Was für eine Euphorie. In nicht einmal einer Stunde waren alle frei verkäuflichen Tickets für das Relegationshinspiel des Fußball-Drittligisten Karlsruher SC gegen den Zweitligisten Erzgebirge Aue ausverkauft. Dabei stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal fest, auf welchen Gegner der KSC am Freitagabend ab 18.15 Uhr (live im ZDF) im Wildparkstadion trifft. Doch allein der Fakt, dass die Badener nach einer schwierigen Saison überhaupt noch die Relegation erreichten, elektrisierte die Fans. Dabei hat der KSC ganz und gar keine guten Erfahrungen mit den Entscheidungsspielen am Saisonende gemacht.

Zweimal dabei gewesen, zweimal verloren

Vor 28 000 Zuschauern wollen die Karlsruher einen ersten Schritt zu Bewältigung eines Relegations-Traumas legen: Sowohl 2012 als auch 2015 stand man bereits in diesen zwei Spielen, die über die Arbeit einer ganzen Saison entscheiden – beide Male hatte der KSC das Nachsehen, beide Male spielte der Schiedsrichter eine Hauptrolle. 2012 traf man als Zweitligist auf den Drittligisten Jahn Regensburg. Nachdem Schiri Christian Dingert im Hinspiel auf eine plumpe Schwalbe eines Jahn-Spielers mit einem Elfmeterpfiff reagierte, zog man am Ende nach zwei Unentschieden nur wegen der Auswärtstorregel den Kürzeren. Und die 2015er-Erstliga-Relegation bleibt wohl für immer ein wunder Punkt jedes KSC-Anhängers: In der Nachspielzeit schenkte Schiedsrichter Manuel Gräfe nach vermeintlichem Handspiel dem unterlegenen Hamburger SV einen unberechtigten Freistoß, Marcelo Diaz verwandelte ihn zum Ausgleich, in der Verlängerung siegte der HSV. Der KSC erholte sich in der Folge nicht mehr von diesem Nackenschlag und stieg 2017 sang- und klanglos in die Dritte Liga ab.

Schon die Teilnahme ist ein Erfolg

Jetzt soll es im dritten Versuch mit der erfolgreichen Relegation klappen. Trainer Alois Schwartz und Sportdirektor Oliver Kreuzer tun ihr Bestes, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. "Der Zweitligist muss teilnehmen – wir dürfen", sagte etwa Trainer Schwartz. Allein dass der KSC in der Relegation dabei ist, ist ein Erfolg: Der Absteiger startete katastrophal in die Saison, erst 21 unbesiegte Spiele in Folge führten den Verein auf Relegationsplatz Drei.

Aus finanzieller Sicht ist der Aufstieg fast Pflicht

Wirklich befreit kann der Drittligist dennoch nicht aufspielen: Aus finanzieller Sicht ist der Aufstieg nahezu Pflicht. Der Verein, dessen weiteres Bestehen längst am Geld des 80-jährigen Milliardärs und KSC-Vize-Präsidenten Günter Pilarsky hängt, kann sich eine weitere Drittliga-Saison kaum leisten. Die Lizenzanträge kamen vom zuständigen DFB mit Nachbesserungsforderungen zurück. Perspektivisch muss der Blick aber sogar Richtung erste Liga gehen: Anders kann sich der Verein die künftige Stadionmiete für das Wildparkstadion auf Dauer nicht leisten. Das städtische Stadion wird ab 2019 für 123 Millionen Euro komplett umgebaut.

Der Gegner hadert mit seinem Schicksal

Bei Gegner Erzgebirge Aue ist man derweil völlig mit sich selbst beschäftigt. Mehrfach erhob man einen aussichtslosen Einspruch gegen die Wertung des letzten Saisonspiels gegen Darmstadt. Eklatante, allerdings unanfechtbare Fehlentscheidungen des Schiedsrichters haben Aue dort noch auf den Relegationsrang stürzen lassen. Der Einspruch wurde abgewiesen. Beide Vereine werden hoffen, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann am Freitagabend keine Hauptrolle spielen wird. Anders als in der sonstigen Zweit- und Drittligasaison stehen ihm die Torlinientechnologie und der Videoschiedsrichter zur Verfügung. Dasselbe gilt für das Rückspiel, das am Dienstag um 18.15 Uhr in Aue ausgetragen wird. Um das Auswärtskarten-Kontingent auszuschöpfen, brauchten die Karlsruher Fans da sogar nur 30 Minuten.