Markus Weinzierl wirkt desillusioniert. Ratlos, ideenlos. „Ich habe doch nun wirklich viel versucht“, stammelt der Trainer nach der 0:1 (0:0)-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Aber er hat wieder nichts erreicht. Im Gegenteil. Die Lage wird immer prekärer. Und vermutlich wäre Weinzierl seinen Job längst los, wenn sie bei VfB Stuttgart nicht schon andere hinausgeworfen hätten.

Anfeindungen gegen Dietrich

Auf der Tribüne schlägt der gebeutelte Präsident Wolfgang Dietrich immer wieder verzweifelt die Hände vor sein faltenreiches Gesicht. „Der Mann tut mir wirklich leid, hat so viel getan und muss sich immer wieder aufs Neue beschimpfen lassen. Unmöglich, wie der Mann angefeindet wird“, sagt Reiner Calmund im Fernsehstudio.

Pfeifkonzert nach dem Schlusspfiff

Als die Mannschaft nach der erneuten Niederlage in Richtung Fan-Kurve unterwegs ist, erhebt sich erwartungsgemäß ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert, die Spieler werden beschimpft, die Stimmung in Stuttgart ist endgültig gekippt. Sollte nicht durch einen glücklichen Zufall das nächste Spiel beim FC Augsburg gewonnen werden, wird diese erbärmlich Summe aus Michael Reschkes Fehleinkäufen auch den letzten Kredit verspielt haben.

Endspiel in Augsburg

„Wenn wir es irgendwie schaffen wollen, die Liga noch direkt zu halten, müssen wir in Augsburg unbedingt gewinnen“, sagte Torwart Ron-Robert Zieler: „Das ist ein brutal wichtiges Spiel.“ Bei einer erneuten Pleite droht eine weitere Eskalation. Passend zur desaströsen Lage die unverzeihliche Spuckattacke des unbeherrschten Argentiniers Santiago Ascacibar gegen Leverkusens Kai Havertz. Die Folge ist eine rote Karte mit Rundelbildung.

Ein Sieg aus 14 Spielen

Weinzierl, der spätestens nach Saisonende gehen muss, kann der verunsicherten Mannschaft keine Impulse geben. Nur vier Siege in 21 Ligaspielen und nur einer aus den letzten 14 Begegnungen, dafür aber 14 Niederlagen sprechen Bände. Nur noch drei Punkte beträgt der Abstand auf den 1. FC Nürnberg, der sich im Gegensatz zum VfB nochmals stabilisiert.

Ratloser Trainer

Weinzierls Augen flackern verzweifelt, als er nach Ursachen gefragt wird. Da weiß einer nicht mehr weiter, dessen Mittel offenbar nicht ausreichen, um der Mannschaft eine Richtung zu geben. „Wir haben es defensiv ganz ordentlich gemacht, aber das reicht nicht. Offensiv war das zu wenig“, sagt Weinzierl.

Keine geordneten Angriffen

Vor eigenem Publikum Mario Gomez draußen zu lassen, war mutig, aber angesichts seiner zuletzt gezeigten Leistungen auch nicht wirklich überraschend. Die Stuttgarter greifen anfangs an, aber zu ungestüm, wenig geordnet und nicht ausreichend zielgerichtet. Nach 20 Minuten löst sich Bayer aus der Defensive und übernimmt die Regie. Die Angriffe der Leverkusener sind viel durchdachter als das Anrennen des VfB, folgen einer klaren Struktur und der Regie der Nationalspieler Julian Brandt und Kai Havertz.

Ein Strafstoß entscheidet

Typisch für dieses Spiel vor erneut 53 657 Zuschauern, dass ein Strafstoß entscheidet. Gonzalo Castro („Die Niederlage geht klar auf meine Kappe“) foult überflüssig Kevin Volland und der überragende Havertz verwandelt in der 64. Minute für Bayer sicher. Nach dem Treffer spielt nur noch Leverkusen. Erik Thommy kommt zwar für die Total-Enttäuschung Daniel Didavi, macht es aber auch nicht besser. Weinzierl bringt zudem Anastasios Donis und zehn Minuten vor dem Ende Mario Gomez. Alles ohne Auswirkungen, für die auszuwechselnden Spieler gibt es nur Pfiffe.

