Christian Streich hatte vorab gewarnt. Paderborn sei zwar Tabellenletzter, aber man dürfe deswegen nicht einfach drauflos stürmen. Vielmehr müsse man die Balance hinbekommen zwischen Defensive und Offensive, um einerseits hinten stabil zu stehen und andererseits genügend Druck nach vorne zu entwickeln. Das war, wie gesagt, weit vor dem Spiel und hatte damit auch beim Anpfiff von Schiedsrichter Christian Dingert seine Gültigkeit.

Alle Torannäherungen

Zeitsprung. Halbzeit. Ob der Trainer des SC Freiburg zufrieden ist? Ja, die Abwehrarbeit ist in Ordnung, aber weder Spielaufbau noch Angriffsbemühungen können überzeugen. Der Gegner aus Ostwestfalen attackiert früh und damit weit in der Freiburger Platzhälfte. Das ist gewiss nervig, aber es bietet normalerweise auch Räume. Streichs Kicker agieren zu langsam, behäbig bisweilen, ein Kombinationsspiel kommt selten zustande. Und als es in der 39. Minute mal klappt, als Janik Haberer mit einem weiten Diagonalpass von links nach rechts den Kollegen Changhoon Kwon findet und der Koreaner den Ball maßgerecht in den Lauf von Jonathan Schmid legt, da scheint das 1:0 für den Sportclub nur noch einen gelungenen Abschluss entfernt. Doch Schmid, eigentlich für eine perfekte Schusstechnik bekannt, entscheidet sich für einen Schlenzer anstatt Vollspann draufzuhalten. Falsche Idee! Fast zehn Meter geht die Kugel über den Kasten und küsst auf der Südtribüne das Tannenzäpfle-Banner, das den unteren Stehplatz- vom oberen Sitzplatzbereich trennt.

Gut, schon elf Minuten vorher hätte es einen Treffer der Breisgauer geben können. Auch da hatte der wuselige Kwon geflankt, doch am Fünfmeterraum sich Robin Koch und Lucas Höler gegenseitig behindert. Locker-flockig war SCP-Torwart Leopold Zingerle der lachende Dritte gewesen.

Damit sind aber endgültig alle Torannäherungen der Gastgeber beschrieben. Auf der anderen Seite hat freilich auch Alexander Schwolow wenig Arbeit zu verrichten. 5:1 Eckbälle schaffen die Paderborner zwar bis zur Pause, aber mit Eckbällen gewinnt man keine Punkte. Es sei denn, man spielt die Eckstöße so raffiniert, dass es zu einer Torchance kommt. Genau einmal ist das der Fall, als Kai Pröger den Ball nicht in den Strafraum schlägt, sondern an die 20-Meter-Marke, wo ihn Jamilu Collins direkt nimmt und mit seinem strammen Schuss das Tor nur knapp verfehlt. Das 0:0 nach 45 Minuten ist der logische Spielstand.

Den Freiburgern stockt der Atem

Die zweite Halbzeit will Christian Streich denn doch offensiver gestalten. Für Amir Abrashi kommt Vincenzo Grifo und damit ein offensiverer Akteur. Doch erst mal geht der Schuss nach hinten los. Dominik Heintz verliert den Ball an der Mittellinie gleichermaßen leichtfertig wie unbeholfen, mit einem einfachen Pass in die Tiefe wird der Freiburger Abwehrverbund ausgehebelt, Schmid kann Antwi-Adjei nicht folgen und Schwolow den eigentlich schwachen Schuss des Paderborner Angreifers auch nicht mehr abwehren. In der 48. Minute steht es 0:1 – passend zum indisponierten Auftritt des Sportclubs. Nur fünf Minuten später stockt dem Freiburger Anhang der Atem. Denn Sebastian Vasiliadis kommt an der Strafraumgrenze völlig frei zum Abschluss, doch der Grieche setzt den Ball knapp neben den Pfosten. Es hätte das 0:2 sein müssen und die vorzeitige Entscheidung sein können.

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SC-Trainer Streich holt in der 56. Minute Manuel Gulde vom Platz und schickt Spielmacher Nicolas Höfler auf‘s Feld. Nur eine Minute später legt dieser Höfler den Ball Christian Günter in den Lauf, dessen Flanke findet Nils Petersen, doch wird der Flugkopfball des SC-Torjägers vom eigenen Mann abgeblockt – Höler ist unglücklich dazwischen gelaufen.

Gelb-Rot

Der Nächste, der unglücklich dazwischen läuft, ist der Paderborner Collins. Er legt Höler – und sieht, da schon mit der Gelben Karte versehen, nun Gelb-Rot. Eine halbe Stunde in Überzahl haben die Freiburger nun noch Zeit für den Ausgleich oder gar mehr. Grifo versucht es aus 20 Metern – Zingerle pariert (63.). Kwon hält mit rechts drauf – drüber (65.). Höfler köpfelt aus sechs Metern – drüber (69.). Es gibt jetzt endlich Druck der Südbadener, aber dazwischen haben sie mächtig Glück, als ein abgefälschter Schuss von Pröger gegen die Latte klatscht.

Der SC Freiburg drückt, drängt, greift an, aber es kommt einfach keine zwingende Torchance heraus. Petersens Kopfball ist zu schwach, Waldschmidts Kopfball geht über den Balken. Und dann sorgt der schwächste Akteur auf dem Platz, Lucas Höler, für die Entscheidung. Der Freiburger foult Kai Pröger am Strafraumeck, Schiedsrichter Dingert zeigt auf den Punkt und Sabiri verwandelt in der 84. Minute zum 0:2. Zehn Minuten später ist, inklusive der Nachspielzeit, ein rabenschwarzer Samstag für den SC Freiburg zu Ende.

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