Skispringen ist eine komplexe Sportart, die sich nicht auf den ersten Blick für jedermann erschließt. Es gibt so viele Details, die während eines Fluges schiefgehen können. Der eine, der heute gut ist, muss das nicht zwangsläufig auch morgen sein. Oder anders gesagt: Nur weil Markus Eisenbichler am Samstag in Innsbruck Weltmeister geworden war, muss ihm das nicht auch am Freitag in Seefeld gelingen.

Verrückte Bedingungen

Erst recht, wenn die Bedingungen so verrückt und letztlich unfair sind wie auf der Toni-Seelos-Schanze. Am Ende des WM-Springens von der Normalschanze wird Eisenbichler Siebter, direkt hinter Richard Freitag und Stephan Leyhe. Den Titel holt der Pole Dawid Kubacki vor seinem Landsmann Kamil Stoch. Dritter wird der Österreicher Stefan Kraft.

Alles wird durcheinander gewirbelt

So komplex Skispringen ist, so sehr ist es auch von den äußeren Einflüssen abhängig. Und die sind am Freitag in Seefeld so extrem, dass die Ergebnisse aus dem ersten Durchgang noch einmal mächtig durcheinander gewirbelt werden. Als wären sie in einen wahren Orkan geraten. Karl Geiger wird nach dem ersten Durchgang auf Platz zwei geführt, direkt hinter dem Japaner Ryoyu Kobayashi. Die zwei derzeit besten Springer liegen zurecht vorne.

Opfer der Bedingungen

Als allerdings kurze Zeit später der zweite Durchgang zu Ende ist, ist Kobayashi nur noch 14., Geiger gar nur noch 18. Was ist geschehen? Beide sind Opfer der Bedingungen geworden. Weil mächtig viel Schnee in die Anlaufspur drängt, wird diese von Springer zu Springer langsamer. Zwar stehen etliche Helfer mit großen Gebläsen am Rande der Spur, bei dem nassen Pappschnee aber sind sie machtlos. Sie bekommen ihn einfach nicht mehr aus der Spur. „Wahrscheinlich hätte man ihn komplett rauskehren müssen“, vermutet Geiger.

Deutlich langsamer

Anhand von Zahlen lässt sich deutlich ablesen, was da in Seefeld tatsächlich los war. Die letzten Springer, also Geiger und Kobayashi, sind im Anlauf bis zu drei Stundenkilometer langsamer als Weltmeister Kubacki. Der war nach Durchgang eins auf Platz 27 gelegen. Am Ende aber jubelt er. „Das ist schon bitter. Mein Sprung war sicherlich nicht zu 100 Prozent top. Normalerweise aber kann ich Topspeed fahren, jetzt bin ich zwei Kilometer hinterher. Da muss man sich schon fragen, ob das noch Sinn macht“, sagt Karl Geiger.

Keine Werbung für die Sportart

„Das Springen war sehr, sehr schwierig und unangenehm zu verfolgen, weil keiner mehr richtig durchblickt“, sagt Bundestrainer Werner Schuster. Windpunkte, Anlauflänge, viele Faktoren spielen in die Entscheidungsfindung mit rein. „Die Art und Weise war schon sehr schräg, das war kein Glanztag für unsere Sportart“, sagt Schuster, dem es vor allem für Geiger und Kobayashi leid tat. Beide sind in Topform und hätten bei normalen Bedingungen allerbeste Chancen auf eine Medaille gehabt.

Schneefall wird richtig heftig

Bleibt die Frage, warum der Wettkampf nicht abgebrochen wird. Die besten Springer leiden unter den Bedingungen, fair sind die Verhältnisse nicht. Die Bedingungen sind von Anfang an schwierig. Erst regnet es, im ersten Durchgang stört zudem der Wind. In der zweiten Hälfte des Wettbewerb schneit es immer heftiger. „Das war grausig zum Anschauen, grausig zum Springen“, sagt der Österreicher Stefan Kraft. „Wir sind eine Freiluftsportart, da muss man das auch mal so hinnehmen“, befindet Stephan Leyhe. Ihm fehlen als Sechster rund zwei Meter auf eine Medaille. Damit folgt ein weiterer Tag ohne Medaille für das deutsche Team.

Mixed-Medaille als letztes Ziel

Am Samstag steht die letzte WM-Entscheidung der Skispringer an. Im Mixed-Team starten Markus Eisenbichler, Katharina Althaus, Karl Geiger und Juliane Seyfarth. Das Ziel: eine Medaille – wenn alles fair bleibt.