Benedikt Doll greift zum Messer. Ganz selbstverständlich. Nur eine kurze Rückfrage, was er denn schneiden solle, schon geht es los und dem Gemüse an den Kragen. Der Biathlet der SZ Breitnau steht in der Küche seines Vaters Charly im heimischen Hotel. Vater und Sohn haben ein Kochbuch herausgebracht, mit Rezepten, aber auch Fitnesstipps und Ausflugsmöglichkeiten im Schwarzwald. Es war ein Wunsch der Beiden, seit wenigen Wochen ist er Realität. Sie sind stolz auf ihr Werk.

Es kommt nur selten vor, dass beide tatsächlich zusammen in der Küche stehen. Dafür ist der Kalender des Weltklasse-Biathleten einfach zu voll gepackt. Am 30. November startet die Weltcup-Saison in Pokljuka, Höhepunkt werden die Weltmeisterschaften vom 7. bis 17. März in Östersund in Schweden sein. Eines der Großereignisse, bei denen Doll zuletzt immer topfit war. Bei Olympia in Pyeongchang holte er zwei Bronzemedaillen.

Ortstermin: v.li. SÜDKURIER-Redakteur Marco Scheinhof mit Biathlet Benedikt Doll beim Interview.
Ortstermin: v.li. SÜDKURIER-Redakteur Marco Scheinhof mit Biathlet Benedikt Doll beim Interview. | Bild: Joachim Hahne

An sich allerdings war er mit seiner vergangenen Saison nicht zufrieden. Gerne wäre der 28-Jährige im Weltcup häufiger auf dem Podest gestanden. Seine Leistung in der Loipe lässt das zu, das Schießen aber bereitet ihm immer mal wieder Probleme. Konstanter muss Doll hier werden, um dauerhaft an der Spitze mitkämpfen zu können. Einen Platz unter den besten Sechs peilt er im kommenden Weltcup in der Gesamtwertung an. Und bei der WM in Östersund soll es wieder mindestens eine Medaille werden. Ehrgeizige Ziele, das weiß Doll. Er sagt aber: „Alles andere wäre falsche Bescheidenheit.“ Schließlich weiß er, wie sich die ganz großen Erfolge anfühlen. Bei der WM in Hochfilzen 2017 holte er sich im Sprint Gold – damit hatte kaum einer gerechnet. Solche Erfolge lassen natürlich die Ansprüche steigen.

Die Vorbereitung läuft gut für Doll. Er ist zufrieden. Er gehört zu den besten Läufern, muss aber dennoch erleben, dass es immer wieder Schnellere gibt. Vor allem Johannes Thingnes Bö. Der Norweger ist in der Loipe kaum aufzuhalten. Das kann frustrieren. Doll sagt: „Es gibt für einen Sportler nichts Schlimmeres, als seine beste Leistung zu zeigen und trotzdem nicht zu gewinnen. Wenn du patzt, weißt du wenigsten, woran es gelegen hat.“ Ähnlich wie in der Küche: Wenn man zu viel Salz nimmt, weiß man wenigstens, warum es nicht schmeckt.

Germany's Benedikt Doll reacts after missing shots at the shooting range in the men's 4x7,5km biathlon event during the Pyeongchang 2018 Winter Olympic Games on February 23, 2018, in Pyeongchang. / AFP PHOTO / Jonathan NACKSTRAND
Bild: JONATHAN NACKSTRAND

Doll ist im deutschen Biathlon-Team bekannt und beliebt dafür, dass er bei ReisenLinzer- und Nusstorten mit ins Hotel bringt. Früher hat die seine Oma gebacken, die ist allerdings in diesem Jahr verstorben. Nun hat Freundin Miriam das Backen übernommen. Es ist zur Tradition geworden, dass die deutschen Biathleten sich nachmittags vor dem Training zu Kaffee und Kuchen treffen. Essen aus der Heimat – das hilft oft. Mittlerweile haben die Biathleten auch immer häufiger eigene Köche dabei. Gerade in Skandinavien sei das wichtig, erzählt Doll. Mit dem Essen dort kann sich der Schwarzwälder auf Dauer nicht anfreunden.

Die Biathleten sind neben den Alpinen die Stars des Wintersports. Sie erhalten viel Sendezeit, die TV-Zuschauer lieben den Mix aus Langlauf und Schießen. „Wir können uns sicher nicht beschweren“, sagt Doll. Wenngleich auch die Biathleten natürlich weit weg sind von den Bedingungen, die zum Beispiel Profifußballer haben. Neid aber gibt es nicht. Oder kaum. Auf das komfortable Reisen mit Flugzeug ist Doll dann doch ein bisschen neidisch. Er muss mit seiner großen Ausrüstung inklusive Skier und Gewehr oft im Auto sitzen. Weil viele Veranstaltungen an Orten stattfinden, die mit Flugzeug oder Bahn nur schwer zu erreichen sind.

18.02.2018, Südkorea, Pyeongchang: Olympia, Biathlon, Massenstart, Herren , Alpensia Biathlon Zentrum: Benedikt Doll aus Deutschland beim Einschießen. Foto: Daniel Karmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bild: DANIEL KARMANN

Die nächsten Olympischen Spiele 2022 in Peking sind Dolls Fernziel. Vielleicht noch ein Jahr später die Heim-WM in Oberhof. Dann könnte Schluss sein. Was folgt? Eine Übernahme des Hotels von den Eltern? Eher nicht. Auch wenn ihm Kochen gefällt, will Benedikt Doll irgendwann eher eine Karriere in einem technischen Beruf einschlagen. Er studiert derzeit Marketing und Vertrieb. Und ab und zu kocht er. Am liebsten natürlich mit seinem Vater.