Nur der HSV! Diese Formel kennt jeder Fan des Hamburger SV, an Spieltagen ist sie auf dem Weg zum Volksparkstadion immer zu hören. „Nur der HSV“ ist auch ein Buch überschrieben – „Titel, Tore, Emotionen, die Raute im Blick des Hamburger Abendblatts“ lautet der Untertitel. Dasselbe Abendblatt hat gestern die Titelseite mit der HSV-Raute versehen. Ohne Farbe, dafür mit den drei Worten „Schwarz, weiß, grau“ und einem Nagetier drunter: „Vom Dino zur Maus“. Die „Bild-Zeitung“ lieferte in ihrer Hamburger Ausgabe eine neue Erklärung für die drei Buchstaben HSV: Hamburgs Schändliche Versager“. Hohn und Spott wird dem sechsfachen deutschen Meister auch im Netz zuteil. Da gibt es Gratulationen zum „Klassenerhalt ohne Relegation“, Anerkennung für „die mit Abstand beste Zweitligasaison“. Echt originell war ein Twitterer namens Martin Schneider: „Statistisch gesehen bleibt der HSV immer 55 Jahre in einer Liga, bevor er sie wechselt.“ Schneller gewechselt werden die Trainer, und wahrscheinlich wird es nun auch den glücklosen Hannes Wolf treffen. Auch zu dieser Prognose gibt es den passenden Witz. Fragt die junge Ehefrau ihren Gatten: „Würdest Du mich nochmal heiraten?“ Der Mann sagt sofort: „Ja, oft!“ Die Frau: „Und wie oft?“ Der Mann: „So oft, wie der HSV den Trainer wechselt.“ Die Frau bricht in Freudentränen aus: „Wahre Liebe, mein Schatz.“

Doch wer, bitte, denkt an die tief getroffenen HSV-Fans? Niemand, ja nicht mal Klub-Ikone Uwe Seeler! „Das ist der schlechteste HSV der Geschichte“, urteilte der 82-Jährige, der Sorge hat, seinen Verein des Herzens noch mal in der Bundesliga kicken zu sehen. „So leicht wie in dieser Saison“, wetterte Seeler, „wird der Aufstieg nie wieder.“

Nur der HSV ... bleibt unten? Die Spötter werden schon sehen, was sie am SC Paderborn haben in der Bundesliga. Oder/und an Union Berlin. In diesem Sinne schöne Grüße nach Stuttgart. Im Schwabenland findet sich dieselbe fatale Neigung wie in Hamburg, sich zu früh für zu gut befinden. Womöglich findet das „Nur der HSV“ nach der Relegation eine Verlängerung: „und der VfB“.