Die Fans wollen Spektakel, die Tour de France liefert es. Nach einem packenden Kampf in dem bis zu 24 Prozent steilen Schlussanstieg nach La Planche des Belles Filles siegt der Belgier Dylan Teuns aus einer Fluchtgruppe heraus vor seinem letzten Begleiter Giulio Ciccone, der damit um sechs Sekunden das Gelbe Trikot von dem Franzosen Julian Alaphilippe übernimmt.

Emanuel Buchmann auf Rang acht

Dahinter wanken alle Favoriten mit Miniabständen in das derart steile Ziel, dass sie hinter der Linie von Helfern weggeschoben werden müssen. Mit dabei auch Emanuel Buchmann als Achter, der sich nach der ersten bestandenen Härteprobe selbstbewusst zeigt. „Ich habe damit gerechnet mithalten zu können“, sagt der Ravensburger, der nun Zwölfter im Gesamtklassement ist.

160 Kilometer quer durch die Vogesen

Die Protagonisten des Tages tragen dunkle Sonnenbrillen, obwohl der Himmel bedeckt ist. Die Männer schauen ernst, drücken das Kinn entschlossen nach vorn, es riecht nach reichlich Testosteron. Jetzt geht es also richtig los mit der Tour. 160 Kilometer quer durch die Vogesen, gespickt mit sieben Bergwertungen, drei davon in der ersten Kategorie und der Schlussanstieg nach La Planches des Belles Filles weist bis zu 24 Prozent Steigung auf.

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Es wird also der Tag werden, an dem das Klassement erstmals richtig bereinigt wird. Entsprechend cool geben sich die Favoriten – nur ja nichts anmerken lassen. Und dann macht ja auch noch eine Geschichte die Runde. Der Anstieg nach La Planche des Belles Filles ist erst zum vierten Mal im Programm, atmet aber schon eine kleine Tradition. Bei den ersten drei Malen erreichte der Fahrer, der hier in den Vogesen das Gelbe Trikot eroberte, auch als Gesamtsieger Paris. 2012 war das Bradley Wiggins, der Chris Froome aus dem Trikot fuhr, 2014 trug Vincenzo Nibali das Trikot und 2017 verdrängte Chris Froome seinen Kollegen Geraint Thomas von der Spitze. Diese Tradition endet wohl jetzt. Giulio Ciccone wird nur schwer die Tour gewinnen.

Fluchtgruppe kurz nach dem Start

Natürlich geht kurz nach dem Start zuerst eine Fluchtgruppe und ebenso natürlich ohne die Stars, die in zwei Wochen ganz nach oben auf das Podium wollen. Bei den Ausreißern ist auch Andre Greipel. Für den Sprinter ist so ein Tag nichts weiter als eine Schinderei. Der 36-jährige elffache Etappensieger hat nicht mehr die Form früherer Jahre, sucht deshalb sein Heil in der Flucht, um kein Problem mit dem Zeitlimit zu bekommen. Teilweise liegt er knapp über acht Minuten vor den Favoriten, wird 31 Kilometer vor dem Ziel aber eingeholt und landet auf Platz 140.

Für den Kampf an der Spitze ist das nur eine Randnotiz. Erst etwa 50 Kilometer vor dem Ziel, am Anstieg zum Ballon d‘Alsace drücken die Mannschaften der Favoriten mehr aufs Tempo. Jetzt schmilzt der Vorsprung der Ausreißer. Der Belgiers Thomas de Gendt setzt kurz vor dem Col de Croix eine Attacke, war zeitweise 30 Sekunden weg und bleibt dann am Col des Chevres im 18 Prozent steilen Gelände fast stehen.

Finale beginnt sieben Kilometer vor dem Ziel

Vier Mann aus der ehemaligen großen Spitzengruppe vorneweg, 700 Meter dahinter das klein gewordene Feld mit allen Favoriten. Der Spanier Mikel Landa wagt 2,6 Kilometer vor dem Ziel eine Attacke, später auch Alaphilippe im Gelben Trikot. Sie werden wieder gestellt, die Favoriten geben sich keine Blöße. Mit Ausnahme von Romain Bardet und Vincenzo Nibali. Die große Hoffnung der Franzosen und der Sieger von 2014 aus Italien verloren anderthalb Minuten.