Immerhin das. Da verliert der VfB Stuttgart zwar mit 0:4 gegen Borussia Dortmund, verlässt aber dennoch den vor diesem Spieltag eingenommen letzten Tabellenplatz. Gut, das hat jetzt weniger mit der eigenen Fußballkunst zu tun als mit der Düsseldorfer Gefälligkeit, in Frankfurt mit 1:7 zu verlieren. Der VfB ist also mittlerweile Vorletzter, was aber nur die allergrößten Optimisten als einen Aufschwung unter dem neuen Trainer werten sollten. Markus Weinzierl jedenfalls war nach dem Spiel nicht in der Laune, viel reden zu wollen. Kein Wunder, war nach drei Minuten durch den frühen Rückstand doch sein erdachter Plan zunichte gemacht.

Viele Chancen, aber kein Tor

Immerhin das. Die Anfangsphase der zweiten Halbzeit ist so, wie es sich die Mehrzahl der 58 549 Zuschauer öfter von ihrem VfB wünscht. Da ist Spielfreude zu sehen und der Wille, auch einmal den gegnerischen Torwart in Bedrängnis zu bringen. Unter Weinzierl-Vorgänger Tayfun Korkut war das so häufig der Fall, wie eine Erwähnung von Recep Tayyip Erdogan als größter Menschenfreund. Korkut mochte defensive Stabilität und tat sich mit Ideen für eine offensive Spielweise schwer. Michael Reschke, der Sportvorstand des VfB, sagt jedenfalls am Samstagnachmittag: „Wir hatten mehr Chancen als in jedem anderen Spiel in dieser Saison, da war mehr Mut drin.“ Immerhin das. Eine echte Chance aber hatten die Stuttgarter zu keiner Phase.

Umstellung auf Dreierkette

Immerhin das. Markus Weinzierl ändert nach der Pause seine Taktik. Eine Dreierabwehrreihe erscheint ihm sinnvoller, was sich letztlich als wahr herausstellt. Plötzlich bekommen die in der ersten Halbzeit beinahe ungestört Fußball spielenden Dortmunder Probleme. Zu einem Tor für Stuttgart reicht es zwar nicht, weil zum einen Christian Getner aus drei Metern in den Stuttgarter Himmel schießt und zum anderen BVB-Torwart Roman Bürki einen fehlerfreien Nachmittag erwischt. Klar ist auch Reschke, dass selbst ein Anschlusstreffer nicht dazu geführt hätte, den verdienten Sieg der Dortmunder noch zu gefährden. Er sagt aber: „So ein Tor hätte das Publikum verdient gehabt und wäre für uns gut gewesen, um vernünftig aus dem Spiel rauszukommen.“ So aber folgt auch in der zweiten Halbzeit noch ein Treffer der Borussen. Nach Jadon Sancho (3.), Marco Reus (23.) und Paco Alcácer (25.) legt Maximilian Philipp noch das 4:0 (85.) nach. Es ist ein Treffer ohne große Bedeutung – abgesehen von der Tatsache, dass die in der zweiten Halbzeit wackeren Schwaben damit beide Hälften verlieren. Geschenkt, werden sich die Anhänger denken.

Weinzierl überzeugt optisch

Immerhin das. Markus Weinzierl ist in der Woche vor dem Spiel gegen Dortmund zum drittschönsten Fußballtrainer gewählt worden. Hinter Pep Guardiola und Joachim Löw. Das ist für Weinzierl eine angenehme Nachricht. Optisch also weiß der gebürtige Straubinger zu gefallen. Am Samstag steht er in grüner Hose, weißem Hemd und blauem Sakko an der Seitenlinie. Er bewegt sich viel und wird schnell grantig. Kein Wunder nach dem niederschmetternden Beginn. „So wie am Anfang können wir nicht agieren“, sagt er hinterher. Das ist eine der Lehren aus seinem Auftaktspiel. Eine andere ist, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis seine Spieler sich an das neue System gewöhnen werden.

Didavi fehlt wohl noch länger

Keine gute Nachricht für Weinzierls Mission, den VfB ins gesicherte Mittelfeld zu bringen, ist der gesundheitliche Zustand von Daniel Didavi. Der Spielgestalter plagt sich mit einer Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne, ein baldiger Einsatz scheint nicht realistisch. „Es bringt mir nichts, wenn er einmal spielt und dann fällt er monatelang aus, da müssen wir schon weitsichtig agieren“, sagt Weinzierl. Also Ruhe bewahren. In Stuttgart sind sie dafür nicht gerade bekannt.