Als der VfB Stuttgart 2016 den bitteren Gang in die 2. Fußball-Bundesliga antreten musste, schien dies nicht mehr als ein Betriebsunfall zu sein. Zumal im Jahr darauf gleich der Wiederaufstieg gelang und auch eine erneute Krise gemeistert wurde, als Hannes Wolf für Tayfun Korkut weichen musste. Im Anschluss spielten die Schwaben eine famose Rückrunde – prompt wurde am Neckar wieder von glanzvolleren Zeiten geträumt. Immerhin waren die Schwaben einst ständiger Vertreter in den Europapokalwettbewerben.

Ob es der VfB jemals wieder in solch ein sportliches Feld schaffen wird, ist ungewiss. Aktuell droht vielmehr der zweite Bundesliga-Abstieg in drei Jahren, weshalb Korkut-Nachfolger Markus Weinzierl nach dem katastrophalen 0:6 in Augsburg gehen musste.

Welche Schuld der Trainer an der sportlichen Misere trägt, ist zweitrangig. Noch vier Spieltage stehen an, in denen zumindest der direkte Abstieg verhindert werden soll. Da bleiben nicht viel mehr Möglichkeiten als ein Trainerwechsel.

Seit dem letzten Titelgewinn des VfB Stuttgart 2007 haben sich somit 16 verschiedene Übungsleiter mit der launischen Diva aus Bad Cannstatt abgemüht – außerdem vier Präsidenten und sechs sportliche Leiter. Wer im Rückblick die Gründe der Misere sucht, wird hier leicht fündig. Es ist aber mehr als die fehlende Kontinuität, die sich jetzt zeigt. Zwar verfügt der VfB über finanzielle Mittel, zwar gibt es durchaus junge Spieler mit Potenzial, aber nach dem Höhenflug unter Korkut wurden im Sommer durchschnittliche Spieler mit langen und gutbezahlten Verträgen ausgestattet, dazu kamen Profis wie Gomez oder Beck, deren Karrieren auslaufen. Im Vorstand soll es zudem gekracht haben, zumindest gab es Zerwürfnisse mit VfB-Legenden wie Guido Buchwald und Kritik von Ex-Profis. Dass diese Gemengelage ein enormes Risiko birgt, war absehbar.

Geholfen ist mit solchen Analysen zum jetzigen Zeitpunkt freilich nicht. Vier Spiele stehen noch an, vielleicht sechs – wenn zumindest die Relegation erreicht wird. Spätestens dann müssen die Aufräumarbeiten beginnen.