zwölf Lizenzspieler mit deutschem Pass unter Vertrag stehen müssen. Bei Eintracht Frankfurt ist das aktuell nicht der Fall, nur elf Spieler mit deutschem Pass stehen im Kader, von ihnen sollen Blum, Stendera und Besuschkow noch abgegeben werden. Allerdings könnten die Frankfurter den Kader formell mit Nachwuchsspielern füllen und Junioren mit Profiverträgen ausstatten. Finanziell hat die Eintracht keine Probleme. Mit dem Gewinn des DFB-Pokals und der Teilnahme an der Europa League in diesem Jahr geht es den Frankfurtern finanziell sehr gut. Für Abgänge wie Marius Wolf, Omar Mascarell, Boateng oder Lukas Hradecky hätte man sich sicherlich mehr Geld erhofft, allerdings konnte die Eintracht auch Spieler wie Ante Rebic und Carlos Salcedo für schmales Geld binden. Fakt ist: Die Eintracht bleibt eine internationale Truppe. Nicolai Müller und Marco Russ sind die einzigen deutschen Spieler, die eine wirkliche Chance haben, in der Startelf zu landen.
  • Wie zufrieden können Hütter und sein Team mit der Vorbereitung sein? Positiv ist, dass die gesamte Abwehr der Frankfurter aus der letzten Saison erhalten bleibt. Was neues Personal betrifft, bleibt die Eintracht ihrer Linie aus den letzten Jahren treu und verpflichtete neben Nicolai Müller etliche Spieler, die in Deutschland zuvor kaum jemand gehört, geschweige denn spielen gesehen hat. Fußballerisch sah die Performance der alten und neuen Spieler in den bisherigen Testspielen zwar noch ausbaufähig aus – fast alle Testspiele gingen verloren –, allerdings ließen alle Neuzugänge mitunter ihre Klasse aufblitzen.
  • Zugänge: Allan (FC Liverpool/Leihe); Geraldes (Sporting Lissabon/Leihe); Rønnow (Brøndby IF/2,8 Millionen Euro); Wiedwald (Leeds United); Paciência (FC Porto/3 Millionen Euro); Torro (CA Osasuna/1,75 Millionen Euro); Müller (Hamburger SV/ablösefrei); N’Dicka (AJ Auxerre/400 000 Euro).
  • Abgänge: Meier (Vereinslos); Barkok (Fortuna Düsseldorf/Leihe); Boateng (Sassuolo Calcio/ablösefrei); Hradecky (Bayer 04 Leverkusen/ablösefrei); Besuschkow (Union Saint-Gilloise/Leihe); Wolf (Borussia Dortmund/5 Millionen Euro); Mascarell (Real Madrid/4 Millionen Euro); Bätge (Würzburger Kickers/ablösefrei)