Holger Badstuber ging beim Schlusspfiff in die Knie. Mit beiden Händen stützte er sich im Stuttgarter Strafraum ab. Den Blick nach unten auf dem grünen Rasen gerichtet. VfB-Verteidiger-Kollege Benjamin Pavard gab ihm einen aufmunternden Klaps. Doch über dieses 0:1 (0:0) des VfB Stuttgart beim FSV Mainz 05 konnte auch weltmeisterlicher Zuspruch nicht hinwegtrösten. Wie schon beim 0:2 in Rostock im DFB-Pokal vor einer Woche patzte Holger Badstuber in der Szene des Tages entscheidend. Der Mainzer Robin Quaison setzte sich all zu leicht im Laufduell nach 76 Minuten durch. Zu allem Überfluss stolperte der 29-jährige Badstuber auch noch. Quaison fand in der Mitte den Nigerianer Anthony Ujah, der zum 1:0 vollendete. „Das wird an ihm nagen, aber er kann mit so einer Situation umgehen“, befand Stuttgarts Sportdirektor Michael Reschke.

Badstuber stellte sich eine Stunde nach Spielschluss und schilderte seine Sichtweise beim Gegentor ausführlich. „Ich schau mich nach links um, er kommt aber über rechts. Er checkt mich kurz“, erklärte der ehemalige Nationalspieler. „Für einen Abwehrspieler ist das undankbar, aber ich muss das anders lösen.“ Ja, der VfB muss schnell andere, viel bessere Lösungen finden, wenn es kein totaler Fehlstart in diese Spielzeit werden soll. Am Samstag (18.30 Uhr) kommen die Bayern. Die 1:4-Klatsche vom finalen Spieltag der Vorsaison, die haben sie beim Rekordmeister mit Sicherheit noch nicht vergessen. Die Euphorie des erfolgreichen Frühlings und Transfer-Sommers, sie scheint beim Verein für Bewegungsspiele langsam zu verfliegen. „Wenn man zwei Mal verliert, dann ist das weit weg von dem, was wir uns vorgestellt hatten“, gestand Michael Reschke, verwies aber gleichzeitig auf das schwere Auftaktprogramm in der Bundesliga.

Dabei hatten die Schwaben am Sonntagmittag in Mainz gar nicht schlecht begonnen. Die erste halbe Stunde war der VfB das bessere Team. Stürmer Nicolas Gonzalez ließ nach neun Minuten sein Können aufblitzen. Der argentinische Neuzugang zog aus vollem Lauf ab und nötigte den Mainzer Torwart Florian Müller zu einer Glanzparade. Gonzalez setzte Gentner schön in Szene (15. Minute), der allerdings knapp verzog. „Wir müssen hier mindestens mit einem Punkt wegfahren“, haderte Erik Thommy. „Wir hatten zwei, drei hochkarätige Chancen, die muss man halt nutzen.“ Weil sich in Durchgang zwei beide Teams noch mehr belauerten als in den ersten 45 Minuten, war es ein Duell auf fußballerisch sehr überschaubarem Niveau. „Hier geht es halt nicht nur übers Spielerische“, sagte Christian Gentner. Mainz-Trainer Sandro Schwarz sprach von einem „zähen Ding“. Das war es für alle Beteiligten. Spieler, Trainer und Zuschauer. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke beschlich nach 65 Minuten ein gewisses Gefühl: „Eine Aktion wird das Spiel entscheiden.“ Das Gefühl sollte den Rheinländer in schwäbischen Diensten nicht trügen.

Aus der klassischen Nullnummer wurde nur für den VfB eine. VfB-Trainer Tayfun Korkut bilanzierte: „Die zweite Hälfte ist so dahingeplätschert.“ Dann fiel sie mit dem Badstuber-Strauchler und dem Ujah-Tor vor den 28705 Zuschauern komplett ins Wasser. Seit dem Jahr 2011 wartet der VfB Stuttgart jetzt auf einen Bundesliga-Auftaktsieg. Das Warten geht bis zum Sommer 2019 weiter. Mindestens. „Ein erfolgreicher Start ist eigentlich eine Riesenhilfe für eine Saison“, sagte Kapitän Christian Gentner noch. Wohl wahr.