Spielt er? Spielt er nicht? Die Sportclub-Fans sind sich einig: Er soll spielen! Aber als die Aufstellung etwa eine Stunde vor Anpfiff bekannt wird, ist klar: Er spielt nicht. Noch nicht.

Er – das ist Vincenzo Grifo, der inzwischen wohl endgültig heimgekehrte Sohn, der Liebling der Massen und, ja, der Könner, der an guten Tagen schnell den Unterschied ausmachen und Spiele entscheiden kann. Aber Christian Streich vertraut zunächst mal der Anfangself vom 3:0-Auswärtssieg in Hoffenheim und lässt den alten Neuen draußen.

Freiburg verpasst Tor-Chance

Es geht auch ohne Grifo viel über die linke Seite. Dort wirbeln Christian Günter und Lucas Höler die Augsburger Deckung mehrfach durcheinander. Schon nach drei Minuten serviert Günter seinem Mittelstürmer Nils Petersen eine feine Vorlage, doch die Direktabnahme des Torjägers von der Strafraumgrenze wird FCA-Torwart Koubek pariert.

Nach einer Viertelstunde ist die Freiburger Führung dann fällig. Einen Eckball von Günter köpft Robin Koch aus Nahdistanz aufs Tor, Koubek kann reflexartig parieren, doch die Kugel liegt eben direkt vor den Füßen von Mike Frantz. Der Kapitän des Sportclubs muss eigentlich nur richtig draufhalten, vielleicht am besten hoch schießen, doch er bringt nur einen Flachschuss zuwege, der prompt halb geblockt und so zur Beute von Koubek wird.

Lucas Höler schießt den SC zur Führung

Nach 24 Minuten ist es dann aber so weit. Günter, Höler, Günter, Höler – Tor! Erst spielen die beiden Doppelpass, dann wird Günter gestoppt, doch Höler nagelt den Abpraller links unten in den Kasten. Das 1:0 durch die bis dahin auffälligsten Akteure auf dem Rasen. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, eh“, skandiert der SC-Anhang, denn ein Dreier würde zumindest kurzzeitig Platz eins einbringen.

Die Freiburger haben die harmlosen Gäste im Griff, lassen es aber manchmal etwas zu behäbig angehen. Nicht so in der 28. Minute, da zieht Jannik Haberer nach einem Augsburger Ballverlust auf und davon, der Mittelfeldspieler hat dann gleich mehrere Möglichkeiten, Kollegen in Szene zu setzen, er entscheidet sich für den rechts von ihm mitgesprinteten Jonathan Schmid – und vermasselt das Abspiel. Fahrlässig wird so das mögliche 2:0 vertan, und das sollte sich rächen.

Niederlechner gelingt der Ausgleichstreffer

Erst muss in der 34. Minute Frantz verletzt vom Platz, für ihn kommt „ER“, also Grifo, doch der ist noch keine fünf Minuten im Spiel, da liegt der Ball im Tor der Freiburger. Kein einziger SC-Verteidiger steht da, wo er stehen sollte, Moravek hat es leicht, Niederlechner einzusetzen und der kann mühelos zum 1:1 einschieben. Ausgerechnet der Niederlechner, der Stürmer, der vergangene Saison noch das SC-Trikot trug, dürfte so mancher Freiburger Fan geflucht haben.

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Aber wenn schon ein Ex-Freiburger für seinen neuen Klub trifft, warum dann nicht Heimkehrer Grifo oder auch Schmid, der aus Augsburg zum SCF zurückgekommen ist? In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zirkelt Grifo einen Freistoß in den Strafraum, Nicols Höfler köpft in den Fünfmeterraum, doch dort hätte Höler in etwa eine Körpergröße von 2,30 Meter haben müssen, um den Ball im Tor zu versenken. 1:1 also zur Pause.

Waldschmidt wird erst kurz vor Schluss eingewechselt

Die erste Chance nach dem Seitenwechsel gehört den Schwaben. Finnbogason versucht es aus 16 Metern Entfernung, findet aber in SC-Keeper Alexander Schwolow seinen Meister (51.). Und der SC Freiburg? Nichts, die Streich-Schützlinge kriegen keinen Zugriff aufs Geschehen. Auch Grifo nicht, der auf der linken Seite keinen Schwung bringt. Und, ja, auch Günter spielt plötzlich wie gehemmt.

Erst in der 68. Minute bringen die Freiburger einen ersten Annäherungsversuch aufs Augsburger Tor hin. Nach Günters Vorlage wird Petersens Schussversuch aber von Max geblockt. Eine Minute später rauscht Günters Fernschuss in die zweite Etage – und auf den Tribünen fragen sich die Sportclub-Anhänger, wann endlich Luca Waldschmidt kommt. Spät, präzise in der 75. Minute, schickt Christian Streich den Torschützenkönig der U-21-EM für den Torschützen Höler in die Partie.

Zu viele Akteure, die nicht an ihr Limit kommen

Für drei, vier Minuten hat es den Anschein, als käme noch mal Druck ins Spiel der Gastgeber. Aber es ist nur ein Strohfeuer, das eine Halbchance für Petersen bringt, mehr aber nicht. Haberer, Schmid, Petersen, eben auch Grifo und Günter – der SC Freiburg hat in Halbzeit zwei zu viele Akteure, die nicht an ihr Limit kommen. Und doch hätte der Sieg herausspringen können: Nach einem Augsburger Ballverlust vor dem eigenen Strafraum kann Nicolas Höfler unbedrängt aus 15 Metern abschließen, er schlenzt den Ball mit links an allen vorbei und trifft den Außenpfosten.

Zwei Minuten später flankt Schmid, Petersen köpft, der chancenlose Koubek schaut der Kugel hinterher, die gegen den Innenpfosten springt und von dort in die Arme des FCA-Torwächters. Zum Schluss hin also mächtig Pech für die Freiburger, die mit einem direkt getretenen Freistoß von Grifo, den Koubek festhält, auch den letzten Akzent setzen. Nichts ist es geworden mit einem Sieg und – jawohl – der Tabellenführung auf Zeit.