Die Nerven liegen blank

„Kai ist ein ganz besonderer Spieler, ich war 36, als ich mit dem Fußball aufgehört habe, aber nie so cool wie Kai mit 19“, sagt Leverkusens Peter Bosz, froh, nach drei Niederlagen endlich einmal wieder gewonnen zu haben: „Wir haben das Spiel kontrolliert.“ Die Rote Karte für Ascacibar ist schon der fünfte Platzverweis für den VfB in dieser erbärmlichen Saison. Die Nerven scheinen blank zu liegen. „Wir brauchen zu viele Chancen“, sagt Weinzierl. Zu viele? Die Zuschauer sehen einen harmlosen Schuss des harmlosen Alexander Esswein (16.), zwei weitere Chancen von Didavi (45.) und Andreas Beck (76.). Mehr ist da nicht. Alles einfach nur richtig enttäuschend.

Der Fußball und seine größten Spuckskandale: Von Rijkaard bis Dzeko

  1. Frank Rijkaard: Die Rivalität zwischen deutschen und holländischen Kickern war schon immer groß. Richtig heftig wurde es bei der WM1990 in Italien. Im Achtelfinale kommt es zu einer Kurzschlussreaktion von Frank Rijkaard. Der Holländer hatte Völler gefoult, der deutsche Stürmer lief davon. Rijkaard aber verliert die Beherrschung und bespuckt Völler. Es kommt zum Wortgefecht, beide sehen die Rote Karte. Beim Verlassen des Platzes spuckt der Holländer nochmal.
  2. Sinisa Mihailovic: Jens Jeremies ist kaum mehr zu beruhigen. Trainer Berti Vogts hat allergrößte Mühe, ihn einzufangen. Jeremies war bespuckt worden beim WM-Spiel 1998. Das Perfide: Der Jugoslawe Sinisa Mihajlovic hatte Jeremies in den offenen Mund gespuckt. Nicht geahndet und nicht bestraft. Auch weil die deutsche Delegation keinen Einspruch eingelegt hatte. Es ist die größte Demütigung für einen Spieler, wenn er angespuckt wird“, sagte Jens Jeremies.
    1998: Sinisa Mihajlovic (links) hat gespuckt, Jens Jermies ist fuchsteufelswild.
    1998: Sinisa Mihajlovic (links) hat gespuckt, Jens Jermies ist fuchsteufelswild. | Bild: Imago
  3. Francesco Totti: Bei der EM 2004 kennt sich Francesco Totti selbst nicht mehr. „Das ist nicht der echte Francesco“, sagt er, nachdem er die Bilder seiner Spuckattacke gesehen hatte. Was war passiert? Italien traf auf Dänemark. Plötzlich spuckte Totti dem damals für den Bundesligisten FC Schalke 04 spielenden Christian Poulsen ins Gesicht. Der Schiedsrichter hatte das Vergehen nicht gesehen, erst Fernsehbilder klärten auf. Totti wurde für drei Spiele gesperrt.
    2004: Franceso Totti (rechts) verliert gegen Poulsen die Nerven.
    2004: Franceso Totti (rechts) verliert gegen Poulsen die Nerven. | Bild: Imago
  4. Javier Pinola: Im Derby zwischen München und Nürnberg geht es oft ruppig zu. Im Jahr 2010 aber übertreibt es zumindest ein Beteiligter. Nürnbergs Javier Pinola spuckt Bastian Schweinsteiger an. „Sowas Respektloses. Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Schweinsteiger. Einen Tag später ruft der Argentinier beim FC Bayern an, entschuldigte sich. „Das war der größte Fehler in meiner ganzen Karriere“, sagt Pinola. Das DFB-Sportgericht sperrt ihn nachträglich für vier Spiele.
    2010: Bastian Schweinsteiger wird von Javier Pinola (rechts) bespuckt.
    2010: Bastian Schweinsteiger wird von Javier Pinola (rechts) bespuckt. | Bild: Imago
  5. Edin Dzeko: Eine Niederlage kann nerven. Erst recht, wenn sie mit 1:7 heftig ausfällt. Dem AS Rom ist das im Pokalviertelfinale gegen den AC Florenz zu Jahresbeginn passiert. Edin Dzeko hat bei dieser Partie komplett die Nerven verloren. Der ehemalige Bundesligastürmer spuckte den Schiedsrichter an. Der stellte ihn daraufhin vom Platz. Zwei Spiele Sperre im Pokal und eine 10 000-Euro-Gelstrafe waren die Folge. Dzeko ist seit 2015 in Rom unter Vertrag.
    2019: Im italienischen Pokal bespuckt Edin Dzeko den Schiedsrichter.
    2019: Im italienischen Pokal bespuckt Edin Dzeko den Schiedsrichter. | Bild: TIZIANA FABI, AFP